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Saarburger Schlachthof verlegt Betrieb ins Saarland

Nach Gebührenstreit mit dem Landkreis : Saarburger Schlachthof verlegt Betrieb ins Saarland

Günther Sternberg hat sich lange mit dem Kreis Trier-Saarburg über Gebührensätze gestritten. Im nächsten Jahr will er mit dem einzigen Schlachtunternehmen im Kreisgebiet von Saarburg nach Perl ziehen.

Alfons Deter, Redakteur beim Online Fachmagazin topagrar, schreibt: „In Zeiten, in denen fast alle kleinen Landschlachtereien verschwunden sind, ist der Neubau eines regionalen Schlachthofes in Perl eine ermutigende Nachricht.“ Er greift damit die Entscheidung des saarländischen Umweltministeriums auf, das Anfang Juni den Bau eines neuen Schlachthofes im saarländischen Perl-Besch bewilligt hat. Den Antrag hierfür hatte Günther Sternberg gestellt. Der Betreiber des bisherigen Schlachthofes in Saarburg will im Industriegebiet Perl-Besch eine 1000 Quadratmeter große Halle bauen, in der ab 2021 Schweine, Schafe, Rinder und möglicherweise Wildtiere geschlachtet werden sollen.

Mit der Eröffnung des Betriebs in Perl will Sternberg den Schlachthof in Saarburg schließen. Gründe für die Verlegung der Betriebsstätte ins Saarland nennt Sternberg mehrere. So sei die Lage im Dreiländereck für den Betrieb günstig. Zudem sei er in Perl mit offenen Armen empfangen worden. Und schließlich seien dort die Schlachtgebühren niedriger als im Kreis Trier-Saarburg.

Es ist kein Geheimnis, dass Sternberg und der Kreis Trier-Saarburg sich seit Jahren vor Gericht streiten. Wie Günther Sternberg dem TV erläutert, dreht sich diese Auseinandersetzung im Kern um die Frage, ob die Kalkulation der vom Kreis erhobenen Gebühren rechtmäßig ist. Oder ob in diese Gebühren Kosten mit einfließen, die nicht einkalkuliert werden dürfen. Konkret geht es um Zuschläge, die der Kreis etwa für Urlaubsgeldansprüche oder Krankheitsvertretung der Prüfer erhebt.

Erstinstanzlich hatte das Verwaltungsgericht Trier vor zweieinhalb Jahren dem Landkreis in dieser Frage Recht gegeben. Allerdings hat das rheinland-pfälzische Oberverwaltungsgericht die Berufung zugelassen. Die Berufungsverhandlung vor dem Senat in Koblenz ist voraussichtlich Mitte Juli. Der Grund für die lange Prozesspause waren ausstehende Entscheidungen des Bundesverwaltungsgerichts sowie des Europäischen Gerichtshofs zu ähnlichen Fragestellungen im Zusammenhang mit vorgeschriebenen Untersuchungen.

Die Kreisverwaltung Trier-Saarburg scheint dem Schlachthof in Saarburg – immerhin der letzte im Kreis – nicht wirklich nachzutrauern. „Uns waren entsprechende Überlegungen bekannt“, sagt Kreis-Pressesprecher Thomas Müller. Gerade auch die Lage des Betriebs in einem Hinterhof zwischen Burgberg und der Talstation des Saarburger Sessellifts sei „nicht als zukunftsfähig angesehen“ worden. Der Umzug sei – so Müller – „eine unternehmerische Entscheidung, auf die der Kreis nur geringe Einflussmöglichkeiten“ gehabt hätte.

Für 2018 hat das Kreisveterinäramt analysiert, dass knapp über 50 Prozent der in Saarburg geschlachteten Tiere aus dem Kreisgebiet, meist aus der Verbandsgemeinde Saarburg-Kell, kommen. Darüber hinaus würden dort vor allem Tiere aus Frankreich und dem Saarland verarbeitet. Durch die Verlegung des Schlachthofs nach Perl dürften sich die Anfahrtswege für die meisten Kunden verkürzen.

Das Kreisveterinäramt prüft, ob und wie die Veterinäre und die veterinärmedizinischen Helfer nach dem Wegzug des Schlachthofes aus Saarburg in „anderen Bereichen“ eingesetzt werden können, sagt Thomas Müller. Die auch bei Wildschweinen obligatorische Trichinenschau – mit ihr wird nach Fadenwürmern gesucht, die beim Menschen zu einer parasitären Infektionskrankheit führen – werde „seit Jahren“ nicht mehr über den Schlachthof abgewickelt. Die Proben von den Jägern könnten zur Untersuchung beim Hofgut Serrig abgegeben werden.

In Perl regt sich jedoch Widerstand gegen den Bau des Schlachthofes. Das Netzwerk www.avaaz.org ist laut der britischen Tageszeitung The Guardian einer der weltweit größten und einflussreichsten Kanäle für Online-Aktivisten, um Kritik an Projekten zu bündeln. In einer zwischenzeitlich wieder gestoppten Petition greifen sie das Vorhaben an. Sie kritisieren, dass die Gemeinde und die Bürger im Vorfeld der Entscheidung nicht über das Projekt informiert worden seien. Sie fordern, dass die Pläne öffentlich gemacht werden und dass der Bürgermeister zu dem Vorhaben Stellung nimmt. Das erklärte Ziel der Aktivisten ist es, den Bau des Schlachthofes in Perl-Besch zu stoppen.