Schiffsbau am grünen Ufer

LONGUICH-KIRSCH. Bei einer kreisübergreifenden, dreitägigen Übung probten 75 freiwillige Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) den Ernstfall: Am Moselufer bei Longuich bauten sie eine Behelfsfähre, die eine zerstörte oder beschädigte Straßenbrücke ersetzen könnte.

Obwohl die gewaltige Betonbrücke des Autobahndreiecks Moseltal am Moselufer von Longuich-Kirsch als das alles beherrschende Element erscheint, geht es unterhalb von ihr geruhsam zu: Radler und Wanderer, die auf dem nahen Moselradweg ein paar Stunden Freizeit verbringen wollen, stellen im Schatten des Betongiganten ihre Autos ab. Diesmal wundern sie sich über die vielen schweren blau-weißen Einsatzfahrzeuge, die unter der Autobahnbrücke parken - daneben Zelte, eine dampfende Feldküche und überall junge und ältere Gestalten in blauen Arbeitskombis. Die Wochenendradler sind in eine Großübung des THW geraten. Erster Testlauf für Riesen-Pumpe

"Dies ist eine gemeinsame Übung der THW-Ortsverbände Trier, Wittlich, Cochem und Dockweiler", erklärt der Trierer THW-Ortsbeauftragte Kurt Trierweiler, während er hervorragenden Apfelkuchen aus der Feldküche anbietet. Hauptaufgabe sei es, eine Pontonbrücke zu montieren, die auch als selbstfahrende Personen- und Autofähre genutzt werden könne. Außerdem solle erstmals eine Großpumpe erprobt werden. Das schwere Gerät zum Einsatz bei Überschwemmungs-Katastrophen sei zunächst vom Land Rheinland-Pfalz bei der Verbandsgemeinde Schweich stationiert worden, die aber nicht über die erforderlichen Zugfahrzeuge für den Koloss verfügt habe. Trierweiler: "Nun machen wir Testläufe mit der Pumpe am Moselufer, wobei unsere Leute auch daran ausgebildet werden sollen." Beim anschließenden Gang zum "Fähr-Bauplatz" führt der Weg am Pumpenaggregat vorbei: äußerlich ein großer Lastwagen-Anhänger auf Zwillingsreifen, an den überdimensionale Schlauchleitungen angeschlossen sind. "Das Ding kann abgesoffene Straßenzüge in kurzer Zeit leer pumpen", sagen die THW-Leute und nennen die wichtigsten technischen Daten: 15 Tonnen schwer, Pumpleistung 1,8 Millionen Liter pro Stunde oder 500 Liter in der Sekunde. Die "eigentliche Musik" dieser Übung spielt allerdings noch ein paar Meter weiter an der mit Verbundsteinen eingefassten "Nato-Rampe". Dort liegt ein skurril wirkendes Wasserfahrzeug mit vier Kleinbussen beladen abfahrtsbereit am Moselufer. Dieses aus Pontons zusammengekoppelte "Schiff" wird von sechs Außenbordmotoren angetrieben und ist im Grunde nur der erste Teil einer schwimmenden Behelfsbrücke. Da das THW zu Übungszwecken nicht den Schiffsverkehr auf der Mosel stoppen darf, beließ man es statt der Brücke bei einem motorisierten Teilabschnitt. Der ist immer noch 40 Meter lang, kann insgesamt zwölf Tonnen Last schultern und in erstaunlicher Geschwindigkeit zum Gegenufer transportieren. Die über eine "Stahlstraße" verbundene Konstruktion besteht aus drei Doppelpontons mit je vier Tonnen Tragkraft, die bei den Ortsverbänden Trier, Wittlich und Cochem stationiert sind. Jede Einzelkomponente kann auch selbst als Transportfahrzeug auf dem Wasser agieren. Glück haben die freiwilligen Helfer vom THW und ihre zur Übung eingeladenen Kameraden aus der Partnergemeinde Schifflingen/Luxemburg mit dem Wetter. Weder glühende Hitze noch Dauerregen beeinträchtigen die Arbeitsabläufe. Die Übung wäre übrigens beinahe ausgefallen: "Wir hatten fast mit einem Anruf aus dem Überschwemmungsgebiet in Bayern gerechnet, aber die konnten sich selbst helfen", heißt es. Nach der Elbeflut 2002 kam dieser Anruf - der anschließende Einsatz für die THW-Helfer dauerte Wochen.