Rudolf Molter neuer Ehrenbürger

Rudolf Molter wird der achte Konzer Ehrenbürger. Das hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen. Der Konzer Chronist und ehemalige Kommunalpolitiker nimmt die Ehre gerne an und verrät dem TV, was ihm wichtig ist.

Ein Gespräch mit Rudolf "Rudi" Molter lohnt sich. Der 76-Jährige hat immer eine Anekdote parat - aus seinem Arbeitsleben als Bistumsarchitekt, aus seiner 33-jährigen kommunalpolitischen Tätigkeit oder aus der Heimatgeschichte, die er mit der Konzer Chronik 2009 breit dokumentiert hat. Am amüsantesten wird es jedoch, wenn er Geschichten aus seiner Zeit als Büttenredner für den Karneval- und Theaterclub Konz (KCK) erzählt: Seine Auftritte als Waschfrau Käddi, Dorfpolizist Schmitz oder Weinkönigin Rosine I., bei denen er typische Konzer Figuren auf die Schippe genommen hat, sind legendär.

3000 Seiten Heimatgeschichte

Nun hat der Stadtrat einstimmig dafür gestimmt, dem einstigen CDU-Kommunalpolitiker die Ehrenbürgerwürde der Stadt Konz zu verleihen - in erster Linie für fast 3000 Seiten Heimatgeschichte in zwölfBüchern und 42 Aufsätzen. "Er hat Herausragendes geleistet", betont CDU-Stadtratsfraktionssprecher Bernd Henter. Aber auch die politische Konkurrenz geizt nicht mit Lob: "Rudi Molter hat so manche Fehlentwicklung im Bauausschuss verhindert", sagt SPD-Fraktionschef Manfred Maximini.

Der Neue reiht sich bald - wahrscheinlich an seinem 77. Geburtstag, dem 27. Januar 2014 - in die honorige Liste der Ehrenbürger ein (siehe Extra). Sein einziger lebender Mit-Ehrenbürger ist Ulrich Haas (89), Leiter des Freilichtmuseums Roscheider Hof. Und Molter lobt den künftigen Kollegen in höchsten Tönen: "In einer Reihe mit Haas zu stehen - das ist schon was!" Diese Ehre sei genauso hoch anzusiedeln wie das Bundesverdienstkreuz, das er 2010 erhalten habe. Schmunzelnd fügt er hinzu: "So ein Ältestenrat für die Stadt Konz wäre doch nicht schlecht."

Kein gebürtiger Konzer

Und der neue Ehrenbürger ist gar kein gebürtiger Konzer: Er kommt von der Obermosel. Als Sohn einer Bergarbeiterfamilie aus Wellen hat er bei den Trierer Kalk-, Dolomit- und Zementwerken seine Ausbildung zum Bauzeichner gemacht - und seine Frau Erika kennengelernt. Die beiden haben 1961 geheiratet und leben immer noch auf dem Grundstück in Konz, das sie Anfang der 1960er Jahre gekauft haben.

Damals galt der Stadtteil Berendsborn noch als "Die Siedlung". Sie seien eine der ersten Familien gewesen, die ab 1965 dort gebaut haben, erzählt Molter. Der Grundstückspreis habe damals bei fünf bis acht D-Mark pro Quadratmeter gelegen. Und die junge Stadt ist für die Familie zur Heimat geworden: "Ich habe mich hier immer wohlgefühlt." Er könne das Gerede von der "gesichtslosen Stadt" nicht leiden. "Man muss sich halt einbringen", sagt Molter.

Seine Leidenschaft sind seit 1959 kirchliche Bauten. Von 1971 bis 2000 hat er als Architekt für das Bistum Trier gearbeitet - von 1995 sogar als Leitender Ordinariatsrat. Historische Mauern haben ihn auch als ehrenamtlicher Denkmalpfleger des Kreises beschäftigt.

Trotz der ganzen Arbeit sieht sich Molter als Familienmensch. Inzwischen ist er 52 Jahre mit Erika verheiratet. Seine beiden Söhne haben ihm fünf Enkel beschert. Damit ist die Zukunft der Familie gesichert.
Und eines seiner größten Hobbys - die Geschichte - hat er auch auf sie übertragen. Für die Moltersche Familienchronik hat er acht Bände zusammengeschrieben. 42 Generationen kann er bis in die karolingische Zeit zurückverfolgen.
Extra

EhrenbürgerPeter Zettelmeyer (CDU, Fabrikant): Geboren am 30. Januar 1900, gestorben am 10. April 1980, Ehrenbürger seit 21. Februar 1970, Stadtratsbeschluss 26. Januar 1970.

Albin Groß (Direktor Firma Zettelmeyer, CDU-Fraktionsvorsitzender im Konzer Gemeinderat): Geboren am 21. November 1901, gestorben am 5. September 1973, Ehrenbürger seit 5. November 1970, Stadtratsbeschluss 26. Januar 1970

Jakob Dewald (langjähriger Beigeordneter der Stadt Konz, CDU): Geboren am 17. April 1893, gestorben am 27. Januar 1980, Ehrenbürger seit 16. April 1973, Stadtratsbeschluss 16. April 1973.

Rolf Robischon (Gründungsmitglied des Freilichtmuseums Roscheider Hof, SPD): Geboren am 29. Juni 1907, gestorben am 3. Februar 1989, Ehrenbürger seit 17. April 1986, Stadtratsbeschluss am 3. Februar 1986.

Michael Kutscheid (Bürgermeister der Stadt und Verbandsgemeinde Konz, CDU): Geboren am 30. Januar 1923, gestorben am 22. Februar 2009, Ehrenbürger seit 16. Juli 1994, Stadtratsbeschluss am 24. Mai 1994.

Hermann Hendricks (Bürgermeister der Stadt und VG Konz, CDU): Geboren am 4. Mai 1927, gestorben am 27. Dezember 2007, Ehrenbürger seit 4. Mai 2002, Stadtratsbeschluss am 8. April 2002.

Ulrich Haas (langjähriger ehrenamtlicher Leiter des Freilichtmuseums Roscheider Hof, CDU): Geboren am 18. Juli 1924, Ehrenbürger seit 21. Oktober 2006, Stadtratsbeschluss am 11. Juli 2006. cmkRudolf MolterRudolf Molter ist besonders stolz darauf, dass er an der Sanierung des Klosters Karthaus in den 1970er Jahren federführend mitgewirkt hat. Damals hatte er sogar den Spitznamen Bruder Rudolfus. Heute gibt er zu bedenken, dass schon wieder eine Sanierung des Klosters fällig sei.

Molter hat auch verhindert, dass das alte Hammer Pfarrhaus (Baujahr 1720) im Zuge der Saarkanalisierung in den 1980er Jahren abgerissen wird. Er habe damaligen Bürgermeister scharf gemacht, dann sei das Projekt eingeleitet worden. "Das ganze Idyll wäre sonst verloren", sagt er.

Heute hält er das denkmalgeschützte Haus der Jugend für den architektonischen Problempunkt der Stadt Konz. "Da muss eine Lösung her", sagt er. Das prächtige Bauwerk sei fast zu einem Schandfleck geworden. cmk