Saarburg ist das modernste Kreuzfahrtziel

Kostenpflichtiger Inhalt: Tourismus : Saarburg ist das modernste Kreuzfahrtziel

Viele Schiffe, zu wenige Anleger: Während in Trier noch die Dieselmotoren bollern, gibt es an der Saar ein Versorgungsterminal. Konz könnte einen neuen Steg bekommen.

Kreuzfahrten boomen – auch auf Flüssen, auch auf Saar und Mosel. Der TV hat sich umgehört, wo die Schiffe in der Region anlegen.

Saarburg Für die Saarburger Schiffsanlegestelle am Staden ist die Nachfrage laut Sandra Gehlen, Pressesprecherin der Stadt, sehr gut. „Voll ausgelastet ist sie vor allen Dingen in den Monaten Juni, Juli und August und an den Wochenenden“, sagt sie. 2019 gab es insgesamt 139 Anlegevorgänge, 17 Prozent mehr als 2018. Große Luxus-Kreuzfahrtschiffe mit rund 200 Passagieren aus der Schweiz, Ungarn oder Frankreich, aber auch kleinere Schiffe aus den Niederlanden oder Tagestouristen aus Luxemburg nutzen laut Gehlen die Anlegestelle. „Die größten Schiffe waren in diesem Jahr 110 Meter lang, das kleinste 34“, sagt sie. Saarburg verfügt nicht nur über eine Liegestelle für Fahrgastschiffe, die an die Saarflotte verpachtet ist, sondern auch über eine für Hotelschiffe, die in städtischer Hand ist. Beide Stege liegen im Staden. Zudem befinden sich zwei weitere Stege im hinteren Bereich des Staden, Höhe Kulturgießerei, die an die Gebrüder Kolb in Trier sowie privat verpachtet sind.

Laut Gehlen ist die Nachfrage nach Liegeplätzen „definitiv größer“ geworden. Besonders die großen Reedereien kämen mit immer mehr Schiffen und mehr Gästen in die Stadt. Pläne für eine weitere Anlegestelle gebe es aber nicht. Gehlen: „Eine Anlegestelle muss verwaltet, die Voraussetzungen für den Bezug von Wasser und Strom gewährleistet werden. Auch müssen die Interessen der Anwohner im Staden gewahrt bleiben.“ Damit spielt sie vor allem auf die notwendige Versorgung der Schiffe an: Sind die Vorrichtungen zur Energie- und Wasserversorgung nicht vorhanden, tendieren die Schiffsführer dazu, den Generator laufen zu lassen. „Das ist natürlich nicht umweltfreundlich und auch laut und damit belastend für die Anwohner“, sagt Gehlen. Um das zu vermeiden, wird entsprechende Infrastruktur an Land gebraucht. Und da ist die Stadt Saarburg besser ausgestattet als Trier und andere Städte in der Region, denn sie verfügt seit der Schifffahrtssaison 2018 über ein spezielles Energieterminal.

Auf Anfrage bekommen die Kapitäne eine Karte, die ihnen Zugang zum Terminal gibt. Die verbrauchte Energie und das benutzte Wasser werden von der Stadt registriert und den Reedereien in Rechnung gestellt. Damit die Schiffe das Terminal und nicht die Schiffsaggregate nutzen, hat die Stadt Saarburg in einer Satzung festgeschrieben, „dass die Schiffe keine Schiffsgeneratoren nutzen dürfen, sondern verpflichtet sind, die Energie aus dem Terminal zu beziehen.“ Die Satzung hat der Stadtrat im April verabschiedet, und sie sieht bei Verstoß gegen die Auflagen eine Geld­strafe von bis zu 5000 Euro vor. Das Schiffsladeterminal in Saarburg kann laut Gehlen in der Regel von Schiffen ab 70 Meter Länge genutzt werden. Es entspreche dem Stand der Technik. So seien alle größeren Anlegestellen – zum Beispiel in Würzburg, Nürnberg, Mannheim oder auch in Cochem – mit Landstromterminals dieser Art ausgestattet.

