Runter mit dem Staub von 50 Jahren

Runter mit dem Staub von 50 Jahren

Die Sanierung des Glockenstuhls an der Hermeskeiler Martinuskirche ist in vollem Gange. Ende August sollen die neuen Bronzeglocken eingesetzt werden. Bis dahin bringt sie ein freiwilliger Helfer auf Hochglanz. Der Förderverein wirbt derweil mit einer neuen Idee um Spenden.

Hermeskeil Er ist in die Jahre gekommen, der Glockenstuhl in der Hermeskeiler Martinuskirche. Weil die Statik Probleme bereitet, soll die gesamte Konstruktion durch eine stabilere ersetzt werden (der TV berichtete am 22. April). Die Vorarbeiten dafür laufen seit Ende April, gut sichtbar durch das Baugerüst, das am Kirchturm emporragt.
Neben dem alten Stuhl müssen aber auch die Glocken selbst raus. Das soll in der kommenden Woche passieren, sagt Dechant Clemens Grünebach, der die Hermeskeiler Pfarrei Sankt Franziskus leitet. Statt der vier Stahlglocken werden fünf bronzene eingesetzt. Sie stammen aus der entweihten Kirche St. Mauritius in Saarbrücken. Die Hermeskeiler hatten sie im Sommer 2015 als Geschenk erhalten. Eine Weile lang waren sie in der Martinuskirche ausgestellt, inzwischen lagern sie in Hallen am Stadtrand.
Dort hat sich Ernst Blasius ihrer angenommen. Der Leiter des Hermeskeiler Feuerwehrmuseums hatte sich damals beim Förderverein erkundigt, wer denn die Glocken säubern würde. Sie waren mit einer dunklen Schicht überzogen, da sie 50 Jahre lang im Freien gehangen hatten: "Der ganze Industriestaub von den Eisenhütten hat sich darauf abgesetzt", sagt Blasius. Mit Schleifpapier und anderem Werkzeug habe er den Schmutz Stück für Stück entfernt. Dabei habe ihm die Erfahrung mit Exponaten geholfen, die er für das Feuerwehrmuseum restauriert habe. "Die alten Geräte sind auch oft aus Messing oder Kupfer." Seit Jahresbeginn ist Blasius ehrenamtlich am Werk, zwei von fünf Glocken glänzen wieder. Mit den restlichen will er rechtzeitig zum anvisierten Abschluss der Arbeiten Ende August fertig werden: "Bis dahin ist noch genug Zeit."
Die Kirchengemeinde habe damals nur den Transport nach Hermeskeil bezahlt, sagt Grünebach. Der reine Bronzewert der Glocken liege bei etwa 90 000 Euro. "Hätten wir sie selbst gießen lassen, hätte das an die 150 000 Euro gekostet", schätzt der Dechant. Außerdem sei ihm ein "kleiner ökumenischer Randaspekt" aufgefallen: Drei der Glocken klängen genau wie die der benachbarten evangelischen Kirche. Nicht zu unterschätzen sei auch ihr "symbolischer Wert", sagt Grünebach. "Der wird auch deutlich daran, dass jemand freiwillig diese Drecksarbeit im wahrsten Wortsinn übernommen hat, um die Glocken vorzeigbar zu machen." Die alten Glocken werden laut Grünebach nicht "verscherbelt". Sie sollen eine "neue adäquate Nutzung" erhalten.
Der Förderverein von Sankt Martinus beteiligt sich an der Finanzierung des neuen Glockenstuhls. Die Kosten liegen bei etwa 140 000 Euro, wovon das Bistum 60 Prozent des förderfähigen Betrags übernimmt. Verein und Pfarrei werden bei Benefizaktionen Geld sammeln. Gefeilt haben sie aber auch an der Idee, Sponsoren für Teile des Glockenstuhls zu suchen (der TV berichtete). "Wir ermitteln gerade, was ein Meter Eichenholz kostet", sagt der Fördervereins-Vorsitzende Martin Eiden. Bürger könnten dafür spenden und auf einer Tafel in der Kirche als Spender verewigt werden. Zusätzlich wolle man ortsansässige Firmen fragen, ob sie für die neuen Klöppel spenden und ihren Firmennamen darauf prägen lassen möchten. Klöppel heißen die Pendel, die durch das Schlagen gegen die Glockenwand den Ton erzeugen. Ähnliches wäre für die Holzjoche denkbar, an denen die Glocken aufgehängt werden. Fünf Klöppel kosten insgesamt 2400 Euro, fünf Joche knapp 4100 Euro. Der erste Sponsor ist schon gefunden: Ernst Blasius spendet für einen Klöppel.
Wer sich den Klang der neuen Hermeskeiler Kirchenglocken anhören möchte, findet hier ein Video dazu:
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Extra: VIELLEICHT FOLGT EIN NEUER ANSTRICH

Ernst Blasius (links) und Martin Eiden vom Förderverein der Hermeskeiler Martinuskirche zeigen die neuen Bronzeglocken für den Kirchturm. Die vordere Glocke ist bereits gesäubert, die hintere muss noch abgeschliffen werden. Die alten Klöppel (Bild rechts) sollen ersetzt werden. TV-Fotos (2): Christa Weber. Foto: (h_hochw )


In den kommenden Tagen wird das Gerüst vor dem Turm der katholischen Pfarrkirche Sankt Martinus in Hermeskeil noch ein wenig höher gebaut werden. Das kündigt Dechant Clemens Grünebach an. Hintergrund ist, dass der zuständige Architekt des Bistums Trier sich auch das Dach und den sogenannten Turmhelm genauer anschauen will. Werde dabei ein Sanierungsbedarf entdeckt, dann müsse der Turm vollständig eingerüstet werden, sagt Grünebach: "Dann werden wir den Turm auch von außen streichen, wenn wir die Finanzierung hinkriegen." Bislang sei dies nicht geplant. Bis Ende August sollen die Sanierung des Glockenstuhls und der Austausch der Glocken abgeschlossen sein. "Am 3. September kommt der Bischof zur Firmung. Dann sollen die Glocken wieder läuten."

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