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Rammstein-Tribute: Konzert mit Stahlzeit in der Stadthalle Saarburg

Konzert : Konzert von Stahlzeit zeigt in Saarburg die Faszination der dunklen, mystischen Kunst

Die Rammstein-Cover-Band Stahlzeit legte mit Pyrotechnik und Brachial-Rock — getreu ihrem Tour-Motto — Saarburgs Stadthalle in „Schutt und Asche“.

Dem Saarburger Stadthallenchef Karsten Pilz steht der Schweiß auf der Stirn, es ist brüllend heiß und riecht verkokelt, das 400-köpfige Publikum und die Band transpirieren mit ihm um die Wette. Es ist Stahlzeit, Samstagabend, 22 Uhr und 45 Minuten, die spektakuläre Rammstein-Tribute-Band macht Feierabend. Alles ist gut gegangen, und wie.

 Stahlzeit bringen mit ihrer Rammstein-Show die Saarburger Stadthalle in Wallung.
Stahlzeit bringen mit ihrer Rammstein-Show die Saarburger Stadthalle in Wallung. Foto: DT/Dirk Tenbrock

Frontmann Heli Reißenweber hatte vor der Show – nur halb im Scherz – berichtet, dass alle sechs Wochen die Besetzung wechsele, damit die Brandwunden heilen können. Denn es geht im wahrsten Sinne heiß her, ganz in der Tradition ihres Vorbilds Rammstein. Feuer­werfer, meter­hohe Flammen, Donner­schläge und Phosphor­fontänen begleiten spektakulär die harten Beats und Riffs, untermalt von der tiefdunklen und erkältungsbedingt etwas kratzigen Stimme von Leadsänger Reißenweber. Die Pyroshow ist minutiös geplant. Und sie muss es sein, damit die Risiken minimiert sind. Hallenchef Pilz hatte das aufwendig mit der Feuerwehr abnehmen müssen.

Die Band provoziert mit Tabus, die Texte handeln von Inzest, Nekro­philie, Drogenmissbrauch und Kannibalismus. Bei „Mein Teil“ verfolgt Heli die Kollegen in blutiger Metzgerschürze mit Messer und Flammen­werfer bis in einen Kochtopf. Geschmacks­sache? Nur bedingt. Eher Effekthascherei, aber was soll’s. Die Fans wollen nach langer Abstinenz wieder feiern, nach monatelangen Einschränkungen – verständlicherweise. Düsteres Schwarz dominiert die Konzert-Outfits, düster und hart ist auch die simpel gestrickte Musik. „Dumpfer Krach“ nannte das einmal selbst ­­Flake Lorenz von Rammstein.

 Stahlzeit bringen mit ihrer Rammstein-Show die Saarburger Stadthalle in Wallung.
Stahlzeit bringen mit ihrer Rammstein-Show die Saarburger Stadthalle in Wallung. Foto: DT/Dirk Tenbrock

Religiös verbrämt war schon der Beginn mit „Du riechst so gut“ oder „Asche zu Asche“, und ähnlich innig ist auch die Verehrung der Anhänger für Rammstein und damit auch Stahlzeit.

Das zieht die Fans auch von weit her an. Vor dem Einlass herrscht ein babylonisches Sprachgewirr aus Deutsch, Italienisch, Französisch, Luxemburgisch oder Flämisch. Ein mystisches, dämonisches Spektakel – das macht die Faszination aus. Aber es ist eben doch nur eine Show, operettenhaft durchchoreografiert. Und der „Haifisch“ hat hier zwar hier keine Zähne, wie in Brechts „Dreigroschenoper“, sondern nur Tränen, aber Kunst ist es wohl trotzdem. Und Kunst darf bekanntlich alles – fast alles zumindest. In seinen Moderationen und abseits der Bühne scheint dann sogar der freundliche und gesittete Herr Reißen­weber durch.

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