Saarburg sucht Publikumsmagneten

Die Diskussion über die Verkürzung und Abspeckung der Markttage läuft in den sozialen Netzwerken. Der Saarburger Gewerbeverband muss dabei viel Kritik einstecken. Es gibt auch Stimmen, die ein stark überarbeitetes Konzept fordern.

Saarburg Es ist ein immer wiederkehrendes Mantra, dass Aktionstage die Einkaufsstadt Saarburg beleben sollen. In allen Pressegesprächen betonen die Organisatoren der verkaufsoffenen Sonntage und der langen Ladenabende, dass die Umsätze an diesen Abenden nicht so entscheidend sind: "Wichtig ist, dass uns die Kunden kennenlernen und wiederkommen, wenn sie ein bestimmtes Produkt suchen", heißt es regelmäßig, wenn dieser Punkt angesprochen wird.
Dieser Glaubenssatz scheint für die Markttage nur noch eingeschränkt zu gelten. Finanzielle Risiken will der Saarburger Gewerbeverband (SGV) minimieren. Veranstaltungen müssen sich auch für Geschäftsinhaber rechnen, scheint das neue Credo der Vertreter der Kaufmannschaft in der Stadt zu sein.
In einem Kommentar auf der Facebook-Seite der Saarburger Zeitung schreibt Thomas Annen, Mitglied des vorigen und des aktuellen SGV-Vorstands: "Die Markttage sind seit Jahren überholungsbedürftig und haben den SGV in der Vergangenheit fast in den Ruin getrieben. Die Bedürfnisse der Mitglieder wurden nicht mehr berücksichtigt, und die Stadt möchte sich nicht an dem Fest beteiligen." Daher habe man die Verantwortung für das Fest "gesplittet": Man wolle den Markt hochwertiger gestalten und das Musikprogramm dem Profi Christof Kramp überlassen.
Was Annen verschweigt: Der Freitagabend entfällt; auf dem Fruchtmarkt soll keine Bühne mehr stehen; das finanzielle Risiko für die Kosten der Musiker trägt der Inhaber der Station-K.
Auf der Facebook-Seite "Wir sind Saarburg" beruft sich Annen auf eine Mitgliederentscheidung, die der umstrittenen Entscheidung vorausgegangen war. Die lässt allerdings Heinz-Berthold Kind, selbst bis 2014 Vorsitzender des SGV, nicht gelten. Es habe zwar auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung Ende 2016 eine Abstimmung zu dem Thema gegeben, "Eigentlich sollte an diesem Abend ein neuer Vorstand gesucht werden. Aber plötzlich sprach man über die lähmenden Markttage", sagt er im TV-Gespräch. Kind macht auch auf der von ihm moderierten Du-bist-Saarburg-Seite keinen Hehl daraus, dass er die Entscheidung zu den Markttagen ablehnt.
Es gibt aber auch Stimmen, die sich dafür aussprechen, das Konzept der Markttage grundsätzlich zu überarbeiten. So fordert der Facebook-Nutzer mit dem Profilnamen Ocram Netleh bessere "fliegende" Essensstände, mehr Unterhaltung für Kinder und Jugendliche, mehr Aktionen in den Geschäften und ein "besseres Musikprogramm mit breiter Fanbase". So schlägt er den Auftritt von Lokalmatadoren neben echten "Headliners wie die Schlagersängerinnen Andrea Berg oder Helene Fischer" vor. Er warnt davor, die Markttage "auf dem Altar der Sparsamkeit zu opfern". Stattdessen: "Think big!"- also in größeren Dimensionen zu denken.
Die Diskussion zeigt, dass es viele Ideen gibt, wie es mit den Markttagen weitergehen könnte. Jetzt liegt es in den Händen des neuen Vorstands, der voraussichtlich am Mittwoch seinen neuen Vorsitzenden bestimmt, einen Weg zu finden, wie die Veranstaltung für die Zukunft aussehen könnte.
Die Stadt hat signalisiert, dass sie offen für Diskussionen mit dem neuen SGV-Vorstand ist - möglicherweise auch in Fragen einer Kostenbeteiligung. Stadtbürgermeister Jürgen Dixius sagt auf entsprechende TV-Nachfrage: "Ich gehe davon aus, dass ich mich mit dem neu gewählten Vorstand in Kürze über das neue Konzept zu den Markttagen austauschen werde."KommentarMeinung

Schlüssiges Konzept gefragt
Die Diskussion in den sozialen Netzwerken zeigt: die Zukunft der Saarburger Markttage bewegt die Menschen in der Region. Deutlich wird auch, dass außerhalb des Gewerbeverbands nur wenige die Entscheidung nachvollziehen können, die Veranstaltung zu verkleinern. Es ist daher eine der dringendsten Aufgaben des neuen SGV-Vorstands, sich Gedanken über die Zukunft der Markttage zu machen. Und zwar nicht, in dem man die für dieses Jahr gefundene Lösung als "Splitting" schönfärbt, sondern indem man schlüssige Konzepte - vielleicht gemeinsam mit bezahlten Profis - erarbeitet. Das kann ein Drehen am Musikprogramm sein, das kann ein Streetfood-Markt sein, das muss sicherlich ein besseres Programm für Kinder und Jugendliche sein. Und dann ist auch noch die Stadt gefragt, sich an den Kosten der Markttage zu beteiligen. Denn ein guter Veranstaltungstermin im Kalender ist pures Stadtmarketing - und das braucht Saarburg, um weiter attraktiv zu bleiben.