Räder rollen, Arbeiten ruhen

KELL AM SEE. Obwohl sie nur finanzierbar ist, wenn die Ortsgemeinde einen höheren Kostenanteil selbst trägt, will die CDU-Mehrheit am Bau der umstrittenen Radwegbrücke in Kell festhalten. Das ist eine Erkenntnis nach der jüngsten Ratssitzung. Die Zweite: Aus Naturschutzgründen werden die Bauarbeiten am Radweg auf dem Abschnitt zwischen Kell und Niederkell bis Mitte Juli eingestellt.

Bevor am Montag der Winter zurückkehrte, herrschte bereits Hochbetrieb auf der Strecke. Obwohl er noch nicht für den Verkehr freigegeben ist, haben schon hunderte Radfahrer, Inline-Skater und Spaziergänger den dritten Abschnitt des Ruwer-Hochwald-Radwegs zwischen Kell und Niederkell getestet. Wegen des milden Wetters sind die Arbeiten auf der 3,5 Kilometer langen Etappe zum Bilstein-Werk bereits weit fortgeschritten. Die Trasse der früheren Bahnstrecke ist mit Ausnahme der Brückenbauwerke frisch asphaltiert und somit problemlos befahrbar.Offizielle Einweihung erst im Herbst

Dennoch wird es bis zur endgültigen Fertigstellung und offiziellen Einweihung von Etappe drei noch einige Monate dauern. Der Grund: Bis Mitte Juli ruhen die Arbeiten am Radweg. Damit sollen während der Brutzeit mehrere Vogelarten geschützt werden, die entlang der Trasse im Ruwertal in einem so genannten FFH-Gebiet beheimatet sind. Nach Auskunft des Landesbetriebs Mobilität (LBM)Trier ist dieser Baustopp unumgänglich. Denn, so der stellvertretende Leiter Hans Michael Bartnick: Es habe von vorneherein festgestanden, dass bei den Arbeiten zwischen Hermeskeil und Trier gewisse "Einschränkungsphasen" berücksichtigt werden müssen. "Damit wurde sichergestellt, dass der geplante Radweg im Rechtsverfahren insgesamt in Bezug auf FFH als verträglich eingestuft werden konnte", sagt Bartnick. Man habe zwar Anfang des Jahres noch einmal eruiert, "ob zumindest Reduzierungen der Bauzeit-Einschränkungen möglich sind". Ein ornithologischer Fachgutachter habe aber nach einem Ortstermin empfohlen, bei dem Baustopp bis Juli zu bleiben. Nach Ablauf dieser Frist werden zunächst die Brückenbauwerke saniert. "Komplett fertig sind wir auf diesem Abschnitt wohl Ende September", sagt Arnold Eiden, Leiter der Straßenmeisterei Hermeskeil. Neuigkeiten gibt es auch, was die umstrittene Radwegbrücke über die L 143 in Kell angeht (der TV berichtete mehrfach). In der jüngsten Sitzung informierte Ortsbürgermeister Markus Lehnen (CDU) den Rat darüber, dass es für den Brückenbau nicht den erhofften Zuschuss aus Mitteln des Landesstrukturprogramms gibt. Lediglich bei der rund 250 000 Euro teuren Neugestaltung des Radwegumfelds im Dorf - zum Beispiel am "Historischen Bahnhof" - ist eine Förderung mit 80 Prozent der Kosten zu erwarten. Die CDU-Mehrheitsfraktion will den Bau der Brücke (Lehnen: "Wir rechnen nach wie vor mit Gesamtkosten von zirka 100 000 Euro") daran aber nicht scheitern lassen. Sie setzte gegen die Stimmen der SPD durch, dass die Gemeinde nunmehr den Weg über einen anderen Fördertopf sucht und einen Zuschuss aus dem Investitionsstock des Landes beantragt. Dessen Förderquote liegt allerdings bei maximal 60 bis 70 Prozent. Keller CDU will für Brücke auch höheren Preis zahlen

Will heißen: Wenn die Brücke über die L 143 gebaut werden soll, muss tiefer in die Gemeindekasse gegriffen werden, als zunächst vorgesehen. Lehnen und CDU-Sprecherin Bärbel Backes erwarten aber, dass sich der Eigenanteil der Kommune noch reduzieren wird. Nach ihrer Auffassung muss die Ausbaugemeinschaft nämlich den Betrag übernehmen, "den die ursprünglich geplante, normale Straßenüberquerung gekostet hätte", so der Gemeindechef. An der Notwendigkeit der Brücke gibt es aus CDU-Sicht indes weiterhin keine Zweifel. In diesem Zusammenhang zitierte Lehnen im Rat aus einem Schreiben des LBM an Landrat Günther Schartz. Es heiße darin, dass eine Radwegbrücke "grundsätzlich zu einer Verbesserung der Verkehrssicherheit führt". "Genau das wollen wir, und das sollte uns auch eine Summe X wert sein", kommentierte der Ortsbürgermeister diese Einschätzung des LBM. Da es allerdings eine bestehende Planung gibt und demzufolge die Ausbaugemeinschaft die Brücke nicht von sich aus bauen wird, ist für den Ortsbürgermeister die Ausgangslage klar: "Wenn die es nicht machen, dann kümmern wir uns eben selbst drum und sorgen für mehr Sicherheit." Groß debattiert wurde im Keller Rat über das Streitthema nicht mehr. Den Standpunkt der SPD machte Fraktionssprecher Edgar Thielen unmissverständlich deutlich. "Wir haben immer gesagt, dass die Brücke nicht die Baustelle der Ortsgemeinde ist. Deshalb erübrigt sich für uns auch jede Diskussion über ihre Finanzierung."

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