Prozess im Landgericht Trier - Versuchter Mord oder Unfall in Taben-Rodt

Kostenpflichtiger Inhalt: Gerichtsprozess : Ungewöhnliche Beinbrüche und hoher Puls – Versuchter Mord oder Unfall in Taben-Rodt?

Eine Rechtsmedizinerin hat im Prozess um einen mutmaßlichen Mordversuch in Taben-Rodt zu den schweren Verletzungen des Opfers und der Herzfrequenz des Angeklagten ausgesagt.

Im Landgericht Trier geht es am Donnerstagvormittag um Adrenalin und um komplizierte Brüche. Rechtsmedizinerin Daniela Bellmann erläutert ihr Gutachten zum Fall des mutmaßlichen Mordversuchs in Taben-Rodt. Die Staatsanwaltschaft wirft einem 44-jährigen Saarländer vor, dass er seine Ex-Geliebte am 15. November 2018 in Taben-Rodt mit seinem Auto überfahren habe und sie so habe töten wollen. Weder Täter noch Opfer können sich an die Tat erinnern. Auch 34 Zeugenaussagen haben bisher keine Klarheit gebracht. Diese bringt auch die Rechtsmedizinerin nicht. Allerdings sagt sie zu den Verletzungen des Opfers und der körperlichen Verfassung des Angeklagten aus.

Das Opfer erlitt unter anderem Brüche an beiden Beiden und am Kiefer, Hämatome und Schürfwunden am ganzen Körper sowie eine Schnittwunde am Kopf. Bellmann geht davon aus, dass die Verletzungen von einem „komplexen Unfallgeschehen“ herrühren, nicht von einem einfachen Sturz. Während die Wunden auf der rechten Seite eher auf den Sturz nach dem Zusammenstoß zurückzuführen seien, könnten die auf der linken Körperseite direkt durch den Zusammenprall mit einem Auto verursacht worden sein. Weil der Wagen des Angeklagten nach dem mutmaßlichen Mordversuch durch einen Unfall an einem Baum und durch das Versenken in der Saar beschädigt wurde, ist die genaue Rekonstruktion der Verletzungen laut Bellmann schwierig.

Die Schnittverletzung am Kopf sei höchstwahrscheinlich durch einen Drahtzaun verursacht worden, die Fraktur des Handgelenks möglicherweise durch den Zusammenprall mit der Windschutzscheibe. „Ungewöhnlich für einen Autounfall“ seien die Beinbrüche. Die Frau habe Kompressionsbrüche, die durch hartes Aufkommen auf den Füßen verursacht werden. Normal seien bei Autounfällen Biegungsbrüche, die durch stumpfe Gewalt und die damit einhergehende Überspannung der Knochen entstünden.

Die Fachfrau thematisiert im Auftrag des Gerichts auch die Fitnessuhr des Angeklagten. Dieser hat damit seinen Pulsschlag gespeichert, auch am Tattag. Das Auswertungsergebnis der Rechtsmedizinerin: Der Mann habe fast durchgehend eine leicht erhöhte Herzfrequenz von etwa 90 Schlägen pro Minute gehabt. Zweimal – unter anderem innerhalb des potenziellen Tatzeitraums von 7.40 bis 7.55 Uhr – sei der Puls auf ein normales Niveau von 59 Schlägen gesunken. Eindeutige Rückschlüsse lässt das laut der Gutachterin nicht zu – zumal die Aufzeichnungen von Fitnessuhren zum Beispiel durch Schweiß verfälscht werden könnten. Auch die erhöhten Adrenalinwerte beim Angeklagten ließen keine eindeutigen Schlussfolgerungen zu. Sie sprächen nur für ein allgemein hohes Stresslevel.

Der Prozess wird am Freitag, 29. November, 9 Uhr, fortgesetzt. Dann geht es unter anderem um einen Beweisantrag, um weitere mögliche Varianten des Unfallhergangs berechnen zu lassen. Verteidiger Andreas Ammer begründet diese Idee damit, dass bei den Unfallsimulationen bisher nur eine mögliche Wegstrecke des Opfers durchgespielt worden sei. 

Mehr von Volksfreund