Rektorin geht in den Ruhestand

Schulleiterin Margot Pletsch (60) verlässt die Grundschule Tawern nach rund 14 Jahren. Sie geht zum Schulhalbjahr vom Schreibtisch in Rente.

Tawern. Margot Pletsch stammt aus Freudenburg und ist fast 60 Jahre alt. Ihr bewegtes Leben im Schuldienst beendet sie nach fast 38 Jahren als Lehrerin mit der vorzeitigen Pension. Ihre letzte Station war die Grundschule Tawern. Im Alter von 43 Jahren kehrte Margot Pletsch gemeinsam mit ihrem Ehemann in ihre Heimat zurück, nachdem sie in Frankfurt und Mainz in ihr bewegtes Berufsleben gestartet war. Sie wollte auch nach Hause um ihrer Mutter bei der Pflege des schwerkranken Vaters helfen zu können. Und ob Glück oder Zufall, die Grundschule Tawern suchte dringend eine Lehrerin. So erfüllte sich für Pletsch ein Wunsch: Endlich konnte sie an einer Dorfschule arbeiten. In Tawern schätzte man ihre Erfahrung und pädagogische Kompetenz.

Als ihr Vorgänger 2002 in Pension ging, übernahm Pletsch zunächst als Dienstälteste die Vertretung der Schulleitung, bis sie offiziell zur Rektorin der Grundschule Tawern ernannt wurde.
Von da an kümmerte sich Pletsch zunächst um die Qualitätsarbeit. Ein Qualitätsprogramm wurde erstellt, alle zwei Jahre wurden neue Zielvereinbarungen getroffen. So gab es Lesewettbewerbe und andere regelmäßige Projekte. Zudem war es Pletsch wichtig, die Musikalität ihrer Schüler zu fördern. So wurde von Klasse zwei bis vierFlötenunterricht in Arbeitsgemeinschaften angeboten. Wegen der Grenznähe zu Frankreich führte sie auch Arbeitsgemeinschaften für Französisch ein - ein freiwilliges Angebot, das auch heute noch gerne angenommen werde, sagt Pletsch. Bei der Kontrolle der Unterrichtsqualität hat die Lehrerin, die sich mit ihrer Berufswahl laut eigener Aussage einen Kindheitstraum wahr gemacht hat, früh Akzente gesetzt. Die Schüler akzeptierten ihre freundliche Autorität, das Kollegium schätzte ihre Couragiertheit. Aber Margot Pletsch wirkte auch nach außen. Neben der Einbindung der Eltern in die Schulentwicklung bemühte sie sich stets, die Arbeiten der Schüler der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Tage der offenen Tür, Projektwochen, Schulfeste und die Förderung von handwerklichen und künstlerischen Fähigkeiten haben dazu beigetragen, dass es heute eine intakte Schulgemeinschaft in Tawern gibt, die sich nicht über Schülermangel beklagen kann.
Auch auf die Erhaltung der Ganztagsbetreuung im Gegensatz zur Ganztagsschule kommt Pletsch zu sprechen: "Wir sind weit und breit ein einzigartiges Modell, das familienfreundlich und flexibel ist. Wir bieten Betreuung an, wenn es nötig ist, stellen die Familie aber immer noch in den Vordergrund." Obwohl sie sich die Sache mit dem vorzeitigen Ruhestand gründlich überlegt habe, gebe es nun keinen großen Traum mehr, sagt Pletsch. Sich um die Gesundheit kümmern, ferienunabhängig reisen, ihr Garten, verstärkt Musik machen, vielleicht ein Ehrenamt. Sie habe als kommunikativer Mensch immer den Ausgleich und die Verständigung gesucht. Ein Wesenszug, der ihr viele Freunde und großen Respekt eingebracht habe. Pletsch wünscht sich vor allem Gesundheit und Vitalität. Was sie nicht leiden könne: Ungerechtigkeit. Deshalb beschäftige sie sich zurzeit mit der aus ihrer Sicht bürgerfeindlichen Friedhofssatzung ihres Geburtstorts Freudenburg. Sie habe sich vorgenommen, ihre Erlebnisse in einem Buch festzuhalten. Pletsch: "Ich habe jetzt viel Zeit zum Schreiben." redExtra

Schon früh mit Flüchtlingen gearbeitet: Nach dem Studium in Frankfurt verbrachte Pletsch auch ihre ersten Lehrerjahre dort. In ihrer ersten Klasse seien Schüler aus sieben verschiedenen Nationalitäten gewesen, aber kein einziges deutsches Kind, sagt Pletsch. "Fast wöchentlich kamen Flüchtlinge aus Eritrea, Migranten aus Marokko und Griechenland, der Türkei und vielen anderen europäischen und afrikanischen Ländern. Das war für unsere Grundschule Normalität. Dann erzählt sie begeistert von tollen internationalen Schulfesten, die die Elternschaft selbst organisiert habe, von riesiger Vielseitigkeit bei den musikalischen Darbietungen - von Flamenco bis Sirtaki - oder von internationalem Essen, das die Eltern beigesteuert haben. Noch heute habe sie Kontakt zu diesen Ehemaligen, sagt Pletsch. Wohnhaft am Stadtrand von Mainz hat Pletsch eine mehrzügige Grundschule mit Orientierungsstufe, eine Gesamtschule und eine Grund- und Hauptschule in Ganztagsform kennengelernt. Sie habe in einem sozialen Brennpunkt gearbeitet und zahlreiche Schulformen und "Reförmchen" erlebt, sagt sie: "Diese Jahre haben mir sehr viel gebracht und mich als Lehrerpersönlichkeit geprägt." red