Rückblick in die Zeit der Pinnenschuhe - Sportverein Kell 1920 feiert am Pfingstwochenende sein 95-jähriges Bestehen

Rückblick in die Zeit der Pinnenschuhe - Sportverein Kell 1920 feiert am Pfingstwochenende sein 95-jähriges Bestehen

Im Jahr 1920 hatten einige junge Leute aus Kell beschlossen, einen eigenen Fußballverein aus der Taufe zu heben, den sie damals stolz Viktoria nannten. Der heute als SV Kell 1920 bezeichnete Verein wird in diesem Jahr 95 Jahre alt und schaut auf eine bewegte Vergangenheit zurück.

Mit einem großen Festprogramm wird das 95-jährige Bestehen des Sportvereins Kell am See am Pfingstwochenende, Freitag, 22. Mai, bis Sonntag, 24. Mai, und am Pfingstmontag, 25. Mai, gebührend gefeiert. Auch ein Rückblick in die Vergangenheit des Vereins und auf seine Leistungen im Laufe eines bald vollendeten Jahrhunderts lohnt sich: "Im Jahr 1920 beschlossen einige Söhne der nach dem Ersten Weltkrieg aus Lothringen ausgewiesenen und nach Kell zurückgekehrten Familien, einen eigenen Verein aus der Taufe zu heben, den sie stolz Viktoria nannten", berichtet Chronist Dittmar Lauer. Der Gründungsvorsitzende des neuen Vereins, Theo Müller, habe damals mit seinen Mitstreitern im Arensbruch einen Spiel- und Übungsplatz angelegt, berichtet Vereinsvorsitzender Horst Zimmert. "Bei der Entwässerung des sumpfigen Wiesengeländes mussten die jungen Männer sehr vorsichtig sein, denn der Boden war voller Kriegsmunition."

Für die Sporthemden habe das angesparte Geld gerade gereicht, die Sporthosen hätten die Mütter der Spieler aus altem Leinenstoff genäht und als Schuhwerk hätten Pinnenschuhe (derbe Lederschuhe mit Nägeln auf den Sohlen) herhalten müssen.

An einen ordentlichen Spielbetrieb sei natürlich noch nicht zu denken gewesen, denn nur wenige Nachbarorte hatten schon einen Fußballverein, mit dem man sich messen konnte, so Vorsitzender Zimmert. Der ebenfalls 1920 gegründete erste Keller Musikverein war zudem eine Konkurrenz.

"Bis zum heutigen Tag mussten die Sportler noch einen holprigen Weg zurücklegen, bis man Mitte der 60er Jahre in der Laach die momentane sportliche Heimat fand", sagt Zimmert. "Nicht zuletzt die Kriegswirren hatten starken Einfluss auf die Aktivitäten." Von Anfang an habe man aber großen Wert auf Breitenarbeit gelegt. "Das ist bis heute geblieben und wurde stets ausgebaut." (siehe Extra).

Was sich seit dem Beginn entschieden geändert habe, sei die Altersstruktur der Mitglieder. "Heute ist der Anteil der älteren Generation wesentlich höher und es gilt, dieser Klientel Rechnung zu tragen", sagt Zimmert. Deshalb habe sich der Verein neben der sehr aktiven Jugendarbeit verstärkt dem Ausbau des Seniorensportes gewidmet. "Deshalb gibt es auch heute im Vorstand neben dem Jugendleiter eine Seniorenbeauftragte, die sich dieser Problematik annimmt." Der Verein sei momentan gut aufgestellt, wobei auch weiterhin das Motto "Stillstand ist Rückschritt" gelte , vermelden Zimmert und sein Stellvertreter Thomas Kohler mit Blick nach vorne.Extra

Der SV Kell verfügt über 610 Mitglieder (267 weibliche und 343 männliche) in folgenden Sportarten: Fußball, Tischtennis, Schach, Volleyball, Turnen, 2. Weg Männer, Senioren bleiben mobil und Nordic Walking. 47 Trainer und Betreuer, neun Vorstandsmitglieder und drei ständige Helfer bilden das Funktioner-Team. Festprogramm:Freitag: Jugendabend "Mexikanische Nacht"; Samstag: ab 13 Uhr Jugendfußballspiele (Bambini, D-Jugend), 17.30 Uhr: A-Jugend-Meisterschaftsspiel gegen Ehrang II, ab 20 Uhr: Oldie-Party mit den Fireworkers: Sonntag: 14 Uhr: Dorfturnier, 15 Uhr: Vorführung der Kinderturngruppen, 16 Uhr: Vorführungen der Zumba-Turngruppe, anschließend "Sie wünschen - wir spielen", Bunter Abend mit Bernd Stumm; Montag: ab 9 Uhr: Sternwanderung unterschiedlicher Gruppen (auch per Rad möglich), ab 12 Uhr Früh- und Dämmerschoppen mit dem Musikverein Concordia Kell. Dazu ein deftiges Mittagessen. hm

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