Rückblende in die Zeit des Aufbruchs

Rückblende in die Zeit des Aufbruchs

SCHWEICH. Mit einer spritzigen Rückschau auf die Zeit ihrer Gründung beging die Kreisvolkshochschule (VHS) ihr 50. Jubiläum. Leiter der örtlichen Außenstellen und Entscheidungsträger aus der Politik trafen sich in der Schweicher Synagoge.

Den würdigen Rahmen für die Zusammenkunft schafften die bekannten Künstler Gaby Kuhn und Werner Persy mit einer eigens für den Abend aufgebauten Ausstellung. Beide sind als Dozenten für die VHS tätig. Die Konzer Bildhauerin Kuhn zeigte organische Skulpturen aus Schamottmasse, Werner Persy präsentierte grafische Holzschnitte. Karl-Heinz Weichert, Leiter der VHS, und Kreisbeigeordneter Manfred Wischnewski begrüßten die Gäste und luden sie zum Festakt in den Saal der Synagoge ein. Dort gab Landrat Richard Groß einen kurzen Überblick über die Geschichte der Kreisvolkshochschule, die ausführlich im Jahrbuch des Kreises Trier-Saarburg von 2003 nachzulesen ist. "Gegründet wurde sie im Bereich der Altkreise Trier und Saarburg 1953 als Volksbildungswerk, um dem Elend der Unwissenheit, das sich in der damaligen Weltpolitik äußerte, entgegen zu wirken", sagte er und spielte damit auf das Ende des Nationalsozialismus und den demokratischen Neubeginn an. Gegen das Elend der Unwissenheit

Lothar Bentin, Verbandsdirektor der Volkshochschulen von Rheinland-Pfalz, würdigte die "hervorragende Arbeit der Kreisvolkshochschule". Sie sei eine der größten im Land und überzeuge mit der optimalen Mischung aus Bürgernähe, Vielseitigkeit, haupt- und ehrenamtlich Tätigen. "Heute, in Zeiten des Wandels, ist Bildungsarbeit als Orientierungshilfe notwendiger denn je", betonte er. "Ich bin zuversichtlich, dass trotz knapper Kassen die gute Arbeit in Zukunft fortgeführt wird." 700 000 Kursusteilnehmer bekundeten im vergangenen Jahr ihr Interesse. Unterrichtet wurden sie von 10 000 Dozenten. "Ein unverzichtbarer Bestandteil der Infrastruktur," meinte Bentin. Mit einer hinreißenden kabarettistischen Betrachtung der VHS-Gründerzeit und Nierentisch-Ära bewies Schauspielerin und Sängerin Barbara Ullmann, wie viel Potenzial auf höchstem Niveau in den Reihen der für die VHS Tätigen zu finden ist. Auf einer zum Wohnzimmer im "Milch-Trink-Stuben-Chic" der 50er Jahre dekorierten Bühne gab sie ein Potpourri von Liedern aus der Wirtschaftswunder-Zeit zum Besten. Unter perfekter Klavierbegleitung von Joachim Mayer-Ullmann erklang "Pack die Badehose ein" oder "Capri-Fischer", was einige der Anwesenden zurück in ihre Jugend versetzte. Feierstunde mit 50er Jahre Schlagern

Doch das komödiantische Energiebündel bot seinen Zuhörern mehr als Nostalgie. Mit ironisch kritischer Distanz beleuchtete sie die "Heile Welt" von damals. "Gehn'se mit der Konjunktur" sang sie und betrachtete bissig die Schattenseiten des Wirtschaftswunders: die ungesunden Folgen einer Ernährung mit zuviel "guter Butter", das tragische Leben der Rosemarie Nitribit und die Konflikte einer Hausfrau beim Versuch, eine Torte zu backen. Gehüllt in türkis- und rosafarbene Dior-Kleidchen, sah Barbara Ullmann selbst aus, wie jener Zeit entsprungen. Teils verkörperte sie den mädchenhaft unschuldigen Charme einer Frau von damals, teils wandelte sie sich temperamentvoll zum selbstbewussten Biest. Lachtränen riefen ihre Persiflagen auf Werbespots für Waschmaschinen und Deodorants hervor. In die witzigen Moderationen zwischen den Liedern baute sie immer wieder Hinweise auf die Verdienste der Volkshochschulen ein. So empfahl sie potenziellen Liebhabern, Literaturkurse zu belegen, um ihre Angebetete mit Shakespeare überzeugen zu können. Für die mit Chansons aus den 20er-Jahren bekannt gewordene Sängerin war diese Revue eine Premiere. Wer sich, genau wie die begeisterten Gäste dieses Abends, von dem Programm verzaubern lassen will, kann eine weitere Aufführung am 18. März kommenden Jahres in der Schweicher Synagoge besuchen.

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