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Schillingen erinnert an besonderem Ort an seine einstigen jüdischen Bürger

Gedenk-Kultur : Wie Schillingen an seine jüdischen Bürger erinnert

Seit mehr als 1700 Jahren gibt es jüdisches Leben in Deutschland. Jetzt hat der Hochwald einen weiteren Erinnerungsort.

Das Schlüsselerlebnis hatte der Schillinger Ortsbürgermeiter Markus Franzen schon im Jahr 2011: Im Gespräch mit einer hoch betagten Mitbürgerin kam die Rede auf das Schicksal der beiden bis zum Zweiten Weltkrieg in Schillingen ansässigen, jüdischen Familien Meyer und Kahn. Auf der Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs war während der Nazizeit der Name des im Krieg gefallenen Juden Samuel Meyer entfernt worden. Er war in den 1980er Jahren auf der Gedenktafel nachgemeißelt worden. Es erinnerte in Schillingen aber nichts mehr an die Gräueltaten, die die Meyers und Kahns erfahren mussten.

Franzen hat das zum Anlass genommen zu recherchieren. Im Rahmen eines Projekts der Messdienerinnen und Messdiener der Kirchengemeinde und des Jugendforums Saarburg-Kell haben die jungen Leute seit November 2021 geforscht und Informationen zusammengetragen. Am Sonntag wurden nun die beachtenswerten Ergebnisse in Form einer Broschüre mit dem Titel „Jüdische Kultur in Schillingen“ im Rahmen einer Feierstunde im Pfarrheim präsentiert. Auf 20 Seiten wird  – illustriert mit Fotos und ergänzt um Anmerkungen – die Geschichte der Meyers und Kahns erzählt, die vor der Nazizeit fest in der Dorfgemeinschaft integriert waren. Franzen betont in seiner Ansprache daher auch, dass die Schillinger Bürger trotz des politischen Drucks und unter dem Eindruck von Gewalt weitestgehend solidarisch mit ihren jüdischen Mitbürgern waren. So seien es SA-Männer aus den Nachbargemeinden gewesen, die während der Pogromnacht am 9. November 1938 die Schillinger Juden angegriffen und drangsaliert hätten. Zudem verweist er darauf, dass seit 1700 Jahren Juden in Deutschland leben. Und wahrscheinlich seit dem Mittelalter, mindestens aber seit dem 30-jährigen Krieg (1618-1648) auch im Hochwald.

Gefördert wurde das Projekt im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie Leben“ und durch die Verbandsgemeinde Saarburg-Kell, deren Bürgermeister Jürgen Dixius sich wünscht, „dass hier alle Menschen, unabhängig von ihrer Religion, in Frieden miteinander leben können“.

Außerdem wird vor der Pfarrkirche eine von dem Schillinger Künstler Klaus Maßem gefertigte Stele eingeweiht, auf der die Namen der sechs jüdischen Mitbürger stehen, die in den Konzentrationslagern Auschwitz und Theresienstadt ermordet worden waren: Heinrich Meyer, Elsa Meyer, Max Meyer sowie Hermann-Josef Kahn, Rosa Kahn und Regina Kahn. Alle anderen Familienmitglieder wurden vertrieben oder wanderten aus. Es sei wichtig, die Namen zu nennen, um dem Grauen ein Gesicht zu geben, sagt der Saarburger Historiker Günter Heidt. Als weiteren Baustein der Schillinger Erinnerungskultur präsentiert Heidt, als renommierter Forscher der Experte für das regionale Judentum, die Wander-Ausstellung „Jüdisches Leben in der Verbandsgemeinde Saarburg-Kell“, die vor einigen Wochen in der Saarburger Kulturgießerei Premiere gefeiert hatte.

Die Ausstellung ist ab sofort bis zum 15. Mai, mittwochs, von 17 bis 20 Uhr (oder nach Voranmeldung beim Ortsbürgermeister) zu besichtigen, hier gibt es auch die Broschüre.