Ruhe jetzt!

So. Es hat sich ausgeknallt. Und jetzt? Ich habe zu meinem Martin gesagt: "Martin", habe ich gesagt, "2010 wird ein ruhiges Jahr." Das ist der einzige Vorsatz, den ich mir fürs neue Jahr nehme - gut, fünf Kilo weniger auf den Rippen, ein aufgeräumter Speicher und ein funktionierendes Ablagesystem für eingehende Rechnungen hätten auch ihren Reiz.

Aber sowas widerstrebt ja meinem Vorsatz Nummer Eins und wird deswegen gleich von der Liste gestrichen. Was auch mal zumindest für ein paar Wochen verschwindet, ist mein Handy. Ich muss ja nicht immer und überall erreichbar sein. Was? Für Sie nicht vorstellbar? Ein Leben ohne Handy? Na, herzlichen Glückwunsch. Erst vor Kurzem habe ich gelesen, dass sich Jugendliche eher von ihrem Partner trennen könnten als vom Handy. Also, da kann mein Martin einmal froh sein, dass wir schon ein paar Jährchen älter sind.

Apropo älter: Es zwickt und zwackt mal hier, mal da. Martin müht sich zwar schonmal zwischendurch ab, mir meinen Rücken zu massieren. Aber wissen Sie, er würde auch ein gutes Waschweib abgeben. Nein, da werde ich mir nächste Woche mal einen gemütlichen Ausflug in einen dieser Wellness-Tempel gönnen. Mit baden, schwitzen, Augenmaske samt Gurke und jungen Damen, die sich um meine Fingernägel und Pediküre kümmern. Und wenn ich das hinter mir habe, muss ich noch Fenster putzen, das Auto in die Werkstatt bringen, das Festgeld neu anlegen und die 120 Gläser aus der Vitrine durchspülen. Wie war das noch mit der Ruhe?

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