Konz Während Saarburg Vorreiter in Sachen Schiffstourismus ist, gibt es in Konz zwar zwei Landungsstege, aber keine große Anlegestelle, die extra auf Flusskreuzfahrtschiffe zugeschnitten ist. Wer in der Saar-Mosel-Stadt anlegen will, muss provisorisch einen kleineren Anleger unterhalb des Möbel-Martin-Parkplatzes nutzen. Dort hat zum Beispiel 2013 ein Kreuzfahrtschiff mehrere Tage geankert, weil es wegen Hochwassers nicht unter der Römerbrücke durchfahren konnte.

Die Situation könnte sich aber ändern: Ein Schweizer Unternehmen hat die Stadt Konz dieses Jahr kontaktiert, weil es einen weiteren, privat betriebenen Anleger in der Nähe des Hafens errichten möchte. Der städtische Bauausschuss hat dem Antrag noch nicht zugestimmt, weil die Kommunalpolitiker zu viele offene Fragen sahen – zum Beispiel in Bezug darauf, wie die Reisebusse dort zu den Schiffen kommen sollen, ohne die Radfahrer auf dem Moselradweg zu gefährden.

Michael Naunheim, Pressesprecher der Konzer Verwaltung, sagt: „Aufgrund weiterer zu berücksichtigender Planungsvorhaben in diesem Bereich kann eine Entscheidung voraussichtlich erst 2020 getroffen werden.“ Er spielt damit auf die Erweiterung von Möbel Martin an. Der Möbelriese will seine Verkaufsfläche um 8500 Quadratmeter erweitern. Ob dann zum Beispiel Busse, die Flusskreuzfahrttouristen abholen wollen, noch auf dem Möbel-Martin-Parkplatz halten können, müsste noch geklärt werden.


Trier Auch in Trier ist Kreuzfahrttourismus zurzeit voll im Trend: „Die Nachfrage von Reedereien, die mit ihren Hotelschiffen in Trier anlegen wollen, hat sich in den letzten Jahren etwa vervierfacht“, sagt Ludwig Vögele. Er muss es wissen: Seit 40 Jahren koordiniert er am Zurlaubener Ufer die Anlegezeiten der Ausflugs- und Hotelschiffe. Dort gibt es schon jetzt fünf Anleger – alle in privater Hand (siehe Info). Auch die Andockstellen im Ehranger Hafen, in Trier-Pfalzel, Schweich und in der Schiffswerft Boost am Stadtausgang in Trier-Nord gehören privaten Firmen und sind regelmäßig ausgebucht. „Wir müssen mittlerweile rund ein Drittel aller Anfragen ablehnen, weil es keinen freien Platz mehr gibt an diesen Anlegestellen“, sagt Koordinator Vögele. Die Reedereien würden dann mit ihren Schiffen nach Konz oder Saarburg ausweichen.

Wie viel Potenzial in der Flusskreuzfahrt für die Trierer Wirtschaft schlummert, hat auch die Stadtverwaltung erkannt. In seiner nächsten Sitzung am Dienstag, 17. Dezember, soll der Stadtrat einen Grundsatzbeschluss zum Bau zweier neuer – städtischer – Anlegestellen fassen. Entstehen sollen diese in Trier-Nord. 2022 könnte der städtische Pier fertig sein – inklusive Anfahrtsmöglichkeiten für Busse, die die Touristen dann zu ihren Zielen in der Umgebung bringen. Außerdem sollen Wasser- und Stromanschlüsse verlegt werden. „Es wird für die Schiffe definitiv die Pflicht geben, Landstrom abzunehmen“, betont Dezernent Schmitt.

Am Zurlaubener Ufer ist das anders: Die meisten Schiffe dort müssen ihre schweren Dieselmotoren rund um die Uhr laufen lassen, um über Generatoren Strom zu erzeugen. Die Firma Kolb hat für ihre beiden Anlegestellen auf eigene Kosten sämtliche Versorgungsleitungen verlegen lassen. Die Schiffe an den übrigen drei Anlegern können daran allerdings nicht angeschlossen werden.