Rinderfüße im Gemüsegarten

Hentern · Seit zehn Jahren schon finden Henterner Bürger von Zeit zu Zeit Schlachtabfälle in ihren Gärten, sogar bei der Grabpflege auf dem Friedhof. Doris Dietzen aus der Schulstraße 3 stinkt das im wahrsten Sinne des Wortes, denn in jüngster Zeit häufen sich Knochenfunde auf ihrem Grundstück.

Hentern. An einem Wirtschaftsweg, der von der Schulstraße 3 in Hentern abzweigt, liegt der Garten von Familie Dietzen. Hier wachsen bunte Blumen, Gemüse, Salat und Kartoffeln. Doch immer häufiger entdeckt Doris Dietzen dort Schlachtabfälle von Rindern. "Vor eineinhalb Jahren habe ich zum ersten Mal einen Kuhfuß in meinem Garten gefunden", erinnert sich die 53-Jährige. Erst habe sie darüber gelacht und gemeint: "Wo steht jetzt eine Kuh auf drei Beinen herum?"
Doch inzwischen ist es kein Witz mehr, denn immer wieder gibt es Knochenfunde - nicht nur im Garten von Familie Dietzen, sondern auch bei anderen Henternern. Ortsbürgermeister Bernhard Wagner weiß: "Das Problem ist gut und gerne zehn Jahre alt." Er selbst habe bei der Pflege des Grabes seiner Eltern verscharrte Knochen gefunden. Und es war nicht die einzige Stelle auf dem Henterner Friedhof mit schockierenden "Grabbeigaben".
Seit ein frischer Knochen im Salat gelandet ist, stinkt es Doris Dietzen im wahrsten Sinne des Wortes. Beißender Geruch geht von den Abfällen aus, und die Gartenfreundin sorgt sich: "Wer weiß denn, ob die Kuh nicht infiziert war oder ein tollwütiger Fuchs das hierher geschleppt hat?"
Doch Füchse vergraben keine Knochen in Gräbern. "Die Polizei aus Saarburg hat sich bereits mit dem Fall befasst, aber die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren eingestellt", sagt Ortschef Wagner. Die Verbandsgemeinde (VG) Kell am See ist als örtliche Ordnungsbehörde nach Angaben von Bürgermeister Werner Angsten nicht für solche Fälle zuständig. Der VG-Bürgermeister sorgt sich aber: "Irgendwo müssen die Abfälle doch herkommen."
Kreisveterinär Dr. Christoph Maier sagt: "Das ist ärgerlich für die Betroffenen. Es sind aber wohl keine Abfälle von illegal geschlachteten Tieren." Wenn die Knochen von einem Metzger stammen, dann wurden sie auch auf Unbedenklichkeit geprüft und für die Lebensmittelkette freigegeben. Dennoch wolle seine Behörde die Knochenfunde begutachten. "Vielleicht passiert ja jetzt einmal was, damit dieser Unfug endlich aufhört", wünscht sich Doris Dietzen.
Extra

Bei der Beseitigung von Tierkörpern sind gesetzlich drei Kategorien von beseitigungspflichtigem Material festgelegt, die nach Gesundheitsgefährdung gestaffelt sind. Nur Material der Kategorien eins und zwei - das sind belastetes Fleisch oder Labortiere - müssen in einem dafür zugelassenen Betrieb beseitigt werden. Material der Kategorie drei, dazu zählt insbesondere ein großer Teil von Schlachtabfällen, kann beispielsweise zur Energieerzeugung oder für die Tierfutterherstellung verwendet werden. Es gilt das Tierische Nebenprodukte-Beseitigungsgesetz (Tier NebG) von 2004. Mit diesem Gesetz wurden Vorgaben der EU-Verordnung (EG) Nummer 1774/2002 zur Tierkörperbeseitigung umgesetzt. doth

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