Projekt: Wie man die Wut geregelt los wird

Rund 140 Fünft- und Sechstklässlern aus Saarburg und Taben-Rodt ist mithilfe eines Präventionsprojekts bewusst geworden, was sie mit verbaler Gewalt und Handgreiflichkeiten anrichten können.

In der „Autowaschanlage“ ging es beim Parcours richtig zärtlich zu. TV-Foto: Herbert Thormeyer

Saarburg/Taben-Rodt. (doth) "Halt die Fresse, Moslem" - solche oder ähnliche Sätze fallen schon mal in der großen Pause auf dem Schulhof der Haupt- und Realschule in Saarburg-Beurig. "Das ist ein drastisches Beispiel, wie verletzend Schüler sein können", weiß Schulsozialarbeiterin Ulrike Schena-Heinrich, die einen Parcours zur Gewaltprävention gemeinsam mit Irene Stangl von der Fachstelle "Mädchenarbeit und Gewaltprävention" des Jugendnetzwerkes Konz entwickelt hat.

Gruppen von jeweils 18 Schülern von der Haupt- und Realschule und aus der Propstey Taben-Rodt absolvierten die Stationen "Schimpfwörter-ABC", die "Autowaschanlage", "Platzen vor Wut" und "Raufen macht Spaß".

Was Ausdrücke wie "Du Opfer" alles anrichten, wurde den Schülern schnell klar. "Jemanden, der sowieso schon Pech hatte, auch noch zu beschimpfen, finden die Teilnehmer jetzt nicht mehr cool, wenn es ihnen erklärt wird", erklärt Schena-Heinrich.

Schweres Schicksal führt zu Auffälligkeiten



In der "Autowaschanlage" kommt es darauf an, sanft mitein-ander umzugehen. Einer spielt das Auto, die anderen die Reinigungsmaschinen. "Platzen vor Wut" wurde mit Luftballons nachgestellt.

Auf den Ballons wurde notiert, was einen ärgert. Danach wurde der Ballon kaputt gepiekst. So sollte die Wut geregelt rausgelassen werden. Nach ganz bestimmten Regeln durfte sogar mit Schaumstoffschlägern gerauft werden. Katharina (12) meinte: "Das war cool und lustig. Wenn man was rauslassen kann, befreit das richtig." Auch Xelat (12) fühlte sich danach viel besser: "Wir haben gelernt, dass wir nicht einfach schlimme Wörter sagen, ohne uns klarzumachen, welche Wirkung sie haben."

"Die Kinder sind nicht bösartig. Wer auffällig wird, hat oft ein schweres Schicksal wie Scheidung oder Verlust eines Elternteils zu ertragen", weiß Irene Stangl. Gertrud Kerschbaum, Lehrerin in der Propstey in Taben-Rodt berichtet von einer guten Erfolgsquote, selbst bei Problemfällen: "Unsere Internatsform, kleinere Klassen und intensivere Betreuung machen es möglich."