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Qualifizierte Idealisten dringend gesucht

Qualifizierte Idealisten dringend gesucht

Mit Krankenhaus, Pflegeheim und den entsprechenden Schulen gibt es in Saarburg viele Möglichkeiten, im Pflegebereich zu arbeiten. Trotzdem bleibt auch die Stadt nicht vom Fachkräftemangel verschont. Mit einer Ausbildungsbörse wollen Jobcenter, Agentur für Arbeit und die Pflegeschulen diesem entgegentreten.

Saarburg. "Wenn man im Handwerk einen Fehler macht, dann ist der Chef sauer, und der Fehler kostet Geld. Bei uns geht es unter Umständen um ein Menschenleben." Das sagt Christine Stocki, Auszubildende in der Gesundheits- und Krankenpflege im Kreiskrankenhaus Saarburg, zweites Lehrjahr. Sie weiß offensichtlich, was der Beruf bedeutet. Viele wissen es nicht.
"Die Abbrecherquote ist hoch", sagt Sabine Jung, die Leiterin der Schule. "Die Leistungsbereitschaft ist das Problem." Ausbildungsplätze hätten sie in Saarburg genug - 65 sind es. Leider seien viele Bewerber nicht genügend qualifiziert.
Luxemburg-Konkurrenz spürbar



Auch die Altenpflege sucht Nachwuchs. In Saarburg lassen sich zurzeit 150 Menschen an der Geschwister-Scholl-Schule ausbilden. "Satt, sauber, still ist nicht das Motto. Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz", sagt Gerhard Kirsch, verantwortlich für die Fachschule Altenpflege und Altenpflegehilfe. Zwar sei die Zahl der Schüler in den vergangenen Jahren gestiegen. Das Problem aber sei auch in der Altenpflege die Qualität: Formale Kriterien werden nicht erfüllt, außerdem fehlen Lehrer.
Auch die Saarburger Arbeitgeber kämpfen um qualifizierte Arbeitskräfte. Beim Neujahrsempfang des Kreiskrankenhauses vor vier Wochen sprach der Betriebsratsvorsitzende Gerhard Kaiser davon, um Mitarbeiter genauso werben zu müssen wie um Patienten. Von 13 Pflegekräften, die das Krankenhaus im vergangenen Jahr verlassen haben, gingen elf nach Luxemburg (der TV berichtete).
Fachleute braucht Ulrich Nowak, der Leiter des Saarburger Pflegedienstes H.A.K. Elisabeth sowohl in der ambulanten als auch in der Tagespflege, die er gerade am Fruchtmarkt eröffnet hat. Auf Stellenanzeigen meldeten sich oft Menschen, die nicht genügend qualifiziert seien, klagt er. Die Konkurrenz aus Luxemburg spürt auch er. Und die Pflegekräfte, die aus Luxemburg wieder zurückkommen, müsse er erst wieder weiterbilden, weil dort beispielsweise die examinierten Altenpfleger bei weitem nicht so viel machen dürfen wie in Deutschland.
Zurzeit laufen Bewerbungsgespräche beim Evergreen Pflege- und Betreuungszentrum Saarburg, das im Frühjahr am Saarufer eröffnet wird. "Wir haben schon einige Fachkräfte gefunden. Wir haben sogar mit weniger gerechnet. Aber natürlich reicht es noch nicht aus, wir brauchen noch Leute", sagt Malika Derschang-Schneider, die Leiterin.
Agentur für Arbeit, Jobcenter und beide Schulen wollen der Entwicklung am Pflege-Arbeitsmarkt nun mit einer Ausbildungsbörse entgegentreten. Am 2. März haben Interessierte die Möglichkeit, sich über die volle Bandbreite der Pflegeberufe zu informieren, mit Schülern und Lehrern in Kontakt zu kommen und Bewerbungsgespräche zu führen. "Wir wollen nichts schönfärben, sondern die Berufe so vorstellen, dass die Leute verstehen, worauf sie sich einlassen", betont Martina Klankert-Drautzburg, Leiterin der Saarburger Geschäftsstelle der Arbeitsagentur. Betriebe aus dem Raum Saarburg/Konz sind eingeladen, außerdem habe man mit Schulen in Saarburg und Konz gesprochen, die interessierte Schüler freistellen würden. Es geht aber nicht nur um Schüler: Auch Menschen, die wieder in den Beruf einsteigen oder die neu einsteigen wollen in einen Pflegeberuf, sind angesprochen.
Die Ausbildungsbörse ist am Freitag, 2. März, von 9 bis 13 Uhr in der Aula der Geschwister-Scholl-Schule Saarburg (Boorwiese). Betriebe, die teilnehmen wollen, können sich bei der Agentur für Arbeit Trier melden.