Rat gibt keine Stellungnahme zum Flugplatz in Kell ab

Kell am See · Bei den beiden direkt betroffenen Ortsgemeinden ist der Antrag des Luftsportvereins Hochwald auf Änderung des Flugbetriebs auf dem Segelflugplatz in Kell auf ein geteiltes Echo gestoßen. Kell unterstützt ihn, Waldweiler lehnt ihn wegen seiner Windkraftpläne ab (der TV berichtete). Am Donnerstagabend war nun die Meinung des Verbandsgemeinderats gefragt. Ergebnis: Er hält sich aus der Sache raus.

Kell am See. Von Altbundeskanzler Helmut Kohl ist das Zitat überliefert: "Entscheidend ist, was hinten rauskommt." Übertragen auf die jüngste Sitzung des VG-Rats Kell lässt sich feststellen: Das Gremium hat zwar eine halbe Stunde lang über einen Antrag des Luftsportvereins Hochwald diskutiert. Am Ende sprach sich die Mehrheit (13 Ja- und neun Nein-stimmen) aber dafür aus, sich bei diesem strittigen Thema rauszuhalten und keine eigene Stellungnahme abzugeben.Luftverkehrsbehörde entscheidet



Die VG hat damit den Ball zur zuständigen Behörde, der Fachgruppe Luftverkehr beim Landesbetrieb Mobilität (LBM), zurückgespielt. Sie muss nun entscheiden, ob sie dem Antrag stattgibt oder nicht. Dem LBM liegen dabei bereits die Stellungnahmen der beiden Ortsgemeinden Kell und Waldweiler mit konträren Aussagen vor. Kell sieht den Antrag positiv - Waldweiler nicht.
Doch worum geht es in dem Antrag des Luftsportvereins überhaupt? Er lautet offiziell auf "Änderung und Erweiterung des Flugbetriebs" auf dem Gelände in Kell. Eine Formulierung, die viele VG-Ratsmitglieder als missverständlich empfanden, wie sie selbst sagten. Auf dem Platz, der seit 1971 in Betrieb ist, gehen schon seit langem auch motorbetriebene Flugzeuge in die Luft. Diese Bewegungen mit Motorflugzeugen hat sich der Verein bisher alle zwei Jahre vom LBM genehmigen lassen müssen, was im Rahmen von gesetzlich geregelten Ausnahme erlaubnissen auch stets gewährt wurde. Der Verein bemühe sich nun lediglich darum, eine dauerhafte Genehmigung zu bekommen, betonte der Vereinsvorsitzende Stephan Hau. Es sei auch nicht beabsichtigt, dass die sogenannte Platzrunde - eine Sicherheitszone für Starts und Landungen - ausgedehnt werden soll.
Michael Lauer (FWG) formulierte es so: "Was der Verein seit fast 45 Jahren schon praktiziert, soll nun also festgeschrieben werden." Ähnlich äußerte sich auch Sascha Kohlmann (CDU). Und er fügte hinzu: "Es geht hier auch nicht um die Windkraft, sondern darum, ob ein Verein, der aus touristischer Sicht wichtig ist und eine hervorragende Jugendarbeit macht, weiterarbeiten kann". Im Verlauf der Debatte stellte sich dann aber heraus, "dass wir doch wieder an dem Punkt sind, wo es um Windkraft geht". So formulierte es Erwin Rommelfanger (FWG) treffend.
Keine Hindernisse in Platzzone
SPD-Fraktionschef Manfred Rauber - zugleich Ortsbürgermeister von Waldweiler - hatte zuvor seinen Standpukt deutlich gemacht. Die VG habe sich erst nach langem Hin und Her dazu durchgerungen, nur zwei Vorranggebiete (Zerfer Wald und der Teufelskopf bei Waldweiler) für Windkraft auszuweisen. "Gerade in der Phase, wo diese Prüfungen in vollem Gange sind, kommt nun der Antrag des Luftsportvereins", kritisierte Rauber. Denn die Platzrunde werde zu 80 Prozent über Waldweilerer Gemarkung geflogen. Weil in dieser Zone keine Hindernisse stehen dürfen, sehen die Waldweilerer ihre Windkraftpläne gefährdet.
Hau entgegnete, dass es den Investoren - der Firma Juwi - seit Jahren bekannt sei, dass es diese Platzrunde gibt. "Sie ist ja schon immer dagewesen". Auch Markus Lehnen, CDU-Ratsmitglied und zugleich Keller Ortschef betonte, "dass zum Zeitpunkt, als die Windkraftfläche am Teufelskopf ausgewiesen wurde, alle wussten, dass dort eine Luftverkehrszone drin liegt. An den Voraussetzungen hat sich also nichts geändert."
Anders als es Rauber und die Waldweilerer vorschlagen, sehen Lehnen und die Keller auch keine Möglichkeit, dass die Platzrunde verschoben oder gespiegelt wird. Im letzteren Fall würde die Zone direkt über dem Keller Gewerbegebiet liegen.
Zwar betonte auch Rauber vor der abschließenden Abstimmung, dass auch er "gut damit leben" könne, wenn die VG keine Stellungnahme abgibt. Seine Fraktion und einige FWG'ler hatten aber dafür plädiert, dass die VG an den LBM die Empfehlung des vorberatenden Planungsausschusses weitergeben sollte. Dieser hatte sich gegen den Antrag des Luftsportvereins ausgeprochen, weil er die Fortschreibung des Flächennutzungsplans im Teilbereich Windkraft "erheblich beeinträchtigt", wie es im Beschluss dieses Gremiums hieß. Mit der Mehrheitsentscheidung des VG-Rats "ist diese Empfehlung nun aber hinfällig", betonte Bürgermeister Martin Alten (CDU).