Schlechte Chancen fürs Kicken auf Kunstrasen

Schlechte Chancen fürs Kicken auf Kunstrasen

Kunstrasenspielfelder werden für die Fußballer aus Zerf und Hermeskeil weiter nur ein Wunsch bleiben. Die Sportplätze in beiden Orten erhalten 2012 definitiv keine neue Spielfläche. Denn im Zuschusstopf des Landes ist kein Geld mehr für die Bauarbeiten übrig. Darüber sind vor allem die Zerfer sauer.

Zerf/Hermeskeil. Ortsbürgermeister Manfred Rommelfanger (SPD) spricht von einer "maßlosen Enttäuschung". Der Vorsitzende des Fußballclubs (FC) Dieter Engelhardt sagt: "Wir haben absolut kein Verständnis für diese Rolle rückwärts."
Mit ihren Aussagen beziehen sich beide auf den Kunstrasenplatz, den die Gemeinde Zerf seit langem an der Stelle des bisherigen Hartplatzes bauen will. Schon dieses Jahr hatten die Zerfer damit gerechnet, dass sie mit den Arbeiten für das 660 000 Euro-Projekt loslegen können.
Kreis will zehn Prozent geben


Doch dann hatte die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier im Sommer mitgeteilt, dass der Landestopf für die Sportstättenförderung 2011 ausgeschöpft ist und deshalb der übliche 40 Prozent-Zuschuss nicht fließt. Also stellten sich die Zerfer erneut in die Warteschlange - allerdings in der festen Erwartung, dass sie dann 2012 an der Reihe sind. "Man hat uns damals bei der ADD gesagt, dass wir das Geld für den Kunstrasenplatz in den nächsten Haushalt einstellen sollen", sagt Engelhardt, der zugleich erster Beigeordneter der Gemeinde und SPD-Mitglied ist.
Im kürzlich verabschiedeten Förderprogramm des Kreises Trier-Saarburg, der sich mit zehn Prozent beteiligen will, steht 2012 der Zerfer Kunstrasenplatz an erster Stelle - direkt dahinter folgt die neue Spielfläche, die unterhalb des Hermeskeiler Schulzentrums entstehen soll. "An uns liegt es also nicht", sagt Kreis-Pressesprecher Thomas Müller.
Denn inzwischen wurden sowohl die Zerfer als auch die Hermeskeiler vom Land sozusagen zurückgepfiffen und stehen mit ihren Kunstrasenplänen im Abseits. Eveline Dziendziol von der ADD liefert die Erklärung: "Der Jahresförderplan 2012 ist mit 25 Projekten, bei denen es sich überwiegend um Ausfinanzierungen handelt, bereits vollständig belegt." Für den Bau der Kunstrasenplätze ist also sowohl in Zerf als auch in Hermeskeil nächstes Jahr kein Geld da. Mehr noch: Es ist keineswegs sicher, dass der Zuschuss nun 2013 kommt.
Hartplatz erst 2003 saniert


"Darüber können wir keine Aussage machen. Was in Zukunft passiert, lässt sich schwer vorhersagen." Denn das Land müsse sparen und habe die sogenannte Schuldenbremse in seiner Verfassung verankert. "Dies hat zur Folge, dass viele wünschenswerte Projekte leider nicht oder nicht unmittelbar realisiert werden können", heißt es bei der ADD.
Im Fall des Zerfer Kunstrasenplatzes gibt es für das Land aber noch einen Grund, der gegen eine Förderung spricht. Der CDU-Landtagsabgeordnete Bernd Henter hatte in dieser Sache eine parlamentarische Anfrage an das Innenministerium gestellt. Von dort kam der Hinweis, dass der Zerfer Hartplatz erst 2003 - als er noch im Besitz der Verbandsgemeinde Kell war - saniert wurde und das Land damals rund 50 000 Euro beisteuerte. "Das lässt eine erneute Förderung derselben Sportanlage in diesem kurzen Zeitraum vor dem Hintergrund des Gleichbehandlungsgrundsatzes nicht zu", heißt es im Antwortschreiben.
Rommelfanger weist dieses Argument zurück: "Die Ortsgemeinde Zerf hat sich schon vor acht Jahren vehement darum bemüht, dass der Hartplatz nicht saniert wird und stattdessen die Mittel zum Bau eines Kunstrasenplatzes verwendet werden". Im Übrigen sei beipielsweise in Bekond auch ein Kunstrasen nur wenige Jahre nach der Sanierung des alten Platzes gebaut und bezuschusst worden.
Zwar kommt auch in Hermeskeil 2012 kein Kunstrasenplatz. Die Reaktionen darauf fallen dort aber verhaltener aus. Er habe "nicht die Erwartungshaltung gehabt, dass wir schon nächstes Jahr zum Zug kommen", sagt Stadtbürgermeister Udo Moser. Gleichwohl sei der Bau eines Kunstrasenplatzes dringend erforderlich. Denn: "Wir haben im Hochwald die schwierigsten Bedingungen und die schlechtesten Plätze", so Moser. Er macht aber darauf aufmerksam, dass die Stadt ursprünglich den Kunstrasen im Waldstadion und nicht auf dem kreiseigenen Platz am Schulzentrum bauen wollte.Extra

13 Kunstrasenplätze gibt es zurzeit im Kreis Trier-Saarburg - und zwar in Thomm (VG Ruwer), in Ralingen, Godendorf und Butzweiler (VG Trier-Land), Tawern, Konz und Kommlingen (VG Konz), Mehring, Bekond und sogar zwei Plätze in Schweich (VG Schweich). Ebenfalls zwei Kunstrasenplätze gibt es in Saarburg. Die Orte in den VG Kell und Hermeskeil sind bisher leer ausgegangen. In ihrer Nähe gibt es noch mehrere andere Kunstrasenplätze - so in Thalfang, Otzenhausen oder Sitzerath. Der Hermeskeiler Sportverein (HSV) hat rund 270 Mitglieder. Teils in Spielgemeinschaften (SG) laufen zwei Senioren- und zwölf Jugendmannschaften im HSV-Trikot aufs Feld. Der FC Zerf hat 460 Mitglieder. In SG kicken drei Senioren-Teams, die Alte Herren- und 17 Jugendmannschaften. ax

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