1. Region
  2. Konz, Saarburg & Hochwald

Rallye ade: ADAC will weg aus Region

Rallye ade: ADAC will weg aus Region

Der ADAC will die seit Jahren in der Region Trier laufende Deutschland-Rallye ab 2017 komplett ins Saarland verlegen. Das entscheidende Gremium, die Sportkommission, soll nach TV-Informationen heute Abend einen definitiven Beschluss fassen.

Hermeskeil/Trier. Die Zukunft der ADAC Rallye Deutschland in der Region Trier steht auf der Kippe. Der Automobilclub hält die Rallye in ihrer aktuellen Form mit Wertungsprüfungen in der Region Trier offenbar für zu teuer und sucht nach günstigeren Varianten - die er im Saarland zu finden hofft.

Die Kommission: Die nur zweimal pro Jahr tagende Sportkommission ist eines der zentralen Gremien des ADAC. Diese Kommission kommt nach TV-Informationen heute zusammen und soll beschließen, wie es mit der Rallye ab 2017 weitergeht. Basis dieses Beschlusses ist ein internes Papier des ADAC, das dem TV in Teilen vorliegt.

Die Kosten: In diesem Papier heißt es: "Die gegenwärtigen Gespräche haben verdeutlicht, dass eine Reduzierung des Budgetansatzes für 2017 nicht möglich ist." Stattdessen, so heißt es in der Vorlage, seien klare Mehrkosten zu erwarten, "da eine weitere Optimierung nicht mehr möglich ist, ohne gravierende Qualitätseinbußen hinnehmen zu müssen".

Die Beschlussvorlage: Aus dem Wortlaut der Vorlage für die Sportkommission geht klar hervor, dass die Spitze des ADAC eine Verlagerung ins Saarland im Visier hat und viele Vorbereitungen bereits gelaufen sind. "Nach intensiven Gesprächen zeichnet sich ab, dass ein effektives und ökonomisches Veranstaltungskonzept unter sportlicher Federführung des ADAC Saarland problemlos möglich ist." Verantwortlich für die Rallye in der Region Trier ist zurzeit noch der ADAC Mittelrhein.
Auch die Politik wurde offenbar kontaktiert: "Die Landesregierung des Saarlandes hat sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, dass sie die Veranstaltung in organisatorischer und finanzieller Hinsicht für mehrere Jahre maßgeblich unterstützen wird."

Die Stadt Trier: Seit 16 Jahren ist Trier Start, Ziel und Organisationszentrum des deutschen Rallye-Weltmeisterschaftslaufs. In diese Rolle als Gastgeberin hat Trier immer hoch investiert. Der jährliche Zuschuss betrug 2012 insgesamt 126 000 Euro, 2013 wegen der Streichung des Innenstadtkurses Circus Maximus noch 84 000 Euro und 2014 genau 93 000 Euro.
Im Mai 2015 beschloss die Mehrheit im Stadtrat gegen die Stimmen der Grünen, der Linken und der Piratin Darja Henseler, den ADAC als Veranstalter der Deutschland-Rallye auch in den Jahren 2016 bis 2020 "im bisherigen Umfang" zu unterstützen.

Die Region: Sollte die Sportkommission des ADAC sich heute für die komplette Verlegung ins Saarland entscheiden, wäre bei weitem nicht nur die Stadt Trier betroffen. Die Wertungsprüfungen führten die Teams 2015 ins Sauertal, später nach Waxweiler (Eifelkreis Bitburg-Prüm), Piesport (Landkreis Bernkastel-Wittlich), das Ruwertal bei Fell und Waldrach (Verbandsgemeinden Schweich und Ruwer) und das nördliche Saarland bei St. Wendel bis zur Panzerplatte in Baumholder. Das Testtraining, der sogenannte Shakedown, lief in Konz ab, und auch im Hochwald erschienen die WM-Teams zu Präsentationen. Bis 2011 gab es zudem eine Wertungsprüfung bei Gusenburg (Verbandsgemeinde Hermeskeil).
Der Experte: Wer in Trier Motorsport sagt, meint Manfred Kronenburg. Der pensionierte frühere Chef der Bußgeldstelle des Polizeipräsidiums ist der Motor, der seit Jahrzehnten jedes sportlich rollende Rad in der Römerstadt antreibt. Auch die Rallye hat er immer gestemmt. "Ich bin verdammt böse und enttäuscht", sagt Kronenburg dem TV. "So geht man mit einem langjährigen Partner wirklich nicht um. Das ist ein sehr schlechter Stil des ADAC." Hoffnung auf ein Happy End hat er nicht: "Für mich steht der Wechsel ins Saarland fest."

Der ADAC: "Zu Spekulationen nehmen wir grundsätzlich keine Stellung. Als Veranstalter müssen wir jedoch schauen, dass wir im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig bleiben und die Rallye ständig weiter entwickeln", sagt ein ADAC Sprecher nach der Konfrontation mit den Informationen des TV.Meinung

Ganz einfach eine Schande
Das Verhalten des ADAC lässt bereits seit Jahren Böses erahnen. Immer wieder schlugen die Bosse des mächtigen Verbandes ihren Partnern in der Region Trier die Tür vor der Nase zu: 2013 strichen sie den Innenstadtkurs Circus Maximus, 2014 verlegten sie sogar den traditionellen Showstart vor der Porta Nigra einfach so nach Köln - und kamen ein Jahr später reumütig wieder zurück nach Trier. Jeder dieser Schritte verkündete eine klare Botschaft: "Wir sind ja schließlich nicht vertraglich an Trier und die Region gebunden und können deshalb machen, was wir wollen." Jetzt sollen alle finanziellen und organisatorischen Kraftakte, mit denen die Stadt und die Region Trier immer wieder Hunderttausende Fans optimal empfangen und hohe Summen investiert haben, plötzlich nichts mehr gelten. Eine billigere Lösung soll her. Was der ADAC gerade hinter den Kulissen plant, ist nichts anderes als eine Schande. j.pistorius@volksfreund.deExtra

Oberbürgermeister Wolfram Leibe: "Wenn es sich bewahrheiten sollte, dass der ADAC sich mit der Rallye aus Trier zurückzieht, fände ich das mehr als nur bedauerlich. Die Stadt Trier war immer ein guter Gastgeber. Es sieht so aus, als ob der ADAC für uns kein verlässlicher Partner mehr zu sein scheint. Aber Reisende soll man nicht aufhalten." Wirtschaftsdezernent Thomas Egger: "Ich bin sehr enttäuscht, wenn der Beschluss tatsächlich getroffen wird, die ADAC-Rallye bereits im Jahr 2017 nicht mehr in Trier stattfinden zu lassen - auch mit Blick auf die Trierer Hotellerie und Gastronomie. Gerade vor dem Hintergrund, dass es ja schließlich der ADAC selbst war, der sich nach einer kurzen Zwischenepisode in Köln wieder mit der Bitte an die Stadt Trier wandte, aus Gründen der Planungssicherheit eine definitive Zusage für die Jahre 2016 und 2017 zu erhalten, kann ich die jetzt offenbar verfolgten Pläne nur als einen Vertrauensbruch bewerten. Von der noch Anfang Februar 2015 erklärten Absicht des ADAC, die Zusammenarbeit mit Trier sogar bis zum Jahr 2020 fortzusetzen, möchte ich erst gar nicht sprechen. So geht man nicht mit langjährigen Partnern um!" jp