Prozess um versuchten Mord in Taben-Rodt – Anklage und Verteidigung ringen um neue Zeugin

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Bringt eine Ex-Freundin Licht ins Dunkel des mutmaßlichen Angriffs eines Angeklagten auf seine einstige Geliebte in Taben-Rodt?

Das Problem im Prozess um den mutmaßlichen Mordversuch in Taben-Rodt ist, dass sich weder der Angeklagte noch das Opfer an die Tat erinnern können. Augenzeugen gibt es auch nicht. So spielen Gutachten eine besonders große Rolle, wie sich auch am jüngsten Prozesstag zeigte.

Vorgeworfen wird dem 47-jährigen Angeklagten, seine Ex-Geliebte nach deren Schlussstrich am Morgen des 15. November 2018 auf dem Weg zur Arbeit abgepasst und sie in Tötungsabsicht überfahren zu haben. Die Frau gilt seitdem als schwerbehindert und traumatisiert.

Staatswanwalt Benjamin Gehlen hatte zuletzt beantragt, eine Ex-Freundin des Angeklagten zu vernehmen, die von 1990 bis 1998 mit dem Mann zusammen gewesen sein soll. Diese Frau, die mittlerweile in München lebt, hat einem Polizisten laut Gehlen Folgendes am Telefon berichtet: Der Angeklagte habe sie mehrfach geschlagen und sexuell missbraucht. Bei einem Streit im Auto soll er den Wagen auf einen Baum zugesteuert und das Lenkrad erst im letzten Moment herumgerissen haben. Er habe ihr nach der Trennung auch einmal auf dem Arbeitsweg aufgelauert. Für den aktuellen Fall hält Gehlen die Zeugin für relevant, weil sich bei dem Angeklagten seiner Meinung nach ein Muster abzeichnet: Der Saarländer sei gegenüber Frauen gewalttätig und nehme Kränkungen und narzisstische Wut zum Anlass für diese Gewalt.

Verteidiger Andreas Ammer fragte den psychiatrischen Gutachter am jüngsten Prozesstag, ob er tatsächlich erwarte, durch die Aussage dieser Zeugin, Einsichten zu gewinnen, die sein Gutachten beeinflussten. Ob es durch den Zeitablauf nicht Verzerrungen gebe? Der Angeklagte war 17, die Ex-Freundin 14, als sie zusammenkamen. Der Gutachter legte sich auf Ammers Fragen hin nicht eindeutig fest. Der Rechtsanwalt hatte den Antrag des Staatsanwalts zuvor mit einer Reihe von Argumenten abgelehnt.

Zur Begründung wies er darauf hin, dass der Gutachter den Angeklagten bislang als unterdurchschnittlich narzisstisch eingestuft habe. Er bezeichnete es zudem als unzulässig, eine Verbindung herzustellen zwischen der Traumatisierung der Frau und der Beziehung zu seinem Mandaten. Schließlich habe sie angegeben, erst seit 3,5 Jahren in psychologischer Behandlung zu sein und mache laut dem Gesprächsvermerk des Polizisten die Mutter für die traumatischen Erlebnisse verantwortlich. Gehlen konterte: „Es wurde nicht gefragt, ob die Frau nicht vorher schon in psychologischer Behandlung war.“

Für den Fall, dass die Frau vom Trierer Gericht vernommen wird, kündigte Verteidiger Ammer an, ein Glaubwürdigkeitsgutachten zu fordern. Außerdem verlangte er, dann auch die Beziehungen seines Mandanten zu weiteren Frauen zu untersuchen. Das Gericht entschied nicht, ob die Zeugin nun geladen wird. „Wir müssen uns zu diesem Antrag noch weiter beraten“, sagte Richterin Petra Schmitz, Vorsitzende des Schöffengerichts. Unklar bleibt, ob die Zeugin gegebenenfalls aussagen wird. Bis zum 15. Januar ist sie laut einem ärztlichen Gutachten nicht vernehmungsfähig. Eine Vernehmung per Video, wie vom Staatsanwalt vorgeschlagen, lehnte Schmitz ab. Ergänzte aber: „Das ist meine persönliche Meinung.“ Die Richterin brachte andere Möglichkeiten ins Spiel wie beispielsweise den Ausschluss des Angeklagten.

Den Antrag des Verteidigers, einen zweiten Sachverständigen zum möglichen Unfallhergang anzuhören, lehnte das Gericht ab. Der bisherige Sachverständige habe mehrere Alternativen untersucht. Dadurch könne die Kammer die Sache beurteilen, hieß es.

Die Prozess wird am Montag, 20. Januar, fortgesetzt.