Prozess um versuchten Mord in Taben-Rodt - Opfer sagt aus

Kostenpflichtiger Inhalt: Prozess um versuchten Mord : Opfer aus Taben-Rodt sagt aus: „Meine Knochen hat er gebrochen, mich nicht“ (Update)

Wollte ein Mann seine 44-jährige Ex-Geliebte in Taben-Rodt absichtlich mit dem Auto töten? Die Frau kann sich nicht erinnern, denkt jedoch, dass der Angeklagte eiskalt gehandelt, seinen Plan aber nicht vollendet hat.

Die 44-Jährige, die der Angeklagte am 15. November mit seinem Dacia Duster, einem SUV, in Taben-Rodt angefahren und fast getötet haben soll, ist schwer gezeichnet. Sie humpelt mit einer schweren Bandage am linken Knie zum Zeugenstand. Die Folgen des versuchten Mordes, den die Staatsanwaltschaft in der Tat sieht, sind offensichtlich, das eigentliche Tatgeschehen nicht. Denn der Angeklagte schweigt und das Opfer kann sich nicht erinnern.


Folgen Das Letzte, was sie wisse, sei, dass sie aus der Haustür rausgegangen sei, um zur Arbeit zu fahren. Das erste Bild in ihrem Kopf nach dem Vorfall, der ihr Leben komplett umkrempelte, sei die Intensivstation des Brüderkrankenhauses in Trier. „Mir tat alles fürchterlich weh, und ich wusste nicht, was los ist.“ Während sie ihre Leidensgeschichte schildert, läuft es wohl manchem Zuhörer kalt den Rücken herunter. Sie erzählt von einem Schädel-Hirn-Trauma, von einer Hirnblutung und ihrem total zerstörten Kiefer, der monatelang mit Gummibändern und Metallschienen zusammengehalten wurde. Nahrung habe sie lange Zeit nur flüssig oder als Brei zu sich nehmen können. Doch das ist nicht alles: Ihr rechtes Bein sei gebrochen gewesen, das linke Handgelenk „zermatscht“. Ihr linkes Bein sei anders als die anderen Körperteile nicht operiert worden, aber auch dort seien alle Bänder herausgerissen worden.

Ihren Zustand im Krankenhaus beschreibt die Saarländerin folgendermaßen: „Ich konnte nichts, lediglich den Daumen der rechten Hand bedienen, um das Bett mit der Fernbedienung zu verstellen.“ Wie schwer sie verletzt sei, habe sie selbst erst verstanden, als eine Gerichtsmedizinerin für die Ermittlungen alle Verletzungen aufgenommen habe.

Aus dem Krankenhaus wurde die Frau nach knapp vier Wochen entlassen. Die Schmerzen plagen die Saarländerin aber bis heute. Weitere Operationen stehen an. Eine Psychotherapie laufe. Eine Traumatherapie sei geplant. Hinzu kommt, dass ihr der Job gekündigt wurde. Sie könne nicht mehr Autofahren und wegen der Verletzungen nur Turnschuhe und Leggings tragen.

Beziehung zum Angeklagten Während das Opfer über die Tat selbst nichts sagen kann, weiß sie über den Angeklagten sehr viel. Immerhin hatte sie sieben Jahre lang eine Affäre mit dem Mann, der eigentlich seit 20 Jahren mit einer anderen Frau zusammenlebt. Sie habe ihn 2010 im Dezember auf einer Weihnachtsfeier kennengelernt und seitdem regelmäßig getroffen. Die Beziehung beschreibt sie als „offenes Geheimnis“. Er habe ihr immer glaubhaft versichert, dass er seine Lebensgefährtin verlassen und mit ihr eine Familie gründen werde. Das habe sie ihm lange geglaubt, bis sie im Juni 2018 Schluss gemacht habe. Da sei er trotz anderslautender Bekundungen erneut mit seiner Lebensgefährtin in den Urlaub gefahren. Kurz vor dem mutmaßlichen Mordversuch lernte die 44-Jährige ihren aktuellen Lebensgefährten kennen. Ob der Angeklagte das mitbekommen habe, wisse sie nicht.

„Ich habe Angst vor dem“, sagt sie im Zeugenstand und deutet auf den Angeklagten. „Dass ich hier sitze, war in seinem Plan nicht vorgesehen.“ Sie beschreibt den 47-Jährigen als absoluten Egomanen ohne Mitgefühl. Er sei selbstgerecht, materialistisch, aufbrausend und rechthaberisch. Nur auf der Arbeit sei er hilfsbereit. Von Schlafstörungen oder psychischen Problemen, wie sie am ersten Prozesstag zur Sprache kamen (der TV berichtete), habe sie nichts mitbekommen. Dass sie so lange eine Beziehung mit dem Mann geführt habe, liege daran, dass er „sehr überzeugend“ sein könne. „Ich schäme mich dafür“, sagt die Frau. Doch sie blickt selbstbewusst in die Zukunft: „Meine Knochen hat er mir gebrochen, aber mich hat er nicht gebrochen. Ich gehe hier stärker raus.“

Andere Perspektive Anders als die Geliebte beschreibt die Lebensgefährtin, die seit 1999 mit dem Mann zusammenwohnt, ihren Partner als „zuverlässig und hilfsbereit“. Sie wolle trotz allem weiter mit ihm zusammen sein. Zudem beschreibt die gelernte Krankenschwester die Krankengeschichte des Mannes: Er habe vor der Tat an Schlafstörungen und an Depressionen gelitten. Er sei auch in einer Klinik behandelt worden. Allerdings habe die Therapie nicht angeschlagen. Zudem seien Schlafmittel und Antidepressiva falsch dosiert worden.

Eine ursprünglich für Dienstag angekündigte Erklärung des Angeklagten wird laut seinem Verteidiger Andreas Ammer am 14. Oktober verlesen.

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