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Rangerführungen im Nationalpark Hunsrück-Hochwald: Auf den Spuren von Birken, Borkenkäfern und Bärwurz

Rangerführungen im Nationalpark Hunsrück-Hochwald: Auf den Spuren von Birken, Borkenkäfern und Bärwurz

Im Rahmen einer Wanderwoche geht es durch den Nationalpark Hunsrück-Hochwald. Die Ranger Alexandra Bloch und Tim Becker zeigen, was den neuen Nationalpark bereits heute so einzigartig macht. Sie wollen den Menschen die Augen für die Natur öffnen.

Muhl. Mehr als 50 Teilnehmer wollen den neuen Nationalpark ganz nah erleben. Sie werden vor dem Bürgerhaus in Muhl von der Leiterin der Tourist-Information Hermeskeil, Claudia Fuchs, begrüßt: "Sie stehen jetzt bereits mitten im Nationalpark."
Zwei Gruppen bilden sich, die von Rangerin Alexandra Bloch und ihrem Kollegen Tim Becker geführt werden. "Ein Nationalpark ist das höchste Schutzsiegel, das vergeben werden kann", erklärt die Führerin den Teilnehmern als erstes. Gleichzeitig werde die Arbeit der Natur von Forschern des Umweltcampus Birkenfeld begleitet.
Die Einzigartigkeit sieht die Rangerin in der Geschichte der alten Kelten und Römer, die hier fest mit dem Wirken der Natur verbunden ist: "Auf einem vergleichsweise kleinen Raum von 10 200 Hektar gibt es eine große Vielfalt."
Es sind die Hintergründe, die Besucher zum Staunen bringen. Beispielsweise, dass die Birke, heute als "Unkraut des Waldes" verunglimpft, mit ihren Teereinlagen, sehr nützlich sein konnte, zum Beispiel als Haarwuchsmittel. Ein kontroverses Thema ist die Jagd. Bloch erklärt, warum diese wichtig ist: Der Wald müsse vor dem Wild geschützt werden, denn es hat selbst keine Gegner mehr. Tierseuchen werden so kontrolliert. "Auch wenn man es nicht sieht, es ist immer noch genug Wild in Ruhezonen da", sagt sie. Eine Trophäenjagd gebe es im Nationalpark nicht. Die Tiere müssten hier ihren natürlichen Biorhythmus wiederfinden.
Der Weg führt an großen Ameisenhügeln entlang immer tiefer in die Dunkelheit der Baumbestände, an einer Stelle vorbei, wo einst die Reichsautobahn entlang führen sollte. "Hier ist viel Leid passiert", bedauert Bloch.
Eine Buche ist umgekippt. "Von ihr leben 10 000 Arten von Kleinstlebewesen", erklärt Bloch. Die Köhlerei habe ganz Europa fast waldfrei hinterlassen. Die Preußen brachten die Fichte als schnell wachsenden Baum, obwohl er hier nicht standortgerecht steht. Die Teilnehmer erkennen Zunderschwämme darauf. Wieder verblüfft die Rangerin: "Wenn der Baum umgefallen ist, richten sich die Schwämme nach vier bis sieben Jahren wieder nach dem Erdmittelpunkt aus. Daran erkennen wir, wie lange er schon liegt." Ein großes Feld mit Bärwurz taucht auf. Bloch reicht bayerischem Schnaps aus diesem Kraut in Bechern. "Aber bloß nicht herkommen und das alles hier pflücken", warnt sie, auch wenn Rheinland-Pfalz das größte Bärwurzvorkommen Deutschlands habe.Streife laufen gegen Borkenkäfer


Weiter geht's entlang der Königsbachweiher. Bloch zeigt den Teilnehmern Borkenkäfer in einem kleinen Plastikdöschen. Sie erklärt, dass die Winzlinge als Plage enorme Schäden anrichten können: "Wir errichten eine Schutzzone von 1000 Metern Breite mit Laubholz, das vom Käfer nicht befallen wird." Ranger laufen sogar Streife, um zu erkennen, wo der Käfer bereits sein unheilvolles Werk begonnen hat.
Auch über den Schwarzspecht weiß Bloch Bescheid: Er ist mit 57 Zentimetern eine der größten Spechtarten in Europa. "Er baut Nisthöhlen, die er nur einmal benutzt, und schafft so Wohnraum für andere Vögel", erklärt sie.
Schließlich kündigt die Rangerin an: "Jetzt kommen wir an ein echtes Juwel." Gemeint ist eine Lichtung, die in den 90er Jahren von den Stürmen Vivien und Wiebke geschaffen wurde. "Bitte nur bis hierher gehen, sonst zerstören sie das Werk der Natur", fordert sie auf. Es ist ein einzigartiges Biotop entstanden.
Weitere Gruppenführungen werden unter www.nationalpark-hunsrueck-hochwald.de angeboten. Die Teilnahme ist im Startjahr 2015 kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, aber wetterfeste Kleidung und festes Schuhwerk.Extra

Kilian Düpre (14) aus Schweich: "Ich habe hier viel erfahren, beispielsweise, dass Rheinland-Pfalz das größte Bärwurzvorkommen in freier Natur von ganz Deutschland hat. Ich fühle mich durch diese Tour durch den Nationalpark gut informiert." Karl Koch (78) aus Hermeskeil: "Ich habe auf der Rangertour viel gelernt, zum Beispiel über Totholz, Zunderpilze, und dass eine Bejagung des Wildes mit Maß und Ziel stattfinden sollte." Doris Kohl (72) aus Hermeskeil: "Das ist ja meine Heimat. Trotzdem habe ich viel Neues erfahren. Wir legen hier nur den Grundstein. Erst in 200 Jahren werden unsere Nachkommen sehen, was aus dem Nationalpark geworden ist." doth