Rückkehr im Frieden

WALDRACH. (dis) In wenigen Monaten will Franz Diendorf nochmals an die Orte zurückkehren, in denen er vor knapp 40 Jahren Not leidenden und kriegsgeschädigten Menschen half. Neun Monate lang versah er 1967 seinen Dienst an der Front in Vietnam.

Es waren harte Monate in dem damaligen Kriegsland, das von Kämpfen, Leid, Not und Tod geprägt war. Als Angehöriger des Malteser-Hilfsdienstes (MHD) versuchte der damals 26-jährige Franz Diendorf den Vietnamesen bei der Bewältigung der Situation zu helfen. Seinem Aufenthalt in Vietnam war ein Auftrag der Bundesregierung an den MHD in Deutschland vorausgegangen, der Zivilbevölkerung zu helfen. Der gelernte Schreiner entschied sich schnell, diesen Auftrag in einem Team anzunehmen. Medizinisches und handwerkliches Personal wurde gesucht. Damit lag die Anfrage bei Diendorf gerade richtig, denn er hatte sich beste Kenntnisse in Erster Hilfe angeeignet und zudem den Schreinerberuf erlernt. In der Nähe des Ortes Quang Nam, fast unmittelbar an der Grenze zwischen Süd- und Nordvietnam gelegen, sollte er mit zwölf weiteren Helfern als Aufbaukommando die Hilfsaktion beginnen. "Zunächst wurde uns noch in der Heimat die asiatische Mentalität und landestypisches Verhalten beigebracht", erzählt der MHDler. Zahlreiche Impfungen standen auf dem Plan, dann startete der Flug nach Da Nang. Zum Akklimatisieren - in Vietnam herrscht tropisches Klima - blieb den Helfern eine Woche. Dann hieß es "Mittendrin - statt nur dabei". Mit Hubschraubern und Booten flogen und fuhren sie in umkämpfte Dörfer, die wegen der verminten Straßen mit Fahrzeugen nicht erreichbar waren. Erste Hilfe war bei den dort lebenden Menschen in erster Linie gefragt. Doch es galt auch, die in nächtlichen Kriegsattacken zerstörten Häuser wieder aufzubauen. Diendorf: "Dazu bildeten wir die Jugendlichen vieler Dörfer als Schreiner und Mechaniker in dreimonatigen Schnellkursen aus." Rund 100 Einsatzkräfte aus Deutschland erlebte Diendorf in Vietnam. Vielen schlug die Kriegssituation, das Leben im Busch und das gelegentlich fehlende Essen buchstäblich auf den Magen. Sie brachen ihre Mission frühzeitig ab. Für den Waldracher endete seine neunmonatige Hilfsaktion einen Tag vor Weihnachten im Jahre 1967 ohne körperliche Schäden. Der Auslandsdienst des MHD in Köln organisiert nun ein Wiedersehen in dem ehemals umkämpften Land. Über die dortige Presse soll der Besuch der deutschen Helfer angekündigt werden. "Vielleicht erinnert sich jemand, dem wir damals geholfen haben, an uns. Ein Wiedersehen wäre schön", sagt er. Schon 1960 hatte Diendorf mit dem heute 92-jährigen Dr. Friedrich Heiser den Grundstein für den MHD in Waldrach gelegt. Mit "Erste-Hilfe-Lehrgängen" und kleineren Einsätzen im Ort und in Trier begann er damals seine Laufbahn. Jährlich intensivierten sie ihre Ausbildung und stellten in den 70er-Jahren sogar einen Krankenhaus- und Rettungsdienst auf die Beine. Heute ist aus dem "Betreuungszug" der vergangenen Jahre eine schnelle Eingreifgruppe (SEG) geworden. Sie ist in der Lage, in Ernstfällen kurzfristig eine große Menschenmenge zu verpflegen. Ein willkommenes "Fitnesstraining" ist ein jährlicher Pilgerzug im Frühjahr. Die Waldracher verpflegen dann im Trierer Hauptbahnhof rund 1000 Gläubige auf der Fahrt von Paderborn nach Lourdes.