Schlagbaum als Freiheitssymbol

Die Moselfähre Sankta Maria ist seit 50 Jahren das Element, mit dem das verbunden ist und bleibt, was längst zusammengewachsen ist: Die Freundschaft zwischen dem luxemburgischen Wasserbillig und dem deutschen Oberbillig. Bis vor 200 Jahren waren beide ein Ort, ein Grund zu feiern.

Oberbillig/Wasserbillig. Fährmann Norbert Schreiner staunte nicht schlecht: "Viele Autos blieben an der Schranke stehen, bevor die Sankta Maria kam." Dabei war das Grenzhäuschen am Wasserbilliger Anleger nur ein Symbol der ehemaligen Teilung. Irgendwie scheint die vor zwei Jahrhunderten ausgerufene Grenze zwischen dem Königreich der Niederlande und Preußen noch nicht ganz aus den Köpfen zu sein.
Zwei Länder, ein Dorf, Wasserbillig und Oberbillig, sie waren vor 200 Jahren Spielball der Weltgeschichte auf dem Wiener Kongress im März 1815 und im Folgejahr bei den Verhandlungen zwischen Preußen und den Niederlanden. "Wie müssen sich die Leute damals vorgekommen sein, mal zum einen, mal zum anderen Land zu gehören?", fragt Gust Stefanetti, Bürgermeister der Gemeinde Mertert-Wasserbillig auf der luxemburgischen Seite der Mosel. Dort sang der Sängerbond Museldall das Lied Fir D' Freiheit von Henri Pensis, die Hymne des Festtages: "Wir wollen frei sein, durch und durch, in unserem Luxemburg."
Das verbindende Element ist seit dem Mittelalter ein Fährbetrieb, seit 50 Jahren durch die damals modern motorisierte Sankta Maria. Ihr Geburtstag wurde gefeiert, doch sie musste arbeiten, brachte die Festgäste vom luxemburgischen ans deutsche Ufer. Hier wurde der Fährvertrag erneuert.
"Der regelt weiterhin den Betrieb der Fähre, der von Oberbillig organisiert wird, und die Teilung der Kosten und des Gewinns zwischen beiden Gemeinden", erklärt der Oberbilliger Ortschef Andreas Beiling. Der Vertrag gelte maximal fünf Jahre.
So lange wollen beide Seiten aber nicht auf die neue, elektrisch betriebene Fähre warten. "Wir helfen bei der Ausschreibung und der Beantragung von Zuschüssen", verspricht der vergangene Woche wiedergewählte hauptamtliche Beigeordnete der Verbandsgemeinde Konz, Joachim Weber. Noch vor den Sommerferien soll der Neubau ausgeschrieben werden. Die Indienststellung im nächsten Jahr wird der Höhepunkt der Veranstaltungsreihe zwischen den beiden Kommunen werden.
Für die junge Generation spricht die Saar-Obermosel-Weinkönigin Sarah Schmitt. Die 20-Jährige findet: "Die Leute verstehen sich so gut, da ist es unerheblich, auf welcher Seite der Mosel man wohnt." Die Billiger seien doch seit vielen Generationen eine Einheit und auf beiden Seiten der Mosel schmecke der Wein super.
"Es hat sich alles zum Guten gewandelt", sagt der 81-jährige Jakob Schuh aus Oberbillig. Beide Seiten haben von ihrer Freundschaft profitiert. Das sei doch mit hohen Zäunen und Grenzen nie möglich geworden.
Die rund 200 Festgäste feierten noch lange zusammen in den Mai, denn in Oberbillig wurde auch noch mit viel Musik der Maibaum aufgestellt.