Rentner mit Teufelsgeige

HERMESKEIL. (jolo) Es sind oft Zufälle, die gleichgesinnte Menschen zusammenführen. Vor vier Jahren outeten sich drei Senioren in ihrer Hermeskeiler Rentner-Gymnastikgruppe als Musiker. Schnell war die Idee geboren, gemeinsam aufzutreten und zusammen Musik zu machen.

Beim Wandertag der Seniorengruppe hatten Josef Klas, Martin Schneider und Hermann Schabbach ihre Musikinstrumente im Gepäck. Ihr Auftritt, bei dem sie Schlager, Schunkel- und Volkslieder zum Besten gaben, kam im kleinen Kreis prächtig an. Für den ganz besonderen Rhythmus sorgte damals die von der Wirtin ausgeliehene ,,Teufelsgeige". Dieses sonderbare Ding hatte es Martin Schneider, der vor elf Jahren aus dem Nonnweilerer Ortsteil Bierfeld nach Hermeskeil zog, angetan. Der 69-Jährige, der mit 14 Mandoline lernte und 20 Jahre in der Kolpingkapelle Nonnweiler Saxofon und Klarinette spielte, baute das Unikum nach. Was aber ist eine Teufelsgeige, auch Deiwelsgeije oder Bumbass genannt? Sie ist ein Rhythmusinstrument, das in der Volksmusik Verwendung findet. Ein Holzstab, der die Körpergröße des Spielers nicht überschreiten sollte, trägt diverse Schlaginstrumente (z. B. Becken, Schellenring) und ist meist mit einer bis drei Saiten bespannt. An ihrer Spitze prangt meist ein Teufelskopf. Mit diesem, von Martin Schneider geschaffenen Markenzeichen zogen die drei Musikanten fortan ab und an los und spielten überwiegend bei runden Geburtstagen ihrer Sportkameraden. Die ersten großen Auftritte hatte das Trio auf dem diesjährigen Hermeskeiler Bauernmarkt, dem Tag der offenen Jugendherberge und im Museum - alles an einem Sonntag. An ihrem "Tag der Musik", bei dem sie Volks- und Wanderlieder sowie Schunkler vortrugen, stand natürlich die Teufelsgeige im Rampenlicht. "Viele Leute fragten, ob das Instrument auch gestimmt werden muss", sagt Josef Klas, der singende Friseur im Unruhestand und Zweite des Trios. Der 66-Jährige, bei dem getreu nach Udo Jürgens das Leben jetzt so richtig anfängt, kam durch seinen Onkel, der ihm das Knopf-Akkordeon-Spielen beibrachte, auf die Musik. Von seinem ersten Trinkgeld kaufte er sich mit 14 Jahren ein Akkordeon, weil sein damaliger Meister zu ihm sagte, dass er mit seinen steifen Fingern nur ein guter Friseur sein wird, wenn er ein Musikinstrument lernt. "Diese Aussage ist schriftlich festgelegt", sagt der gebürtige Waldweilerer schmunzelnd, der mit 15 anfing Tanzmusik, zu machen. Dann zog Klas später mit zwei Kumpels als "Hochwald-Trio" los und anschließend gingen er und sein Freund Emil als Em und Jo Tanzmusik auf Tournee durch die Region. Damals zählten sie 90 Auftritte im Jahr, wozu Kirmesmusik und ihr festes Engagement im Tanzkeller Fassian in Obersehr oder auf der Schillinger Spießbratenhütte zählten. Mit 45 ging der singende Friseur, der in seiner aktiven Zeit ebenfalls die Hochzeitfeiern seiner Kunden musikalisch begleitete, in die vorläufige Musikrente. Doch das Akkordeon erlebte bei Familienfesten keine ruhige Minute. Der Dritte im Bunde, der sportliche Übungsleiter Hermann Schabbach, lernte mit acht Jahren das Geigen- und später das Klarinettenspiel. Neuer Teufelsgeiger gesucht

Der waschechte Hermeskeiler ist nicht nur mit fast 73 Jahren der Älteste der drei lustigen Musikanten, sondern der Obersenior der Hermeskeiler Stadtkapelle und einer weiteren Musikgruppe. Das musikalische Trio wäre froh, wenn sich ihnen noch zwei Musiker anschließen würden - ein Gitarrist und einer, der die Teufelsgeige bedient, da Martin Schneider als zweiten "Liebling" das Saxofon schätzen gelernt hat. Der Saarländer ist es auch, der die Noten für seine "Rentnerband" so umschreibt, dass sie zum Akkordeon passen und gut umgesetzt werden. Die drei Musikanten spielen vor allem aus Spaß. Sie unterstützen gemeinnützige Veranstaltungen, ob bei der Kirche oder im Kindergarten ohne Honorar.