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Renovierungsdarf im Freilichtmuseum Roscheider Hof - Das Dach ist jetzt dicht

Renovierungsdarf im Freilichtmuseum Roscheider Hof - Das Dach ist jetzt dicht

In den vergangenen Jahren ist das Angebot im Freilichtmuseum Roscheider Hof immer größer geworden. Die Bestandspflege rückte dabei in die zweite Reihe. Mittlerweile wurde am Haupthaus das Dach neu gedeckt. Nun sind die Fachwerkhäuser im "alten Dorf" erneuerungsbedürftig. Und zwar dringend.

Konz. Die Bottiche stehen noch im Dachgeschoss. Jahrelang tröpfelte dort das Regenwasser durchs undichte Dach und wurde von den Gefäßen höchst provisorisch aufgefangen. Schon die Dachsanierung im Freilichtmuseum Roscheider Hof ist ein Kapitel für sich. Sie kam mangels flüssiger Finanzen nur Stück für Stück voran und wurde erst in diesem Jahr abgeschlossen. Das Dach der großen Feldscheune neben dem Haupthaus ist erst seit einigen Wochen dicht. Aber auch Häuser im "alten Dorf" sind eindeutig Sanierungsfälle.

Als man Anfang der 1970er Jahre mit Rettung und Neuaufbau historischer Gebäude der Bauern-Kultur in Eifel und Hunsrück begann, stand der Aufbau im Zentrum, nicht jedoch Pflege und Erhalt der wieder erstandenen Fachwerkhäuser. Jetzt werden die Museumsleitungen von den Prioritäten der Vergangenheit eingeholt.
"Wir müssen auch sanieren" erklärt Carsten Vorwig, Leiter des Freilichtmuseums Kommern bei Euskirchen. Dass ein Fachwerkhaus nicht beheizt werde, sei dabei unbedenklich, so lange feuchte Luft entweichen könne. Und feuchte Hölzer seien unkritisch, so lange die Nässe nicht zum Dauerzustand werde. Entscheidend sei eine ständige Kontrolle der Gebäude. Würden dann Maßnahmen rechtzeitig ergriffen, seien die auch relativ einfach durchzuführen.

Auch auf dem Roscheider Hof ist der Sanierungsbedarf unübersehbar. Für die Museumsleitung freilich ist die aktuelle Situation im "alten Dorf" zwar ein Grund zur Aufmerksamkeit, aber noch kein Anlass zu Alarmstimmung. "Die meisten Probleme lassen sich mit Bordmitteln beheben", sagt Helge Klaus Rieder, Vorsitzender des Museumsvereins. Hauptgrund für die Schwierigkeiten sei, dass nur das "Haus Sensemichel" und das Saargau-Haus bewohnt sind und damit regelmäßig beheizt werden. Die übrigen Häuser, vor allem "Haus Schug" und das historische Rathaus bedürften darum besonderer Kontrolle. Wobei mittlerweile keine große Fachkunde nötig ist, um zu erkennen: bei diesen Häusern muss etwas geschehen.

Indes: Ein durchgehender Sanierungsplan existiert offenbar nicht. Leitung und Mitarbeiter setzen auf Fähigkeiten, die sie in langen Museumsjahren erworben haben: Geschick im Umgang mit historischen Materialien und Improvisationskunst. Konservierung der Balken und Schutz vor Schimmel sind für Rieder die ersten Maßnahmen um Schlimmeres zu verhüten. Zu den künftigen Kosten und deren Finanzierung will sich Rieder noch nicht äußern. Auch über den Fachmann, der zurzeit die Museumsgebäude überprüft, gibt es keine Informationen. Billig wird die Maßnahme jedenfalls nicht. Nach Angaben der Stadtverwaltung Konz hat allein die Dachsanierung gut eine halbe Million Euro gekostet. Die Summe verteilt sich auf 213 000 Euro vom Land, je 103 000 Euro von Stadt und Verbandsgemeinde Konz und - immerhin - 88 000 Euro Eigenmittel vom Museum. Das neue Dach der Feldscheune hat stolze 115000 Euro verschlungen.Erhalt hat Priorität


Aber egal, wie teuer die Sanierung nun wird - fest steht, dass Erhalt und Pflege auf dem Roscheider Hof künftig wichtiger werden als eine nochmalige Ausweitung. Das hatte Rieder bereits bei seiner Amtsübernahme im TV-Interview angedeutet: "Das Museum kann nur noch langsam wachsen." Offenbar müssen jetzt die Prioritäten anders gesetzt werden als bisher.

Die finanzielle und technische Abwicklung der Sanierungsmaßnahmen ist dabei nur ein Aspekt der Museumspolitik. Über Reparatur und Erneuerung hinaus stellt sich immer wieder die Frage, wie originalgetreu das Dorf gestaltet sein soll. Museums-Mitarbeiter Markus Berberich erläutert das Problem mit einem einfachen Beispiel. "Die Häuser damals hatten keine Dachrinnen. Entweder, wir bringen Dachrinnen an, dann sind die Gebäude nicht mehr komplett historisch. Oder wir verzichten darauf und riskieren, dass tragende Holzbalken verfallen." Eine Patentlösung gebe es da nicht. Und von einer komplett "originalen" Gestaltung müsse man sich schon verabschieden, weil ein kompromisslos historisches Aussehen krass mit der Ästhetik der meisten Besucher kollidieren würde - die Häuser damals waren eben nicht schmuck herausgeputzte Idyllen, sondern ärmlich, unscheinbar und teilweise sogar verfallen. Materielle Not war in Eifel und Hunsrück lange Zeit bitterer Alltag. Aber auch daran soll das Roscheider Dorf immer wieder erinnern.Meinung

Bewahren statt vergrößern
Die 1970er Jahre waren eine Zeit des Aufbruchs auf dem Roscheider Hof. Leiter Rolf Robischon und nach ihm Ulrich Haas brachten neue Ideen ein, öffneten das Museum für interessante und manchmal fast spektakuläre Ausstellungen, kümmerten sich um Nachlässe zugunsten des Museums, bauten den Roscheider Hof besuchergerecht aus. Das Museum wuchs und wuchs. Letztes Projekt dieser Phase sind Sicherung und Ausbau der gigantischen Feldscheune, die vielleicht einmal ein Zeppelin-Hangar war und jetzt ein Schauplatz werden soll für die Ausstellung landwirtschaftlicher Maschinen.

Am aktuellen Sanierungsbedarf im alten Dorf zeigt sich indessen: die Zeiten der Expansion sind vorbei. Wichtigste Aufgabe ist jetzt, das Erreichte zu bewahren, vielleicht, hier und da am Ausstellungskonzept zu feilen und bei der öffentlichen Hand das Bewusstsein von der Bedeutung dieses Museums für die Region wachzuhalten. Spektakulär wird all das nicht werden. Aber der Konsolidierungskurs, der sich auf dem Roscheider Hof andeutet, ist realistisch - und angesichts der sanierungsbedürftigen Gebäude auch unbedingt notwendig. Auch dabei kann das Freilichtmuseum nur gewinnen. trier@volksfreund.de