Reinsfeld lehnt Revier-Reform ab

Die Gemeinde Reinsfeld stellt sich bei der vom Forstamt Hochwald geplanten Revierreform quer. Der Rat lehnt rigoros neue Grenzziehungen im Wald und das vorgeschlagene gemeinsame Revier mit Grimburg ab. Die Kommune denkt jetzt sogar darüber nach, an Stelle des Landes ihre Förster selbst zu bezahlen.

Reinsfeld. "Ich kritisiere ausdrücklich das schlechte Verhalten des Forstamts" - "Sie stellen manche Dinge sachlich einfach nicht richtig dar." Diese gegenseitigen Vorwürfe von Ortsbürgermeister Rainer Spies (SPD) und Bernhard Buss, Leiter des Forstamts Hochwald, belegen: Als es am Dienstag im Reinsfelder Rat um die im gesamten Forstamtsbereich geplante Änderung der Reviergrenzen ging (siehe Extra), knisterte es in der Luft.

Buss hatte schon im Frühjahr folgenden Vorschlag auf den Tisch gelegt: Das bisherige Revier Reinsfeld-Rösterkopf (1412 Hektar) soll zum Jahresende ebenso wie das Revier Gusenburg-Grimburg (1221 Hektar) aufgelöst werden. Stattdessen soll Gusenburg an den Stadtwald Hermeskeil angedockt werden und Reinsfeld künftig mit Grimburg und ergänzt um den landeseigenen Staatswald Steinberg ein 1700 Hektar großes Revier bilden. Die Räte in Hermeskeil, Grimburg und Gusenburg haben diesem Neuzuschnitt schon zugestimmt (der TV berichtete).

Reinsfelder befürchten Nachteile für Förster

Die Reinsfelder sehen hingegen "keinen Handlungsbedarf", an den bestehenden Grenzen ihres Reviers irgendetwas zu ändern. Mit 1400 Hektar sei es schon jetzt groß genug, die Angliederung an den Staatswald Rösterkopf sei geographisch ideal und schon die letzte Reform - im Jahr 2006 - habe gezeigt, dass größere Reviere keine geringeren Beförsterungskosten bringen.

"Der aktuelle Vorschlag würde uns viele Nachteile bringen", sagte Spies. Er sprach von "ungünstigen Verbindungen, die mehr Zeit- und Fahraufwand bedeuten". Außerdem könne sich der Förster dann nur noch 15 Stunden in der Woche um den Gemeindewald kümmern.

Dem widersprach Forstamtsleiter Buss: Der Reinsfelder Wald sei 950 Hektar, also mehr als die Hälfte des geplanten Reviers, groß. Der Förster werde sich also mehr als 20 Stunden dort aufhalten. Außerdem kritisierte er den Alternativvorschlag von Spies: Der hatte eine Zusammenlegung von Hermeskeil-Grimburg-Gusenburg sowie von Reinsfeld mit den Staatswäldern Rösterkopf und Steinberg angeregt. "Dann wären die Reviere ja noch größer. Ich sehe da keine Logik in Ihrer Argumentation", sagte Buss.

Angesichts der verhärteten Fronten war der Ausgang der Debatte absehbar: Der Rat lehnte den Vorschlag des Forstamts bei zwei Enthaltungen ab. Stattdessen soll die Verbandsgemeinde-Verwaltung anhand von Rechenbeispielen prüfen, ob Reinsfeld und die anderen VG-Orte nicht günstiger fahren, wenn sie von der staatlichen auf die kommunale Beförsterung umsteigen. Das würde bedeuten, dass nicht mehr das Land, sondern die Gemeinden ihren Förster bezahlen. VG-Chef Michael Hülpes (CDU) sicherte zwar zu, dies untersuchen zu lassen. Mehrere Gemeinden in der VG hätten sich aber schon darauf festgelegt, bei der staatlichen Beförsterung zu bleiben. "Ich gebe dieser Sache deshalb keine große Chance", sagte Hülpes.

Nach dem Veto aus Reinsfeld wird nun wohl die obere Landesforstbehörde in Neustadt eingeschaltet. "Sie entscheidet in letzter Konsequenz, wenn bei Neuabgrenzungen Uneinigkeit zwischen den Waldbesitzern herrscht", sagte Buss.

Extra

Forstamt Hochwald

Das Forstamt Hochwald ist für die Bewirtschaftung von 16 000 Hektar Wald in den Verbandsgemeinden (VG) Hermeskeil, Ruwer und Teilen von Trier-Land zuständig. Es will die Zahl der Reviere von zehn auf acht reduzieren. Auslöser dafür ist die Tatsache, dass der Hermeskeiler Förster Hubert Clemens Ende 2010 in Pension geht. Das Land fordert, dass diese Stelle nicht mehr neu besetzt wird, um Personalkosten zu sparen. Außerdem verlangt Mainz größere Reviere mit einer Fläche zwischen 1400 und 1800 Hektar. Bislang erfüllen nur vier Reviere diese Vorgabe. In der VG Ruwer wurde noch nicht über die Vorschläge des Forstamts entschieden. Es gibt aber auch dort Bedenken. (ax)

Meinung

Taktischer Fehler

Von Axel Munsteiner

Es macht sicher keinen Sinn, wenn Reinsfeld nun den Alleingang probt und als einziger Ort in der Verbandsgemeinde Hermeskeil auf die kommunale Beförsterung umsteigen würde. Allerdings hat das Forstamt bei seinem Versuch, Überzeugungsarbeit für seinen Vorschlag zu leisten, taktisch unglücklich agiert. Statt vorher mit Reinsfeld, Hermeskeil, Gusenburg und Grimburg an einem runden Tisch eine gemeinsam getragene Lösung zu suchen, hat man die Räte nacheinander abstimmen lassen und die Reinsfelder, die von Anfang an mit dem Vorschlag unglücklich waren, praktisch vor vollendete Tatsachen gestellt. a.munsteiner@volksfreund.de