Schimmelsporen im Atombunker-Archiv Trier-Saarburg

Kreisgeschichte : Schimmelsporen im Atombunker-Archiv Trier-Saarburg

Die Kreisverwaltung Trier-Saarburg hat zurzeit keinen Zugriff auf Tausende Akten in ihrem Archiv. Der Grund: Sie sind in einem riesigen Schutzkeller ohne funktionierende Lüftung gelagert. Der TV hat das Relikt des Kalten Krieges besucht.

Thomas Müller zieht die schwere Stahltür im Keller der Kreisverwaltung in Trier auf. Der Pressesprecher führt den TV an einen Ort, der Besuchern normalerweise verschlossen bleibt. Unter der Kreisverwaltung ist ein 470 Quadratmeter großer Atomschutzbunker mit fast 30 Räumen. Die Anlage zeugt einerseits vom Kalten Krieg. Andererseits lagern dort mehr als 50 000 (Bau-)Akten aus den vergangenen Jahrzehnten.

Weil Schimmelsporen in der Luft der Bunkerräume gemessen wurden, sind die Akten zurzeit nicht verfügbar. Auf einigen Dokumenten hat sich Weißschimmel abgesetzt. Obwohl dieser weniger gefährlich als Schwarzschimmel ist, dürfen die Dokumente erst wieder aus dem Archiv herausgeholt werden, wenn sie gereinigt wurden. Laut Müller soll das bis zum Jahresende erledigt werden. Eine Spezialfirma werde noch damit beauftragt. Um zu erklären, wo die Schimmelprobleme herkommen, ist eine Zeitreise in die 1980er Jahre notwendig (siehe Zweittext).

Gefährlich seien die Schimmel­sporen nicht, sagt Müller. Dann öffnet er die schwere Stahltür und führt den TV ohne Schutzkleidung oder Mundschutz durch die Räume. Dabei empfiehlt das Gesundheitsamt unter anderem einen Mundschutz und Handschuhe. Neben der Eingangstür schaut Müller durch eine runde Luke aus Panzerglas. Sie ist  zur Kontrolle gedacht, um zu sehen, wer in den Schutzraum hineinwill.

Ein Besuch im Atombunker unter der Kreisverwaltung in Trier

Dann beginnt eine Tour, die an Endzeitszenarien der 1980er Jahre erinnert. Stickig feuchte Luft schlägt einem entgegen. Es riecht nach altem Papier. Phosporisierende Linien, die im Dunkeln grünlich leuchten, leiten die Besucher durch die engen Bunkergänge und von Lichtschalter zu Lichtschalter. Die Leuchtröhren brauchen manchmal ein paar Sekunden, bis sie die Räume erleuchten. Aktenregale stehen dicht beieinander. Einige Kartons mit aussortierten Papieren, die entsorgt werden können, sind mit rosa Farbe markiert. Müller erklärt: „Wir können jetzt auch endlich ausmisten.“ Nicht mehr benötigte Akten würden fachgerecht vernichtet. Bauakten, die so lange gelagert werden müssen, wie das Gebäude steht, werden aufbewahrt. Einige müssen vom Weißschimmel befreit werden.

An den Regalreihen vorbei geht Müller weiter in einen Raum mit einem kleinen Kasten. Hinter dem Kasten hängen ein Gehörschutz und eine Schutzbrille an der Wand. Der Kasten hat ein Loch, das mit Plastikklappen abgeschirmt ist. Müller erklärt: „Das ist ein Kugelfang.“ Die Waffenbehörde des Kreises feuere eingezogene Schusswaffen in die Box ab, um sicherzugehen, dass keine Munition mehr im Lauf sei.

Der nächste Raum birgt nicht weniger Überraschungen. Wo eigentlich im Ernstfall Umweltproben ausgewertet werden sollten, stehen nicht nur Aktenregale und Kartons, sondern auch Überbleibsel aus dem Kalten Krieg. Kistenweise sind dort Lampen gelagert, die wie Grubenleuchten aussehen. Ein weiterer Karton enthält originalverpackte Gasmasken aus den 1980er Jahren. Ein altes Funkgerät und weitere technische Geräte aus einer Zeit, in der die Digitalisierung noch Zukunftsvision war, stehen herum. Die dreckig braunen Fliesen in den Bunkerduschen, eine für Damen, eine für Herren, und Toiletten deuten ebenfalls  auf das Baujahr des Bunkers hin. Nach heutigen Maßstäben gehen sie allenfalls mit dem Prädikat „Retro“ durch.

Zwischen Aktenregalen führt Müller die Besucher durch einen der engen Hauptflure zurück zum Eingang. Die Führung endet an der Sichtluke des Führungsbunkers. Dann geht es zurück ins Tageslicht und ins Jahr 2019. Mehr als 30 Jahre, nachdem der Bunker erstmalig geöffnet wurde, empfängt die Besucher wieder Baulärm in der Kreisverwaltung.

Hauptsächlich werden im ehemaligen Atomschutzbunker Akten gelagert. Die mit rosa Farbe markierten Akten werden bald aussortiert und vernichtet. . Foto: TV/Christian Kremer
Sichtbarer Weißschimmel auf Dokumenten im Archiv der Trier-Saarburger Kreisverwaltung. Weil die Sporen in der Luft der Bunkerräume gemessen wurden, sind die Akten zurzeit nicht verfügbar. Sie sollen bis zum Jahresende gereinigt werden. Foto: TV/Christian Kremer
Führung durch den Bunker unterhalb der Trier-Saarburger Kreisverwaltung. Foto: TV/Christian Kremer
50 000 Bauakten, die im ehemaligen Atomschutzbunker lagern, dürfen zurzeit nicht entfernt werden. Foto: TV/Christian Kremer

Diesmal wird aber nicht an Schutzräumen wegen der Kündigung des Abrüstungsabkommens zwischen Russland und den USA gearbeitet, sondern an einem barrierefreien Aufzug im Treppenhaus des Hauptgebäudes.

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