Saarburger Klinikchef nennt Bedingungen für Zerfer Ärztezentrum
Zerf · Die geplante Einrichtung eines medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) in Zerf hat erneut den Gemeinderat beschäftigt. Denn inzwischen hat der Chef der Saarburger Klinik, die Träger des Zentrums werden soll, Zahlen auf den Tisch gelegt. Auf deren Basis will die Ortsgemeinde nun ihre Neubaupläne forcieren. Ende März soll die Entscheidung fallen, ob der Kreis beim MVZ einsteigt.
Zerf. Drei von vier Hausärzten in Zerf gehen bald in den Ruhestand. Um die medizinische Versorgung im Ort und auch in den umliegenden Dörfern langfristig zu sichern, würde die Verbandsgemeinde (VG) Kell am See gern ein medizinisches Versorgungszentrum mit angestellten Hausärzten in Kell und Zerf einrichten. Träger soll das Kreiskrankenhaus in Saarburg werden.
Für das MVZ als "sinnvollste Lösung" gegen den drohenden Ärztemangel hat sich auch der Zerfer Ortsgemeinderat im Januar ausgesprochen (der TV berichtete). Am Donnerstag stand das Thema nun erneut auf der Tagesordnung. Denn inzwischen hat der Saarburger Klinik-Geschäftsführer Arist Hartjes seinen Businessplan abgeschlossen. Darin hat er berechnet, unter welchen Bedingungen ein MVZ in Zerf und Kell wirtschaftlich zu betreiben wäre.
Über die Ergebnisse informierte der Zerfer Ortsbürgermeister Dieter Engelhardt (SPD) seinen Rat. Er war ebenso wie VG-Bürgermeister Martin Alten bei der Vorstellung der Wirtschaftlichkeitsprüfung in inoffizieller Runde im Kreishaus Trier-Saarburg dabei gewesen. "In den Plänen wird ein recht günstiger Mietpreis von fünf Euro pro Quadratmeter vorausgesetzt", berichtete Engelhardt. "Das müssen wir bei unseren Planungen berücksichtigen."
Die Ortsgemeinde will das MVZ in einem Neubau einrichten, den sie mit Hilfe der "großzügigen Spende" einer Bürgerin finanzieren möchte. Alternativ hatte ein Investor bereits im vergangenen Jahr angeboten, das ehemalige Gasthaus Schneider in Zerf umzubauen und anschließend günstig zu vermieten. Engelhardt stellte klar, dass die Spenderin ihr Geld nur in eine Immobilie im Besitz der Ortsgemeinde investieren werde. Dies habe er auch dem Kreis mitgeteilt. Für den sei die Gebäudefrage allerdings zweitrangig: "Da interessiert nur der Mietpreis."
Da nun Zahlen auf dem Tisch lägen, müsse die Ortsgemeinde ihre Planungen anpassen und "die Sache forcieren", erklärte Engelhardt. Laut dem Klinikchef könne beispielsweise der Raumbedarf reduziert werden. "Vermutlich landen wir bei 300 bis 350 statt bisher 400 Quadratmetern." Damit würden auch die geschätzten Investitionskosten von derzeit einer Million Euro sinken.
Einige Ratmitglieder äußerten Bedenken, ob die vorhandene Gasthaus-Immobilie nicht die schnellere und risikofreiere Lösung sei. Johannes Bustert von der Freien Bürgerliste wollte wissen, wie langfristig sich der Kreis an das MVZ binden werde: "Wenn der Kreis aussteigt, weil es sich nicht mehr rechnet, dann hat die Gemeinde das Gebäude an der Backe." Ortschef Engelhardt versicherte, dass der Landrat dem Projekt positiv gegenüberstehe. VG-Chef Martin Alten ergänzte, dass auch der Kreis ein großes Interesse daran habe, die gesundheitliche Versorgung im ländlichen Raum zu sichern. Die Entscheidung falle allerdings Ende März im Kreistag. Und danach gebe es noch viele Details zu klären, etwa auch Zuschussfragen. Vorher sei es nicht ratsam, weitere Beschlüsse zu fassen.
Um die Zeit bis zur Kreis-Entscheidung nicht ungenutzt verstreichen zu lassen, einigte sich der Rat auf ein baldiges Treffen zwischen Michael Finkler (BOK), der das Projekt für die Gemeinde plant, und dem Saarburger Klinik-Geschäftsführer. Dabei sollen die Pläne für den Neubau mit den Berechnungen der Klinik abgestimmt werden. cweb