Schlechteste Ernte seit Jahrzehnten: Honigtöpfe bleiben leer

Schlechteste Ernte seit Jahrzehnten: Honigtöpfe bleiben leer

Das Jahr 2012 hat den Imkern in Konz und Saarburg miserable Honigerträge beschert. Die Bienen produzierten weniger als die Hälfte der üblichen Menge. Schuld daran war das Wetter. Hinweise auf deutliche Preissteigerungen gibt es bisher jedoch nicht.

Saarburg/Konz. Am Bienenlehrstand in Trassem haben sich die Tiere längst in die Winterruhe verabschiedet. Alfons Johannes, Vorsitzender des Saarburger Bienenzuchtvereins, streift auf einem Kontrollgang durch die Reihen mit Bienenkästen. Die Bienen haben ihr Jahreswerk vollbracht. Ergiebig war 2012 nicht. Weniger als die Hälfte der üblichen Menge haben sie gesammelt. Damit war das Imkerjahr eines der schlechtesten seit Langem.
"Schuld war das Wetter", sagt Johannes. Im Frühjahr seien die Blüten erfroren, im Sommer habe es zu viel Regen gegeben. Weniger dramatisch habe den Bienen in diesem Jahr die Varoamilbe zugesetzt. "Der Befall war 2012 nicht überdurchschnittlich groß, die Verlustrate hielt sich in Grenzen", sagt der Imker. Die Verluste beim Honigertrag allerdings waren so groß wie selten. "Ich habe seit 51 Jahren Bienen. Dies war das schlechteste Jahr", sagt Norbert Walde, ebenfalls im Vorstand des Saarburger Vereins. Während ein Volk pro Jahr normalerweise bis zu 50 Kilo spende, seien es in diesem Jahr nur etwa 20 Kilo.
Wenig Verluste wegen Milben


Ähnlich ist es den Konzern ergangen. "Dieses Jahr war es etwa die Hälfte", sagt Albert Walter, Schriftführer des Konzer Bienenzuchtvereins. "Bienen gab es genug. Wegen Varoa habe ich keine Verluste. Aber der Frost im Mai war ein großes Problem." Auch die Qualität des Honigs habe gelitten. "Er ist zwar uneingeschränkt genießbar. Aber zu Prämierungen hat sich diesmal kaum jemand angemeldet." Schuld sei der hohe Wassergehalt. An der Preisschraube wolle er nicht drehen. "Ich habe meist Stammkunden und werde jetzt nicht wegen der geringen Erträge die Preise hochtreiben."
Den Imkern der Region ist es so ergangen wie ihren Kollegen bundesweit. "Die regionalen Werte passen zu denen in Rheinland-Pfalz und ganz Deutschland", sagt Christoph Otten, Experte beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR). Deutlich steigende Preise erwarte er aber nicht. Inwieweit sich der Klimawandel auf die Honigernte auswirke, könne nicht eindeutig gesagt werden. Derzeit liefen Studien zu dem Thema. Deutlich ist aber der Einfluss von Monokulturen, etwa großer Rapsfelder, auf die Zusammensetzung des Honigs. Sie führen etwa zur Dominanz im Geschmack.
Kaum Umweltgifte im Honig


Oder zum Eintrag von Umweltgiften, etwa Spritzmitteln. "Das ist in Rheinland-Pfalz bisher aber kein dominierendes Problem. Tendenziell sind die gemeldeten Fälle während der letzten zehn Jahre eher weniger geworden. Mit Analysen des Sommerhonigs haben wir nichts gefunden", sagt Otten. Ein wichtiges Anliegen des DLR ist es, Nachwuchs für die Imkerei zu gewinnen. Die Mitglieder örtlicher Vereine werden immer älter, ihre Zahl nimmt deutlich ab. "In den vergangenen zwei bis drei Jahren haben sich die Zahlen der Imker aber stabilisiert", sagt Otten. Beim DLR gibt es ein eintägiges Schnupperprogramm, etwa in Trier, oder mehrtägige Grundkurse. "Wie es weitergeht, hängt aber im Wesentlichen davon ab, wie aktiv die Vereine sind."
Vereine werben um Nachwuchs


In Saarburg scheint es gut zu klappen. Dort bietet der Bienenzuchtverein seit 2010 ein Jahr lang ein Bienenvolk und fachliche Begleitung an. "Früher lag der Altersschnitt weit über 60 Jahre, heute unter 50 Jahre", sagt Norbert Walde. Die Hälfte der 50 Mitglieder sei in den vergangenen Jahren über den Lehrbienenstand zum Verein gekommen. Wegen der großen Nachfrage konzentriert sich der Verein im kommenden Jahr darauf, mit den Neuimkern zu arbeiten, ohne das Probeprogramm zu intensivieren.
In Konz arbeiten die Bienenzüchter an ihrem neuen Lehrstand. Auf dem Rohscheider Hof wurde eine Betonplatte gegossen. Im Frühjahr folge der Bau einer Hütte, sagt Albert Walter. Bisher seien die meisten Mitglieder älter als 60 Jahre. Mit dem neuen Angebot soll sich das ändern.
Vom Saarburger Bienenzuchtverein waren 2012 zwei Mitglieder bei Prämierungen erfolgreich. Günther Emmerich (Saarburg) gewann beim Imkerverband Rheinland Gold, Klemens Ostertag (Börfink) Silber.
Extra

Die Uni Trier hat das Bienenprojekt Bee.Ed gestartet. Studenten des Faches Biologie und ihre Didaktik begleiten das Projekt. Es ist nach Angaben der Studenten deutschlandweit einzigartig und richtet sich auch an Schülergruppen, bei denen das Interesse an Bienen und der Imkerei geweckt werden soll. So sollen die Kinder und Jugendlichen auch für den Artenschutz und die wissenschaftliche Forschung begeistert werden. Schulen können sich mit der Uni in Verbindung setzen, wenn sie Interesse an einem Lehrprojekt zu Bienen und Imkerei haben. Nähere Informationen gibt es unter Telefon 0651/201-4796, bergm@uni-trier.de und www.facebook.com/b33edDas Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) veröffentlicht Informationen rund um die Biene, Imkerei und das Lehrangebot dazu auf der Seite www.honigland.rlp.de Kunden, die regionalen Honig kaufen möchten, finden dort eine Karte mit Imkern im Heimatort. Der Konzer Bienenzuchtverein ist über Albert Walter unter Telefon 06501/12389 zu erreichen. Informationen zum Saarburger Bienenzuchtverein gibt es unter www.bienenzuchtverein-saarburg.de oder Telefon 06581/2971. thieExtra

Alfons Johannes (links) und Norbert Walde zeigen Schautafeln am Bienenlehrstand in Trassem. TV-Foto: Tobias Thieme.

Wusstet ihr, dass Bienen ausgezeichnete Tänzer sind? Das ist wirklich so. Denn so sprechen die Bienen miteinander. Wenn Bienen über die Wiesen und durch die Wälder fliegen, finden sie manchmal besonders tolle Blüten mit viel Nektar und Pollen. Das ist ihre Nahrung. Dann fliegen sie nach Hause in den Stock und berichten natürlich ihren Kolleginnen davon. Das machen sie, indem sie lustige Tänze vollführen. Mal krabbeln sie in der Form einer Acht, manchmal wackeln sie mit dem Po. Das ist Bienensprache und sagt, wo die tollen Blüten sind. thie

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