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Raimund Metzen aus Kell begleitet seit zehn Jahren Wanderer durch den Naturpark Saar-Hunsrück, der seit 40 Jahren besteht.

Serie 40 Jahre Naturpark Saar-Hunsrück : Bei 326 Touren die Heimat präsentiert

Raimund Metzen aus Kell begleitet seit zehn Jahren Wanderer durch die Landschaft des Naturparks Saar-Hunsrück. Dessen Verantwortliche fördern seit 40 Jahren nachhaltigen Wandertourismus und haben dafür 2007 einen Meilenstein mitentwickelt.

Wandern ist die große Leidenschaft von Raimund Metzen. In den Wäldern seines Heimatorts Kell am See kennt er sich aus, „wie in meiner Westentasche“. Seit zehn Jahren führt der 72-Jährige regelmäßig im Auftrag des Vereins Hochwald-Ferienland und des Ferienparks Landal Hochwald Urlaubsgäste durch die Region. An diesem Morgen startet er mit einer Familie aus Berlin zu seiner 326. Wanderung.

„Ich bin gern in Bewegung und liebe die Natur“, sagt Metzen, während er mit der Gruppe das Wassertretbecken bei Kell ansteuert. Die Route führt zum Teil über die Hochwald Acht, eine der 111 Traumschleifen, die rund um den Fernwanderweg Saar-Hunsrück-Steig entstanden sind. 2019 hat der Wanderführer mehr als 320 Gäste begleitet, sein „Rekord“ von 2015 liegt bei 453. Bis vor kurzem war Labrador-Hündin Emma stets mit dabei. „Nach zwei Kreuzbandrissen schafft sie das leider nicht mehr.“

Unterwegs hat der ehemalige Gemeindearbeiter aus Kell viel zu erzählen – über den Wald, die Tiere und manche Legende. An passenden Stellen trägt er sie aus einem Büchlein mit Sagen aus dem Hochwald vor. Zum Beispiel die Geschichte von drei Räubern, die im Wald zwischen Kell und Holzerath nach dem Überfall auf eine gottesfürchtige Frau in Felsblöcke – bekannt als „Die drei Mörder“ – verwandelt wurden.

Kulisse von Metzens Touren ist die Landschaft des Naturparks Saar-Hunsrück, der in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen feiert (siehe Info). Die Vielfalt dieser Landschaft zu bewahren und erlebbar zu machen, ist ein zentrales Ziel des Naturparks. Menschen sollen dort Erholung finden, nachhaltiger Tourismus soll gefördert werden. Deutschlandweit gibt es heute mehr als 100 solcher Naturparke.

2007 hat der Trägerverein des Naturparks Saar-Hunsrück ein wegweisendes Projekt mit umgesetzt: den Saar-Hunsrück-Steig, der über 410 Kilometer von der Saarschleife nach Trier, Idar-Oberstein und weiter bis Boppard am Rhein führt. Gemeinsam mit Tourismus-Organisationen und 13 Kommunen im Saarland und in Rheinland-Pfalz wurde der Weg entwickelt. In seinem Umfeld entstanden weitere Rundwege, die Traumschleifen, die wie der Steig vom Deutschen Wanderinstitut als Prädikatswege zertifiziert sind.

„Wir brauchten den Saar-Hunsrück-Steig als Leuchtturm, um die Region europaweit am Markt zu etablieren“, sagt Gudrun Rau, Geschäftsführerin des Naturparks. Die beteiligten Kommunen seien anfangs skeptisch gewesen. Doch die rasche Beliebtheit des Steigs habe der touristischen Infrastruktur vor Ort einen „positiven Schub“ gegeben: „Da waren plötzlich Wanderer in den Dörfern unterwegs, die von weit entfernt kamen, um die Wege zu erkunden. Das hat so etwas wie Heimatstolz ausgelöst.“

Die Naturparke sind laut Gudrun Rau als Erholungsräume gedacht. Dafür brauche es aber eine erlebnisreiche, intakte Natur, die von den Menschen vor Ort offen gehalten und gepflegt werden müsse. Das erreiche man am besten, wenn daraus auch ein Nutzen, eine Wertschöpfung entstehe – wie etwa beim Wandertourismus. „Über den Tourismus können wir als Naturpark zudem Fördermittel generieren, die sonst vielleicht gar nicht in die Region geflossen wären“, sagt Rau.

Über diese Impulse für den Wandertourismus freut sich das Wanderbüro Saar-Hunsrück in Losheim, das aus dem damaligen Projektbüro für den Saar-Hunsrück-Steig hervorgegangen ist. „Die Arbeit von damals hat sich ausgezahlt“, heißt es auf TV-Nachfrage. Der Saar-Hunsrück-Steig habe mit dem Deutschen Wandersiegel die höchste Auszeichnung erhalten, die ein Wanderweg europaweit erreichen könne. Der Naturpark setze sich kontinuierlich für nachhaltige Regionalentwicklung ein, präsentiere seine Angebote über sein Netzwerk und rege zum Besuch der Region an, was auch dem Saar-Hunsrück-Steig zugute komme.

Beim Wanderangebot ergänzen sich Naturpark und Kommunen. „Wir bieten eher Themenwanderungen zu Kräutern und Artenschutz an, die Gemeinden die klassischen Wanderungen“, erläutert Naturpark-Chefin Rau. Zu Letzteren zählen die Touren von Raimund Metzen. Rund um Kell, sagt der Wanderführer, habe es zwar schon vor dem Saar-Hunsrück-Steig schöne Wege gegeben. „Aber die Traumschleifen sind natürlich besonders attraktiv. Es ist Wahnsinn, wie viel dort los ist.“ Und die Gemeinden hätten die Chance genutzt, ihre schönsten Attraktionen in die Wege einzubinden.