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Professorin verzaubert beim Orgelzyklus

Professorin verzaubert beim Orgelzyklus

Konz Feiner und zierlicher kann ein Orgelkonzert gar nicht anfangen: Sohyun Park interpretiert die einstimmigen Läufe in Bachs "Pièce d’Orgue" fließend und flexibel. Sie schafft eine leichthändige, hell klingende Einleitung.

Darauf folgt der fünfstimmige Hauptteil, in dem der jugendliche Überschwang Bachs deutlich wird. Die kompleye Komposition klingt bei der Koreanerin entschieden, aber unforciert, transparent im Klang und immer mit einem gleichmäßigen, ruhigen Pulsschlag. Die Professorin aus dem fernen Südkorea, die großenteils in Deutschland ausgebildet wurde, beweist großes Geschick im Umgang mit der Gaida-Orgel in der Konzer Pfarrkirche St. Nikolaus. Da waltet eine ausgeprägte Klangphantasie. In Bachs "Jesus bleibet meine Freude" klingt die Kantaten-Vorlage mit ihrem Vokal-Charakter mit. Die Ciaccona in e-Moll des Barockkomponisten Dieterich Buxtehude profitiert von Parks flexiblen, atmenden Musizieren. Und Henry Mulets "Tu es Petra" (Du bist der Fels) entwickelt sich zu einem mitreißend brillanten Abschluss.
Gut 50 Besucher waren wie gebannt dabei und applaudierten anhaltend und hellauf begeistert. Die Organistin hatte neben solchen Originalstücken auch Übertragungen mitgebracht und ließ diese mit ihrem spieltechnischen Können und ihrer Sensibilität für Klangnuancen ertönen: Diese Bearbeitungen sind alles andere als Musik aus zweiter Hand. Stark und überzeugend wirkt das Concerto h-Moll von Vivaldi in der Orgel-Fassung von Bachs Vetter Johann Gottfried Walther. Beschwingt und grazil erklingen die vier Sätze aus Tschaikowskys Ballettmusik "Der Nussknacker", die Park für Orgel selbst arragiert hat. Die fünf Sätze aus den "Bildern einer Ausstellung" waren für die Übertragung sicherlich die höchste Hürde. Denn Mussorgskys Klavier-Zyklus wurde bereits von Maurice Ravel für Orchester bearbeitet. Aber Park lässt sich davon nicht beeindrucken. Sie entwickelt andere, neue Klangvisionen. Im Stück "Gnomus", nimmt die Musik eine fast surreal bizarre Gestalt an. Das "Große Tor" wird bei Park zur Hymne auf russische Musikkultur.
Nur beim Stück "Veccio castello", dem Alten Schloss, das Ravel mit einem Saxopfon besetzt hat, das für eine exotische Atmosphäre sorgt, kann die Orgel nicht Schritthalten. Hier muss sie sich auf Annäherungen beschränken.