Raptoren, Denare und eine Narbe

Ein Saal voller Geschichte zum Anfassen: Kostbare Erinnerungsstücke an eine weit zurückliegende Zeit wurden zum "Tag des offenen Denkmals" am Wochenende im Brauhaus Mannebach ausgestellt.

Günter Wolff zeigt ein Werkstück aus einer antiken Geldfälscherwerkstatt. TV-Foto: Klaus D. Jaspers

Mannebach. (kdj) Günter Wolff reißt mit. Der Mann, der als "Sklave Jatros" im grünen Kleid durch die Ausstellung im Glashaus des Brauhauses führt, ist von so großer Begeisterungsfähigkeit, dass der von seinen erklärenden Worten begleitete Gang von Vitrine zu Vitrine zu einer spannenden Reise in eine 2000-jährige Vergangenheit wird.

Kostbare, liebevoll katalogisierte römische Münzen, nur einmal hier ausgestellt und sorgsam bewacht, gewähren einen Blick auf damalige Preise: So kostete ein Sklave rund 1200 Denare. Das war eine Ausgabe, die sich ein mit jährlich rund 7500 Denaren für seine Kriegs- und Kriegerdienste entlohnter Legionär durchaus leisten konnte. Das war jene Zeit, da eine Flasche guten Olivenöls einen Denar kostete.

"Jatros", ein im Ruhestand lebender Ex-Spieß der Bundeswehr, nimmt die Besucher mit auf eine Reise, die - zumindest an einer Vitrine - in die graue Vorzeit führt: Hier ein Mammutknochen, da der versteinerte Fußknochen eines urzeitlichen Raptors, "Jurassic-Park"-Besuchern als eines der gefährlichsten Raubtiere bekannt. Gefunden wurden diese Relikte in der hiesigen Region wie auch das fein behauene und geschliffene Steinbeil oder Grabbeigaben aus längst vergangenen Zeiten.

"Jatros" lenkt die Aufmerksamkeit der Besucher auf ein Fundstück aus der Trierer Saarstraße. Dort soll zu römischen Zeiten eine Geldfälscherwerkstatt ausgehoben worden sein. Der Fälscher hat die Münzen nicht ordnungsgemäß geschlagen, er hat sie gegossen; seine Gießform gehört zu den Fundstücken. Sie ist zwar erheblich beschädigt, vermittelt aber noch immer einen Eindruck von der damals geleisteten Fälscherarbeit. "Jatros"-Wolff verrät den gespannt lauschenden Zuhörern: "Der Fälscher ist von der Obrigkeit überrascht worden. Seine Werkzeuge wurden an Ort und Stelle zerstört, der Fälscher wurde hingerichtet."

Auf neugierige Fragen, wie "Jatros" zu seinem völlig unrömischen Namen kam, verrät Günter Wolff: "Der Name stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie Pfeilspitzenentferner. Ich habe als solcher gearbeitet - und meinem Herrn Schmerzen zugefügt. Deshalb sollte ich den Löwen zum Fraß vorgeworfen werden. Aber das Volk forderte meine Begnadigung. Sie wurde mir gewährt, aber ein Löwe hat mich noch am Bein erwischt." Der Ex-Sklave hebt seinen Kittel und weist auf eine dünne, langgezogene Narbe. Die Besucher sehen's mit Schmunzeln.