"Rock am Bach" kehrt Merzig den Rücken

Viel sei ihnen vor dem Umzug nach Merzig versprochen worden, sagt Heiko Werno von "Rock am Bach", unter anderem die Herrichtung des Platzes am Zeltpalast. Die Stadt weist die Vorwürfe zurück.

Diese Szenen wird es in Merzig nicht mehr geben. „Rock am Bach“ will nach St. Wendel. Foto: Archiv/Rolf Ruppenthal

Merzig/St. Wendel. Vor zwei Jahren verkündeten die Macher von "Rock am Bach" ihren Umzug von Nunkirchen nach Merzig. "Eine Veranstaltung dieses Formats passt genau in unser Konzept", freute sich damals Merzigs Oberbürgermeister Alfons Lauer über die Erweiterung des Open-Air-Angebotes in seiner Stadt. Doch das Glück währte nicht lange. Jetzt kehrt die Festival-Leitung der Kreisstadt den Rücken. Läuft alles nach ihrem Plan, soll die zwölfte Auflage des Open-Airs am 9. und 10. Juli im St. Wendeler Bosenbachstadion über die Bühne gehen. Grund: das Gelände um den Zeltpalast. Von der Infrastruktur her sei es zwar super. Jedoch sei es wegen der Schottersteine alles andere als perfekt, wie Heiko Werno, einer der Festival-Macher, sagte.

Ende vergangenen Jahres habe die Untere Bauaufsicht eine Befestigung des 5000 Quadratmeter großen Platzes und einen zweiten Fluchtweg gefordert, wenn das Festival 2010 wieder steigen sollte. Auf rund 50 000 Euro schätzt Werno die Kosten - "Geld, das wir nicht aufbringen können". Die Herrichtung des Platzes sei eine von vielen Zusagen gewesen, mit denen Ex-Kulturamtschefin Martina Malburg das Festival nach Merzig gelockt habe. Sie habe die kostenlose Nutzung des Parkplatzes an den Zelten zugesagt, ebenso kostenlose Strom- und Wasserversorgung. Auch für die Hilfsdienste sowie die Herrichtung und Säuberung des Geländes müssten die Macher, damals Future-Events, nichts berappen. Und die Asphaltierung des Platzes samt dem Anlegen eines zweiten Fluchtweges sei ebenfalls zugesagt worden. "Dieser Vertrag ist aber nie von Malburg unterschrieben worden", sagte Werno. Im ersten Jahr seien alle Versprechungen eingehalten worden.

Doch nach dem Weggang von Malburg sei man bei dem Festival 2009 zur Kasse gebeten worden. "Wir haben im vergangenen Jahr erst erfahren, dass Joachim Arnold von Musik und Theater Saar Pächter des Geländes ist", so Werno. Kaution und hohe Miete habe er verlangt. Auch für Strom und Wasser habe man zahlen müssen. "Es gibt noch finanzielle Forderungen. Die sind aber ungerechtfertigt. Daher laufen Verfahren", ergänzte er. Bereits im vergangenen Jahr sei die Future Event GmbH mit Saarevent Saarbrücken zur SF Saarevent Festival GmbH fusioniert.

Der Zustand des Platzes sei nicht ideal, gesteht Pächter Joachim Arnold. Doch als Parkplatz sei er akzeptabel. Instandsetzungen lehnt er ab. "Wenn wir die geschätzten Kosten der Sanierung umlegen auf die Miete, kämen wir in Dimensionen, die für Mieter jenseits aller Wirtschaftlichkeit liegen." Außerdem sei er nur Pächter. "Es ist also nicht unsere Baustelle, den Platz zu befestigen und zu asphaltieren. Das ist Sache der Stadt." 50 000 Euro sei ein Betrag, den auch die Stadt nicht so einfach aus dem Ärmel schütteln könne - eine Ansicht, die OB Lauer mit ihm teile. Auf Anfrage ließ OB Lauer mitteilen, die Kreisstadt bedauere den Umzug des Festivals "Rock am Bach". Man habe aber letztlich keine Möglichkeit gesehen, die Veranstaltung in Merzig zu halten. "Zwischen den Verhandlungspartnern SF-Events für ‚Rock am Bach' und ‚Musik & Theater GmbH' als Pächterin des Zeltpalastgeländes konnte keine Vereinbarung über die Nutzung des Festivalgeländes getroffen werden." Entschieden weise die Stadt die auf der Homepage des Festivals "Rock am Bach" veröffentlichte Aussage zurück, dass die Verlagerung des Ortes in irgendeiner Weise mit den Vorgängen um das frühere Kulturamt zusammenhänge. Die Stadt habe "Rock am Bach" immer tatkräftig unterstützt.