Protest gegen Hermeskeiler Biogas-Projekt geht weiter

Protest gegen Hermeskeiler Biogas-Projekt geht weiter

Der Widerstand von Anwohnern gegen die geplante Biogasanlage am Hermeskeiler Stadtrand wächst. Sie befürchten große Lärm- und Geruchsbelästigungen. Landwirt Markus Eiden möchte den Bewohnern derweil entgegenkommen.

Hermeskeil. Lärm, Gestank, Lieferverkehr: Der Protest gegen die geplante Biogasanlage am Hermeskeiler Stadtrand in unmittelbarer Nähe zum Wohngebiet ebbt nicht ab. Inzwischen hat sich eine Interessengemeinschaft (IG) gegründet, die sich gegen den Bau der Anlage an diesem Standort ausspricht. Mehr als 400 Unterschriften von Bürgern haben die Kritiker gesammelt.
Vorteile für die Stadt


Es stehe für die IG außer Frage, dass es zu Mehrbelastungen durch Lärm und Geruch kommen werde. Und zwar nicht nur für die direkten Anwohner, sagt Christiane Probst, Sprecherin des Bündnisses. Auch seien in der Stadt erhöhte Belastungen durch den Lieferverkehr zu erwarten. Denn die Silage, mit der die Anlage betrieben wird, werde zum Teil von einem Kooperationspartner aus Kell kommen. Die Bürger sind ebenfalls skeptisch, ob die Biogasanlage in der Zukunft nicht erweitert oder mit geruchsintensiveren Stoffen befüllt wird (siehe Extra). "Für uns Anwohner ist am Wesentlichsten, wie sich der Betrieb der Anlage zukünftig verändern könnte", stellt Probst klar.
Sowohl die öffentliche Informationsveranstaltung (der TV berichtete) als auch persönliche Gespräche mit Landwirt Markus Eiden, dem Stadtbürgermeister sowie der Kreisverwaltung Trier-Saarburg konnten die Bedenken der IG laut Probst nicht ausräumen. Die Forderung der Kritiker ist deshalb eindeutig: Sie wollen den Bau der Biogasanlage an einem anderen Standort.
Für Landwirt Markus Eiden, der die Anlage in der Nähe seines Hofes betreiben will, kommt der erneute Protest unerwartet. "Ich bin aber gewillt mitzuarbeiten", sagt er. Um den Anwohnern entgegenzukommen, denke er deshalb über Veränderungen an der Anlage nach, die die Geruchs- und Lärmbelästigungen verringern würden. So sei eine bessere Geräuschabschirmung durch eine andere Bauweise des Heizkraftwerks und der Rührwerke im Fermenter geplant.
Zusätzliche Kosten im mittleren fünfstelligen Bereich würden dafür anfallen. Eiden weist zudem darauf hin, dass die Anlage kaum zu sehen sein werde, da sie von einer mindestens 1,5 Meter hohe Mauer mit Hecke umgeben sein werde. Und er fügt hinzu, dass die Geruchsbelastung an anderer Stelle sogar abnehmen werde. "Denn die Gärreste, die dann auf den Feldern verteilt werden, riechen deutlich weniger als Gülle."
"Es sind keine Belästigungen über das landwirtschaftliche Maß hinaus zu erwarten", sagt auch Stadtbürgermeister Udo Moser (Bürger für Bürger). Davon habe er sich bei der Besichtigung einer baugleichen Anlage überzeugt. Im Gegenteil: Die Biogasanlage könne der Stadt sogar Vorteile bringen, sagt Moser. So werde die Möglichkeit geschaffen, auf andere Energieformen umzusteigen. Zudem bleibe die Wertschöpfung direkt vor Ort. Denn es sei geplant, die anfallende Wärme in der Innenstadt zu nutzen.
Der Stadtbürgermeister kann aber auch die Sorgen der Anwohner verstehen. "Wir wissen um die Ängste aus der Bevölkerung", sagt er. Es sei ein "sensibler Standort", der für eine Stadt mit der Größe von Hermeskeil nicht ideal sei. Aber die Menschen könnten auch nicht vom Landwirt erwarten, dass er auf ein zusätzliches wirtschaftliches Standbein verzichte, das seine Zukunft sichern könne. Moser: "Wir führen aber noch Gespräche, in denen auch andere Möglichkeiten diskutiert werden."
Landwirt Markus Eiden bietet Bürgern in den kommenden 14 Tagen Fahrten zu bereits bestehenden Biogasanlagen an. Interessierte können sich per E-Mail unter info@eidenagro.de anmelden.
BIOGASANLAGE


Die Anlage der Familie Eiden soll eine Leistung von 250 Kilowatt haben und mit Rindergülle sowie Mais- und Grassilage gefüttert werden. Die damit verbundene Geruchsbelastung sei damit wesentlich geringer als bei Anlagen, die mit Lebensmittelabfällen betrieben werden, sagen die Landwirte. Der produzierte Strom soll laut Markus Eiden in das Netz der RWE eingespeist werden. Rund 400 Vier-Personen-Haushalte könnten damit ein Jahr lang versorgt werden. Die extern nutzbare Wärme, die in etwa 200 000 Litern Heizöl entspricht, will der Betrieb in der Hermeskeiler Innenstadt verkaufen. Noch liegt die Baugenehmigung für die Biogasanlage aber nicht vor. "Es fehlen noch Stellungnahmen von Fachbehörden", erläutert Thomas Müller, Pressesprecher der Kreisverwaltung Trier-Saarburg. hsc