Rückblick: 40 Jahre Bostalsee

"Den Rückgang der Landwirtschaft durch Fremdenverkehr zu ersetzen", das war in den 1960er Jahren der Grund für den Bau des Bostalsees. Der erste Spatenstich erfolgte am 3. April 1973. Ein Rückblick.

Nohfelden-Bosen. Die Anfänge des Bostalsees reichen bis in die 1960er-Jahre zurück. Daran erinnert sich Hermann Scheid: "Wir kamen 1969 in ein Strukturförderprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums. Ziel war es, den Rückgang der Landwirtschaft durch Fremdenverkehr zu ersetzen."
Die Idee entstand, einen See im Bosbachtal zu bauen. Damals gab es noch nicht die Gemeinde Nohfelden, die Dörfer rund um den See waren eigenständig, schlossen sich erst 1974 bei der Gebiets- und Verwaltungsreform zusammen. Scheid war damals Amtsvorsteher, wurde später Nohfeldens Bürgermeister. Für eine Mark pro Quadratmeter habe man damals Land gekauft, so Scheid. Viele haben das Vorhaben damals kritisch gesehen. So habe ihm damals ein Mitarbeiter der Landesplanung gesagt: "Bevor der Bostalsee kommt, haben wir das erste Haus auf dem Mond." 1971 kam die Finanzierungszusage des Bundeswirtschaftsministeriums, das den Bau mit 80 Prozent der Kosten förderte. Bauherr war der Landkreis. Bis 1973 waren 320 Hektar Land gekauft, heute sind es rund 360 Hektar. Am 3. April 1973 erfolgte der erste Spatenstich.
Im Bebauungsplan war das Hanggelände bei Gonnesweiler bereits damals für einen Ferienpark vorgesehen. Ebenso sah der Plan ein Hotel auf dem Rabenkopf vor. Genau dort werden in den kommenden Monaten Bauarbeiten für ein Hotel beginnen. "So schließt sich der Kreis", meint Udo Recktenwald, Landrat des Kreises St. Wendel. Bis der See angestaut war und von den ersten Besuchern genutzt werden konnte, dauerte es noch bis 1979. 40 Millionen Mark hat damals der Seebau gekostet.
Franz Josef Schumann hat das Projekt seit 1975 verfolgt, zunächst als Mitarbeiter der Kreisverwaltung, ab 1992 bis Ende 2007 als Landrat. Bei den Baumaßnahmen rund um den See, wie der Verkehrserschließung, dem Bau des Campingplatzes und des Freizeitbads Bosaariums sei es auch immer darum gegangen, den Zugang zum See für alle zu erhalten. Ebenso war klar, dass das Hanggelände nur als Feriendorf touristisch genutzt werden sollte. Damit wollte man einem privat genutzten Wochenendhausgebiet einen Riegel vorschieben.
Im September 1993, vor 20 Jahren also, fällten Kreistag und Gemeinderat Nohfelden einen wichtigen Beschluss. "Sie sprachen sich gemeinsam dafür aus, den Ferienpark zu bauen und einen Investor zu suchen." Interessenten gab es. Zunächst wollte jemand einen Park mit Schwimmbad und Halbinsel in den See errichten. Dann kam eine Gruppe von Genossenschaftsbanken. Beide Vorhaben zerschlugen sich aber. Die Gemeinde Nohfelden blieb am Ball. "Zwei Voraussetzungen mussten für den Park auf jeden Fall erfüllt werden. Zum einen das Baurecht, zum anderen mussten die Grundstücke am Hang zur Verfügung stehen", sagt Andreas Veit. Baurecht kam mit einem detaillierten Bebauungsplan, der im März 1999 Rechtskraft erhielt. Zudem kaufte die Gemeinde die Grundstücke. Sechs Millionen Euro kosteten die Grundstücke, fast eine halbe Million Euro der Bebauungsplan. Geld, das die Gemeinde bezahlte und das ihren Finanzspielraum mächtig einschränkte. Rudolf Müller: "Die Gemeinde konnte ein solches Projekt nicht mehr alleine stemmen."
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So beauftragte die Landesregierung im Frühjahr 2003 die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) mit einem Konzept zur Umsetzung des Parkes. Im Januar 2004 gründeten Nohfelden, der Landkreis St. Wendel und die LEG die Projektgesellschaft Bostalsee, die auch einen Teil der Schulden übernahm. Die Projektgesellschaft wiederum arbeitete eng mit dem Ferienpark-Experten Kurt Sarstrup zusammen. Vier bis fünf Anbieter hatten Interesse gezeigt, dann aber kam der Kontakt zu Center Parcs zustande. "Im Herbst 2005 gab es die ersten Gespräche", sagt Veit. Zahlreiche weitere folgten, Center Parcs prüfte den Standort in einem mehrstufigen Verfahren.
Im Januar 2008 verkündete das Unternehmen dann, einen Park am Bostalsee zu errichten. Veit: "Da war klar, dass gebaut wird, aber es war noch nicht klar, woher das Kapital kommt." Die Lösung: Die Strukturholding Saar baut die Zentraleinheit, die Projektgesellschaft Bostalsee ist für die Erschließung verantwortlich, eine Investorengemeinschaft übernimmt den Bau der Ferienhäuser - hier war der Landkreis mit einer stillen Einlage von 6,5 Millionen Euro mit an Bord. Nachdem die Finanzierung gesichert war, begannen im Frühjahr 2011 die Bauarbeiten. Der Park kostete 130 Millionen Euro. Am 1. Juli dieses Jahres öffnete die Ferienanlage. VF

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