Saarburg: Stadtrat für 12,5 Meter hohen Aufzug an Burg für eine Million

Kostenpflichtiger Inhalt: Saarburg : Rat will 12,5 Meter hohen Aufzug an der Burg

Mehr als eine Million Euro für mehr Barrierefreiheit: Fahrstuhl soll letztes Stück Steigung am Burgberg überbrücken.

Barrierefreiheit ist derzeit ein großes Thema in Saarburg. Stadtbürgermeister Jürgen Dixius sagte in der Stadtratssitzung: „Seit einem Jahr arbeiten wir daran trotz schwieriger Bedingungen.“ So würden bei Bauarbeiten beispielsweise die Bordsteine abgesenkt und Leitsteine für Blinde verlegt. Das Ziel: Barrierefreiheit oder zumindest -armut. Sie soll Gehbehinderten, Blinden, Rollatorfahrern, Familien mit Kinderwagen und Radfahrern fast überall Zugang ermöglichen. Für dieses Ziel sind noch einige Projekte geplant oder bereits in der Umsetzung (siehe Info).

Das finanziell bislang wohl größte Vorhaben ist der barrierefreie Zugang zur Burgruine. Herzstück dieses Projekts ist ein 12,5 Meter hoher Aufzug (Grafik: Ingenieur-Büro A. Krämer), der das letzte Stück Steigung am Burgberg zwischen dem Parkplatz und dem historischen Monument überbrückt. An den Aufzug mit metallischer Optik, der dunkelgrau oder anthrazitfarben sein soll, dockt laut den Plänen von Ingenieur Jürgen Krämer eine graue Stahlbrücke an. Um eine für Rollstuhlfahrer verträgliche Steigung von maximal sechs Prozent zu erreichen, müssen der Fußweg direkt an der Burg und der Weg am Aufzug entsprechend umgebaut werden. Höher als das Plateau am Burgrestaurant geht es für Menschen mit Behinderung oder Kinderwagen nicht.

Die sanitären Anlagen dort sollen ebenfalls umgebaut und durch eine Behindertentoilette ergänzt werden. Damit auch Menschen mit Handicap den Blick Richtung Stadt genießen können, sollen drei Treppen hin zu Plattformen mit Liftern ausgestattet werden. Die Baukosten für diese Barriereverringerung an der Burg belaufen sich laut Dixius auf mehr als 1,1 Millionen Euro. Der Stadtbürgermeister drängte auf eine Entscheidung, denn das Projekt soll mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung zu 85 Prozent gefördert werden und der Zuschussantrag muss bis Ende des Jahres gestellt werden.

Alexander Becker (SPD) fing trotzdem an, die Sache zu hinterfragen: „Wäre es nicht einfacher, den Weg zum oberen Plateau für Menschen mit Behindertenausweis zur Nutzung mit dem Auto freizugeben?“ Dixius entgegnete, dass 100 000 Menschen pro Jahr zur Burg kämen. Gott sei Dank seien viele Besucher ohne Auto in der Stadt unterwegs. Doch was wäre, wenn nun alle Menschen mit Rollator, Kinderwagen und Knieleiden ganz bis oben hin fahren würden? Dann wäre da viel los. Dixius erinnerte daran, dass das Kopfsteinpflaster im obigen Kolpingweg bei Nässe und im Winter schwierig zu befahren sei. Sichtlich ärgerlich ergänzte er: „Das Thema war schon in vielen Ausschüssen. Sollen wir jetzt eine Grundsatzdiskussion führen?“.

Becker argumentierte, dass die Menschen, auch wenn sie den Aufzug nutzen wollten, doch mit dem Auto bis zum Parkplatz fahren müssten. Laut Krämer ist der untere Teil des Kolpingwegs zu steil, um die Neigung behindertengerecht zu gestalten. Dixius entgegnete, dass die Stadt das schwierigste Stück des Wegs zur Burg erschließe. Dixius: „Wir wollen außerdem die Toiletten umbauen und weitere Plattformen für gehbehinderte Menschen erschließen. Sollen wir das alles sein lassen?“ Auch beeinträchtigte Menschen ohne Begleitperson kämen mit dem Auto, doch hätten sie am oberen Plateau keine Chance zu parken, sagte Krämer. Dixius wies darauf hin, dass viele Gruppen auch mit dem Bus kämen. „Schicken wir dann diejenigen weg, denen das letzte Stück zu steil ist?“, fragte er. Gabi Thebach (CDU) ergänzte, dass es darum gehe, dass beeinträchtigte Menschen die Burg auch erleben könnten.

Plan Saarburger Burg. Foto: TV/Schramm, Johannes

Edith van Eijck (SPD) warf in die Diskussion ein, dass der Rat es bei der Auswahl des Saarburger Bähnchens versäumt habe, ein Gefährt zu wählen, das den Weg hoch zur Burg schafft. Ingenieur Kärmer erinnerte schließlich daran, dass die Pläne neben der Denkmalpflege auch mit dem Behindertenbeauftragten der Verbandsgemeinde Saarburg Kell abgestimmt seien. Überzeugt hatten all die Argumente Alexander Becker offensichtlich nicht. Er enthielt sich bei der Abstimmung. Der Rest des Rats sprach sich für die Planung aus und stimmte zu, 140 000 Euro für das Projekt in den Haushalt 2020 einzustellen.

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