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Saarburger Bauausschuss stimmt geschlossen für Terra-Saar-Projekt

Stadtentwicklung : Hotelprojekt: Streit um Bauhöhen und Verkehr

Anwohner sehen vor allem die Höhen des in Saarburg-Beurig geplanten Komplexes mit Hotel und Wohneinheiten kritisch. Davon unbeeindruckt stimmte der Bauausschuss einstimmig für das 20-Millionen-Euro-Projekt.

Mehr als eine Stunde lang stellten die Planer in der Sitzung des Saarburger Bauausschusses das sogenannte Terra-Saar-Projekt rund um ein Hotel auf dem ehemaligen Toom-Markt-Gelände in Beurig vor. Im Mittelpunkt stand der Bebauungsplan. Die anschließende Ankündigung von Stadtbürgermeister Jürgen Dixius, die Sitzung für eine Viertelstunde für Anmerkungen der Anwohner zu unterbrechen, wurde von der Besuchertribüne, auf der sich etwa 40 Menschen zusammendrängten, mit bedauernden Oh-Lauten kommentiert. Die Unterbrechung dauerte dann doch 50 Minuten. Doch blieb dies wohl der einzige Punkt, in dem sich die Parteien einigten.

Die geänderten Pläne Architektin Melanie Baumeister stellte zu Beginn die überarbeitete Version des Bebauungsplans vor. Zu dem 20-Millionen-Euro-Projekt des Bauunternehmens Matthias Ruppert aus Esch gehören ein Hotel mit mehr als 60 Zimmern sowie Wellness­angeboten, 60 Wohneinheiten, einige Ferienappartements und eine gemeinsame Tiefgarage. Der Entwurf stammt vom vielfach ausgezeichneten Mailänder Designer und Architekten Matteo Thun. In der Region war Thun bereits kreativ: Für das Weinkulturgut Longen-Schlöder in Longuich hat er Winzerhäuschen zum Übernachten entworfen. Die Eingaben der Anwohner – sie betrafen vor allem den Verkehr und die Höhe der Bauten – hätten zu zahlreichen Änderungen geführt, sagte Baumeister. Demnach wurde die kritisierte Zahl der Autostellplätze in der Schodener Straße auf 25 reduziert und dafür mehr Plätze in der Wiltinger Straße geschaffen. Auch an der Hotelrezeption in dieser Straße befinden sich nun weniger Parkplätze. Die Planer haben die Gastronomie im Hotel laut Baumeister ein Geschoss tiefer gelegt und deren Zuwegung geändert. Ergänzt wurde ein Zugang von der Wiltinger Straße. Für den Anlieferverkehr zum Restaurant wurde aus der ursprünglich vorgesehenen Sackgasse, die von der Schodener Straße abging, eine Einbahnverbindung Richtung Wiltinger Straße mit drei Meter hoher Schallschutzwand am Hotel.

 Saarburger Hotelprojekt nach Plänen von Matteo Thun Kopie
Saarburger Hotelprojekt nach Plänen von Matteo Thun Kopie Foto: TV/Schramm, Johannes

Die Zahl der Winzerhäuser mit den Ferienappartements musste laut Baumeister aufgrund der Wege reduziert werden. Die Abstände zwischen den drei großen Wohngebäuden wurden auf fünf Meter vergrößert. Hinzu kamen Grünbereiche an der Schodener Straße und Richtung Taubhaus.

Laut Verkehrs- und auch Schallgutachten ist das Hotelprojekt gemäß den Ausführungen der Planer wohngebietsverträglich und wird keine wesentliche Verschlechterung bringen. Untersuchungen zum Artenschutz ergaben, dass für Fledermäuse, die sich im ehemaligen Marktgebäude angesiedelt haben, Ersatzquartiere auf dem Beuriger Friedhof geschaffen werden müssen. Stadtplaner Thomas Lang wies darauf hin, dass der Abstand zwischen geplanten und bestehenden Bauten im Schnitt 30 Meter beträgt. Er sprach von vier verschiedenen Höhen im Rahmen des Projekts. Das Maximum erreicht demnach das Hotel mit seinem Satteldach. Dessen höchster Punkt liege zwölf Meter über der Schodener Straße. „Das Projekt bewegt sich im Rahmen dessen, was üblich ist in einem Wohngebiet“, sagte Lang.

