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Prozess in Trier wegen Drogendeals gegen fünf junge Männer und eine Frau

Justiz : Gewehre und NS-Andenken als Diebesgut

Drogenhandel, Einbruchsdiebstahl, Betrug: Die Liste der Anklagepunkte gegen fünf junge Männer und eine Frau ist lang.

Die Staatsanwaltschaft Trier hatte die Gruppe im Herbst 2019 schon im Visier. Handys wurden abgehört, verdeckte Ermittler tätigten zum Schein Drogengeschäfte mit dem Hauptangeklagten (22). Nach einer spektakulären Festnahmeaktion der Trierer Polizei am 23. Januar 2020  auf einem Kaufhausparkplatz in Hermeskeil ist Schluss. Der Hauptangeklagte wird festgenommen und mit ihm drei weitere Männer, damals 19, 21 und 32 Jahre alt. Im Wagen befinden sich  erhebliche Mengen verschiedener Rauschgifte. Kurze Zeit danach schlägt die  Polizei im Saarländischen Neunkirchen zu.  In der dortigen Wohnung  des Hauptangeklagten werden die damals 38-jährige  Mitbeschuldigte und deren 20-jähriger Halbbruder festgenommen (wir berichteten). Bei der Durchsuchung der Wohnung findet die Polizei Rauschgift sowie ein Sammelsurium von Militaria und Nazidevotionalien, die offenbar aus einem Einbruch in Nonnweiler stammen.  

Weil beim Landgericht wegen zahlreicher Verfahren die Säle knapp werden, fand der Prozessauftakt am 16. November in der Europäischen Rechtsakademie statt. Damals schwieg der Hauptangeklagte, weil die psychiatrische Sachverständige fehlte.  Am zweiten Verhandlungstag, der gestern regulär im Landgericht läuft, lässt er über seinen Verteidiger Thomas Will eine Erklärung abgeben. Darin räumt er die ihm vorgeworfenen Rauschgiftdelikte weitgehend ein, korrigiert die Anklage jedoch in einigen Details. Die Beteiligung an dem Wohnungseinbruch weist er jedoch von sich. Die bei ihm gefundenen Gegenstände seien wohl von einem der Mitangeklagten angeschleppt worden. Beamte der Kripo Trier berichten als Zeugen von der Wohnungsdurchsuchung und präsentieren umfassende Fotosammlungen von den gefundenen Gegenständen, darunter auch eine Reihe historischer Waffen.

Einen lichten Moment gibt es für einen weiteren aus Hannover stammenden Angeklagten. Der 32-Jährige hatte am ersten Verhandlungstag angegeben, durch Zufall in das Auto und damit in die Hermeskeiler Festnahmeaktion geraten zu sein. Er habe einen der Beschuldigten bei einem Besuch in Saarbrücken kennengelernt und nichts mit dem Drogenhandel und dem Einbruch zu tun. „Ich wollte nur nach Hannover zurück“, erklärt er. Es ist Staatsanwalt Holger Schmitt, der vorschlägt, den Haftbefehl gegen ihn außer Vollzug zu setzen und gegen Auflagen aus der Untersuchungshaft zu entlassen. Verteidiger Sven Collet stellt den förmlichen Antrag, die Kammer berät, dann darf er nach der Sitzung nach Hannover zurückkehren. Dort muss er sich wöchentlich bei der Polizei melden und natürlich zu den Trierer Terminen erscheinen. Vorsitzender Meyer warnt ihn: „Das ist aber kein Freifahrtschein. Einmal gegen die Auflagen verstoßen, und es tritt wieder Vollzug ein.“

Als letzter Zeuge des Tages tritt der bestohlene Hausbesitzer aus Nonnweiler auf, der neben dem Haus einen alten Westwallbunker als eine Art Partykeller nutzt. Der Mann hat einige aus der Gruppe entfernt gekannt. Am Abend des 17. Dezember seien wohl  drei davon mit einem Auto vor seinem Anwesen aufgetaucht und hätten gefragt, ob sie dort einen Defekt am Wagen beheben könnten. Der Zeuge: „Ich hatte nichts dagegen und mich in meinen Bunker zurückgezogen.“ Später habe er festgestellt, dass jemand ein enges Kellerfenster ausgehangen hatte und Dritte-Reich-Antiquitäten im Wert von rund 10 000 Euro aus dem Haus verschwunden waren.

Der Mann vermutet, dass sich die schlanke Angeklagte durch das Fenster geschlängelt haben könnte, um dann die Haustür von innen zu öffnen. „Alles Quatsch“, meint die Beschuldigte. Der Zeuge habe sich selbst ausgeschlossen und deshalb gebeten, dort hindurchzukriechen um die Tür zu öffnen. Kommentar des Zeugen: „Alles Lüge!“  Dann folgt noch der Abgleich über die entwendeten Sachen. Vorsitzender Meyer trägt die Liste vor, der Zeuge und Bunkerbesitzer bestätigt. Dabei genannt werden auch so illustre Geräte wie eine Sturmpistole, Leuchtpistole, zwei Sturmgewehre, von Soldaten im Krieg gefertigter „Westwallschmuck“ aus Stahl, eine Panzerfaust, ein K+K Kurzgewehr, Stahlhelme (Wehrmacht), NS-Emailschilder aus dem Dritten Reich und eine Hakenkreuzfahne.

Die Verhandlung wird am 16. Dezember, 9 Uhr, fortgesetzt.