Prozess um geplatztes Freizeitprojekt Hermeskeil: Hauptangeklagter verurteilt

Justiz : Prozess um geplatztes Freizeitprojekt Hermeskeil: Hauptangeklagter verurteilt

Im Prozess um ein geplatztes Freizeitprojekt in Hermeskeil wird der Hauptangeklagte zu einer Geldstrafe verurteilt und bekommt sogar noch Rabatt.

Ein Eifeler Geschäftsmann, der vor zehn Jahren auf dem ehemaligen Hermeskeiler Bundeswehrgelände einen großen Hotel- und Freizeitkomplex errichten wollte, ist vom Trierer Landgericht wegen Betruges zu einer Geldstrafe von 3000 Euro verurteilt worden. Das Verfahren gegen einen mitangeklagten Geschäftspartner des 54-jährigen Hauptangeklagten war bereits am ersten Prozesstag gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt worden. Beide Männer hatten ein umfangreiches Geständnis abgelegt und sich für die ihnen zur Last gelegten Taten entschuldigt.

Der Hauptangeklagte musste in der Verhandlung am Dienstag allerdings noch eine deftige Gardinenpredigt über sich ergehen lassen. „Schämt euch!“, sagte der um eine halbe Million Euro gebrachte Hauptgeschädigte des gescheiterten Hochwald-Projekts, ein Planer aus der Eifel. Der Bauingenieur warf dem Geschäftsmann sowie weiteren, nicht auf der Anklagebank sitzenden ehemaligen Gesellschaftern der später pleitegegangenen Firma Dorf Hochwald KG vor, ihn betrogen und ein rechtschaffenes Unternehmen in große Schwierigkeiten gestürzt und an den Rand des Ruins gebracht zu haben. Er selbst habe sich durch die vermeintliche unternehmerische und fachliche Reputation der Teilhaber blenden lassen, meinte der Zeuge selbstkritisch. Aber auch die örtlichen Kommunalpolitiker hätten das Projekt eng begleitet und in ihm das Gefühl hervorgerufen: Alles okay, es läuft.

Doch in Wahrheit lief – außer hochfliegenden Plänen – nichts. Der Hauptangeklagte hatte nichts auf der hohen Kante, und von den einst vollmundig angekündigten Investoren war weit und breit nichts zu sehen. Der über eine halbe Million Außenstände klagende Planer war es, der im Februar 2011 Insolvenzantrag gegen die Hochwald-KG gestellt und damit den Anfang vom Ende der „gigantischen Seifenblase“ (Oberstaatsanwalt Thomas Albrecht) eingeläutet hatte. Die Insolvenzquote bescherte dem Gläubiger gerade einmal 7000 Euro.

Dass der Hauptangeklagte nun mit einer vergleichsweise geringen Geldstrafe davonkommen würde, wie nach dem ersten Prozesstag im Volksfreund zu lesen war, brachte den Eifeler Ingenieur auf die Palme. „Ich frage mich, wieso es in diesem Land anscheinend ein Kavaliersdelikt ist, Firmen an den Rand des Ruins zu treiben, die 26 Jahre lang treu und redlich Steuern und Mitarbeiter bezahlen und eine soziale Verantwortung übernehmen“, echauffierte sich der Zeuge vor Gericht.

Mit der verhängten Geldstrafe von 3000 Euro (300 Tagessätze je zehn Euro) blieb das vierköpfige Gericht nur geringfügig unter den Forderungen von Oberstaatsanwalt Albrecht. Verteidiger Thomas Roggenfelder verwies darauf, dass seinerzeit viele Verantwortliche und Befürworter des Hermeskeiler Projekts auf den Fotos zu sehen gewesen seien, aber nur sein Mandant und ein weiterer Geschäftsführer, dessen Verfahren gegen eine Geldauflage am ersten Prozesstag eingestellt wurde, hätten sich nun vor Gericht verantworten müssen.

Dass zwischen Anklageerhebung und Prozessbeginn am Ende fast fünf Jahre vergingen, war nach Angaben des Vorsitzenden Richters Peter Egnolff nicht die Schuld seiner Kammer. Für den Angeklagten („Ich bin mit dem Strafmaß mehr als zufrieden“) zahlt sich die zeitliche Verzögerung aus: 600 der 3000 Euro Geldstrafe werden ihm deswegen erlassen.

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