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Riesenmäher statt Rinder im Wawerner Bruch

Riesenmäher statt Rinder im Wawerner Bruch

Der Pflanzenwildwuchs im Wawerner Bruch muss beseitigt werden. Ansonsten droht das Wasserschutzgebiet auszutrocknen. Eine Spezialmaschine soll das Gelände freihalten. Geht es nach dem Naturschutzbund (Nabu) Deutschland, wird das künftig mit Hilfe des von der Landesregierung geplanten Wassercent finanziert.

Wawern. Das Wasserschutzgebiet Wawerner Bruch soll erhalten werden. Der Naturschutzbund (Nabu) Region Trier betreut das Biotop schon seit Jahren. Manfred Weishaar, Vorstandsmitglied des Nabu, plädiert dafür, einen kleinen Teil der Einnahmen des Landes Rheinland-Pfalz aus dem Wassercent (siehe Extra), den Firmen und Wasserversorger ab 2013 zahlen sollen, für das Wasserschutzgebiet zu reservieren.
Der Nabu braucht wahrscheinlich 7500 Euro alle drei Jahre, um das Moorgebiet zu mähen und das Moorgebiet so feucht zu halten. Weishaar: "Das ist notwendig, um die eigentlich hier ansässige Tierwelt - Schwarzkehlchen, Braunkehlchen und Amphibien - vor dem Abwandern oder Aussterben zu bewahren."
Wuchernde Pflanzen


Der Wawerner Ortsbürgermeister Franz Zebe unterstützt Weishaar. Zebe hatte sich schon im Jahr 2008 für ein Beweidungsprojekt des Nabu stark gemacht, das Weishaar für die kostengünstigere Variante hält. Weil die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord diesen Nabu-Plan ablehnte (siehe Extra), wucherten in den vergangenen Jahren die Pflanzen in dem 44 Hektar großen Gelände vor sich hin - besonders an den im Bruchgebiet positionierten Trinkwasser-Entnahmestellen.
Das Ergebnis ist laut Weishaar, dass Gräser und andere abgestorbene Pflanzen in den moorigen Boden einsanken und zu Nährstoffen für neuen Wildwuchs wurden - ein unerwünschter Kreislauf, weil das Bruchgelände mit der Zeit austrocknen könnte und der Lebensraum der Tiere zerstört würde.
Diesen Kreislauf galt es zu unterbrechen. Der Nabu beauftragte eine norddeutsche Firma, den Pflanzenbewuchs auf dem Bruchgelände zu mähen. Die Firma rückte mit einer speziellen Moorraupe an, deren besonders breites Fahrwerk nicht in den Boden einsinken kann. In wenigen Tagen wurden rund zehn Hektar Bruchgelände gesäubert. So wurde den seltenen Tieren ihr Lebensraum erhalten. Rund 500 Kubikmeter Mähgut wurden mit Lastwagen abtransportiert.
Weishaar: "Wir haben uns zum Ziel gesetzt, bundesweit vom Austrocknen bedrohte Moore zu renaturieren. Dazu gehören unter anderem die Einstellung der Torfgewinnung und die Schließung von Sammel- und Abflussgräben."
Das Geld für das Mähen hat die SGD Nord zur Verfügung gestellt. Die Behörde plant, das Moorgebiet bei Wawern auch künftig weiter zu betreuen. Im Dreijahresrhythmus müssten die Mäharbeiten wiederholt werden, heißt es bei der Landesbehörde. Statt der Spezialmaschine soll laut SGD Nord jedoch mit leichteren Maschinen der örtlichen Landwirtschaft gemäht werden.
Diese Dauerpflege des Bruchs würde Weishaar gerne mit Hilfe des Wassercents sicherstellen. Aus seiner Sicht kein Problem: Immerhin falle das Gebiet als Trinkwasserschutzgebiet unter die Wasserrahmenrichtlinie der EU, deren Umsetzung mit dem Wassercent finanziert werden soll (siehe Extra). Deswegen halte er es für legitim, den Finger in Richtung Mainz zu heben. Grundsätzlich sei der Wassercent für Projekte wie im Wawerner Bruch vorgesehen möglich, sagte eine Sprecherin des Landesumweltministeriums auf TV-Anfrage. Natürlich müsse der Nabu das für das Einzelprojekt noch beantragen.Extra

Die rheinland-pfälzische Landesregierung führt 2013 eine neue Abgabe ein, den Wassercent. Damit will das Land 20 Millionen Euro jährlich einnehmen. Bezahlen sollen etwa 230 Wasserversorger und 300 bis 400 Unternehmen landesweit. Die Unternehmen sollen sechs Cent für die Entnahme von einem Kubikmeter Grundwasser zahlen, für Oberflächenwasser sind 2,4, für Kühlwassernutzung ist ein Cent fällig. Die Wasserversorger geben die Kosten wahrscheinlich an die Verbraucher weiter. Das Landesumweltministerium rechnet mit drei Euro Mehrkosten für jeden Bürger pro Jahr. Die Einnahmen sind zweckgebunden für den Gewässerschutz, kündigte Landesumweltministerin Ulrike Höfken (Die Grünen) im Dezember 2011 an. Mit dem Geld soll die EU-Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt werden, die alle EU-Mitgliedstaaten zu einer umweltverträglichen Wasserwirtschaft verpflichtet. Bis 2015 entstehen dem Land laut Umweltministerium dadurch 415 Millionen Euro Kosten. cmkExtra

Der Nabu stellte 2008 ein Beweidungsprojekt für das Wawerner Bruch vor. Die Naturschützer wollten Nachzüchtungen von Wildrindern und -pferden in dem Gebiet ansiedeln - unter anderem sollte mit dem Beweidungsprojekt der Wildwuchs von Pflanzen und damit das mögliche Austrocknen des Gebiets verhindert werden. Der Plan scheiterte aber an Trinkwasserrichtlinien. Das Argument der zuständigen Landesbehörde, Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord: Die Ausscheidungen der Tiere verunreinigten das geschützte Grundwasser. cmk