Scheinbar reiches Morbach

Morbach ist reich - theoretisch. Die Gemeinde kommt auf einen Besitz von rund 115 Millionen Euro, wenn das gesamte Vermögen von Straßen über Wald bis hin zu Stühlen und Spielgeräten addiert wird.

Morbach. Die Mitarbeiter der Morbacher Verwaltung hatten seit 2005 alle Hände voll zu tun. Sie haben sämtliche Vermögenswerte der Gemeinde zusammenzutragen, um die Vorgaben der Doppik, der doppelten Buchführung, zu erfüllen.
Zusammen kam dabei eine Summe von 115 Millionen Euro. Das Zahlenwerk nennt sich Eröffnungsbilanz und wurde vom Morbacher Gemeinderat abgesegnet. Im Einzelnen geht es um Grundstücke, Straßen und Plätze, um Gemeindehäuser, um Denkmäler, Stühle und Computer, um Wald und Spielgeräte auf Spielplätzen oder in Kindergärten. Ein paar Beispiele: Rathäuser stehen zum Anfang des Jahres 2009, dem Zeitpunkt der Einführung der Doppik in Morbach, mit rund einer Million Euro Restbuchwert in der Bilanz.
Keine rosigen Aussichten


Für Straßen, Wege und Plätze werden 35 Millionen Euro veranschlagt. Doch nicht alles lässt sich einfach bewerten. Zum Thema Pflanzen und Tiere heißt es in der Eröffnungsbilanz lediglich: "Eine Bewertung von Pflanzen und Tieren war in der Gemeinde Morbach nicht durchzuführen."
Daniel Schäfer von der Verwaltung bezeichnete die Eröffnungsbilanz, auf der die folgenden Haushaltspläne aufbauen, als historischen Meilenstein. Zur Interpretation der Zahlen verweist er auf den hohen Anteil des Eigenkapitals von rund 66,8 Millionen Euro, der einer Kreditaufnahme von 4,4 Millionen Euro gegenübersteht. Dies zeige, dass Morbach gut da stehe.
Achim Zender, Fraktionsvorsitzender der FWM, sieht das Zahlenwerk weniger rosig. Er sagte: "Die Gemeinde wird damit reich gerechnet. Straßen und Plätze kann man nicht verkaufen, sie müssen abgeschrieben werden."
Nicht die Politik sei in diesem Fall verantwortlich, der Gemeinde- und Städtebund habe diese Form der Buchführung gewollt. mai

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