Rezepte gegen Raser auf der B 407
Irsch · Zwei schwere Unfälle, davon einen mit tödlichem Ausgang, hat es in Irsch im vergangenen Jahr auf der B 407 gegeben. Grund genug für die Vertreter der Gemeinde, des Landesbetriebs Mobilität und der Polizei die innerörtliche Verkehrssituation mit den Bürgern zu diskutieren.
Irsch. Jürgen Haag hat eine Vision. Der Ortsbürgermeister von Irsch träumt davon, dass die alte Panzertrasse, die von der ehemaligen Kaserne in Saarburg in Richtung Zerf verläuft, zu einer Ortsumgehung ausgebaut wird. "Vielleicht", sagt er auf der von der Gemeinde im Gasthaus Brunnenhof organisierten Bürgerversammlung am Mittwoch, "erlebe ich es ja mit 85 Jahren noch, dass ich mit dem Auto nicht mehr durch den Ort fahren muss, um von Saarburg nach Zerf zu kommen." Die Bewohner von Konz-Könen hätten schließlich nach mehr als 30 Jahren auch eine Umgehung bekommen. Ein Hoffnungsschimmer, die Nikolaus Wagner als Vertreter des Landesbetriebs Mobilität (LBM) Trier dem Ortschef nicht nehmen will. "Aber", fügt er hinzu, "in den nächsten 15 Jahren ist das sehr unwahrscheinlich."
Wagner diskutiert zwei Stunden mit etwa 30 Irschern, wie sich die Situation an der B 407 entschärfen lässt. Anlass für die Bürgerversammlung waren zwei Unfälle im vergangenen Jahr auf der Hauptstraße, bei denen ein zehnjähriges Mädchen schwer und ein 80-Jähriger tödlich verletzt wurden (der TV berichtete). In seiner Analyse widerspricht Wagner dem Vorwurf, dass die B 407 in Irsch ein Unfallschwerpunkt sei: "Seit 2005 gab es auf der circa 1300 Meter langen Strecke 44 Unfälle. In fünf Fällen waren Fußgänger beteiligt, die die Straße überquerten."
Auch die durchschnittlichen Geschwindigkeiten, die nach den tödlichen Unfällen gemessen wurden, seien "traumhaft". Nur 15 Prozent aller Verkehrsteilnehmer würden in diesem Bereich, in Höhe der Einmündung Büsterstraße, die zulässige Höchstgeschwindigkeit deutlich überschreiten.
Eine Einschätzung, die Markus Kohl, Leiter der Polizeiinspektion Saarburg, nicht ganz teilt. So hätte die Polizei die Geschwindigkeit am Ortseingang mit einem Radargerät gemessen. "Wir mussten etliche Fahrverbote aussprechen", sagt Kohl. Das Thema, dass Autofahrer im Ort oft rücksichtslos fahren, greifen die Bürger auf. Sie kritisieren, dass auf den Bürgersteigen so geparkt werde, dass Füßgänger auf die Straße ausweichen müssten, und gerade Laster im Begegnungsverkehr auf Trottoirs rüberzögen. Laut Wagner gibt es mehrere Möglichkeiten, die Situation zu entschärfen. So will er in den kommenden Wochen prüfen, ob sich mit Hilfe von Querungshilfen im Bereich der Bushaltestellen die Durchschnittsgeschwindigkeit bremsen lässt.
Untersucht werde auch, ob sich mit einer Verengung der Fahrbahn auf Höhe der Büsterstraße der gleiche Effekt erzielen lasse. Wagner ist jedoch kein Freund von Zebrastreifen: "Wir bekommen den Fußgängerverkehr in Irsch nicht ausreichend auf ein oder zwei Stellen gebündelt", sagt er. Das sei eine Voraussetzung für diese Maßnahme.
Wagner regt aber auch an, die Straßenbeleuchtung zu prüfen. "Mein Eindruck ist, dass es an vielen Stellen der Hauptstraße zu dunkel ist." Haag bittet die Bürger, ihre Autos künftig auf der Straße, statt auf dem Bürgersteig zu parken. "Auch damit können wir den Durchgangsverkehr ausbremsen." Er will sich auch dafür einsetzen, dass das Saarburger Ordnungsamt Verstöße künftig ahndet. Er sei sich aber bewusst, dass eine Verkehrserziehung via Knöllchen nicht viele Anhänger finde.Meinung
Auf der Straße parken
Die gesetzlichen Vorgaben sind ganz einfach: Auf der Straße gehört das Auto abgestellt, nicht auf dem Bürgersteig. Das ist eine einfache, aber effektive Regel, die dazu noch den Charme hat, die schwächsten Verkehrsteilnehmer - die Fußgänger - zu schützen. Und diese Vorschrift hat einen weiteren Vorteil: Sie bremst die Geschwindigkeit, mit der Autofahrer durch einen Ort sausen. Wenn dann noch eine Querungshilfe und Verengungen dazukommen, werden in Irsch auch Raser und rücksichtslose Brummifahrer elegant entschleunigt, so dass Fußgänger wieder sicher über die Straße kommen. Und wenn die dann auch im Winter helle Kleidung mit Reflektoren tragen, dann ist das ein weiteres, klares Signal für alle motorisierten Verkehrsteilnehmer aufzupassen. saarburg@volksfreund.de