Die Kritik Das sahen die Anwohner anders. Klaus Maaßen, Sprecher von 26 Parteien, wies darauf hin, dass die bestehenden Häuser in der oberhalb gelegenen Schodener Straße acht bis neun, teilweise auch zehn Meter hoch seien. Er fragte: „Was bedeuten Höhen von elf Metern bei der geplanten Wohnbebauung und zwölf Metern beim Hotel trotz Gefälle für die 20 betroffenen Häuser? Ist das adäquat?“ Von der Straße Im Taubhaus aus gesehen sei das Hoteldach sogar in 17 Metern Höhe. Maaßen sprach von einer Werbeveranstaltung. Unangenehmes sei nur am Rande erwähnt worden. Von den Vorschlägen, die die Betroffenen nach der Anliegerversammlung im Mai 2019 zu den Themen Höhen, Lärmbelästigung und Zugang zu Hotel und Wohnhäusern vorgebracht hätten, sei wenig übrig geblieben. „Das ist nicht akzeptabel. Ich spreche für alle“, sagte er und bekam Applaus. Er kündigte an, nun alle Schritte zu gehen. Auch eine Klage schloss er auf TV-Nachfrage nicht aus. Ein anderer Anwohner hinterfragte skeptisch, ob die 108 Parkplätze in der Tiefgarage zusammen mit den rund 60 Stellplätzen an den Straßen ausreichten. Weitere kritische Nachfragen gab es zu den Themen Lärm und Verkehr.

Ein Appell Stefanie Koch, Geschäftsführerin der Saar-Obermosel-Touristik, appellierte an die Kritiker, die Stadt gemeinsam nach vorne zu bringen. „Da gehört ein Hotel dazu. Wir haben eine riesige Nachfrage, die wir nicht decken können.“ Dixius ergänzte, dass ein Hotel neben dem Tourismus auch für den Einzelhandel und die Infrastruktur wichtig sei. Auch Firmen bräuchten Unterkünfte für Besucher. Doch das schien nicht mehr anzukommen. Unternehmer Stephan Ruppert sagte nach der Ausschusssitzung: „Wir haben alles gemacht, was aus unserer Sicht darstellbar war. Mehr geht nicht. Wenn wir nicht zwei oder zweieinhalb Geschosse bauen können, ergibt das Projekt keinen Sinn mehr.“

 So soll das Projekt auf dem ehemaligen Toom-Markt-Gelände in Saarburg-Beurig von der Wiltinger Straße aus betrachtet aussehen. Das große Gebäude rechts ist das Hotel, davor stehen die Winzerhäuser, links daneben die Wohnbebauung.
So soll das Projekt auf dem ehemaligen Toom-Markt-Gelände in Saarburg-Beurig von der Wiltinger Straße aus betrachtet aussehen. Das große Gebäude rechts ist das Hotel, davor stehen die Winzerhäuser, links daneben die Wohnbebauung. Foto: TV/Quelle: Matthias Ruppert Bauunternehmen

Der Ausschuss Der Bauausschuss des Saarburger Stadtrats hat sich schließlich einstimmig für das Hotelprojekt auf dem ehemaligen Toom-Markt-Gelände ausgesprochen. Er empfiehlt dem Stadtrat, der am Donnerstag, 13. Februar, ab 19.30 Uhr im Sitzungssaal des Hauses Warsberg tagt, die Änderung des Bebauungsplans zu billigen und die neuerliche Beteiligung der Öffentlichkeit zu beschließen.