Schlosser zerlegen den Konzer Bubikopf

Schlosser zerlegen den Konzer Bubikopf

Die Konzer Dampflokfreunde machen ernst. In der ersten Septemberhälfte beginnen die Mitarbeiter einer Schlosserei damit, die alte Lok an der Schillerbrücke in ihre Einzelteile zu zerlegen. Später soll sie in der Bahnhofstraße in einem Unterstand wieder zusammengesetzt werden.

Konz. Rost hat große Teile der Konzer Lok, liebevoll Bubikopf genannt (siehe Extra), zerfressen. Das längst stillgelegte Gefährt steht unterhalb der Schillerbrücke, und ist von Graffiti übersät. Sogar ein Brombeerbusch wuchert an und auf dem Industriedenkmal aus dem Jahr 1936.
Im Drehscheibe-Internetforum der Bundeszentrale für politische Bildung diskutieren Eisenbahnexperten darüber, ob die Lok "unrettbar" ist.
Große Verletzungsgefahr


Doch jetzt naht die Rettung. Eine rot-weiße Absperrung an der Schillerbrücke und ein Bauzaun um die Lok deuten darauf hin: Der Verein der Dampflokfreunde Konz will endlich Ernst machen und in der ersten Septemberhälfte mit den Vorarbeiten für die Renovierung der Lok als Denkmal beginnen.
"Man muss anfangen und das Thema anpacken, statt nur darüber zu diskutieren, wie komplex die Restaurierung der Lok ist", meint der Vereinsvorsitzende und ehemalige Bürgermeister der Verbandsgemeinde Konz, Winfried Manns, bei einem Treffen mit dem TV an dem maroden Industriedenkmal. Den Bauzaun habe der Verein aufbauen lassen, weil inzwischen die Gefahr zu groß sei, dass jemand sich verletze, wenn er auf die brüchige Lok oder in das Führerhaus klettere.
Komplizierte Finanzierung


Der Verein will die Lok in der Bahnhofstraße in einem Extra-Unterstand wieder aufbauen (der TV berichtete). Der Unterstand soll im Rahmen des zweiten Bauabschnitts für die Erneuerung der Bahnhofstraße entstehen.
Dass die Dampflokfreunde erst jetzt - ein Jahr und acht Monate nach ihrer Gründung - Hand anlegen, begründet Manns damit, dass die Finanzierung des Projekts sehr kompliziert ist.
Von Anfang an war klar, dass die Lok nicht wieder fahrtüchtig gemacht würde - das hätte laut Manns 855 000 Euro gekostet. Doch auch die Kosten für die denkmalreife Renovierung samt Transport und Bau eines Unterstands gehen in Richtung der 200 000-Euro-Marke. 2013 hatte der Verein einen Antrag für Fördergeld aus dem europäischen EU-Fördertopf Leader gestellt. Der wurde auch genehmigt - allerdings nicht für die Renovierung der Lok, sondern nur für den Bau des Unterstands und für den Transport der Teile zum neuen Standort.
Erst Arbeit, dann Gewissheit


"Es fließt kein öffentliches Geld in die eigentliche Sanierung der Lok", erklärt Manns. Der Verein trage diesen Teil des Projekts bis auf einen Zuschuss aus der Denkmalpflege komplett selbst.
Wie teuer das Gesamtprojekt wird, ist noch unklar. Sicher ist aber, dass die Mitarbeiter einer Konzer Schlosserei innerhalb der ersten beiden September-Wochen mit der Zerlegung der Lok in ihre Einzelteile beginnen. "Jedes einzelne Teil wird dann fotografiert und dokumentiert", erklärt Manns.
Gut erhaltene Teile der Lok werden wahrscheinlich in einer Halle des Brückenlagers in Konz mit einem Sandstrahler gereinigt. Stark beschädigte Elemente würden detailgetreu in der Schlosserei nachgebaut. Die Gesamtkosten können deshalb erst geschätzt werden, wenn klar ist, wie viele Stunden die Schlosser gearbeitet haben.
Ein ehemaliger Lokführer und ein Experte vom Verein der Eisenbahnfreunde in Losheim (Saarland) helfen bei dem Projekt. Weitere Unterstützung könnten die Dampflokfreunde gebrauchen, betont Manns. Vor allem bei der Pflege der fertig sanierten Lok.Extra

Der Förderverein Dampflokfreunde-Konz e.V. wurde am 13. Dezember 2012 gegründet. Das Ziel ist es, die historische Dampflok der Baureihe 64 zu erhalten. Im Vorstand arbeiten zurzeit neben Winfried Manns (erster Vorsitzender), Addi Arens (zweiter Vorsitzender) noch Hermann Schönhofen (Kassenwart), Alwin Herz (Technikwart), Achim Lutz (Schriftführer), Gerd Kintzinger, Olaf Pelz, Jürgen Gründel, Jürgen Feltes (alle Beisitzer), Peter May und Edgar Blasius (beide Kassenprüfer) mit. Der Verein finanziert sich über Spenden und Sponsoren. Zurzeit haben die Dampflokfreunde 47 Mitglieder. cmk Infos zu dem Förderverein gibt es im Internet unter <%LINK auto="true" href="http://www.dampflokfreunde-konz.de" class="more" text="www.dampflokfreunde-konz.de"%>Extra

  • Konzer Dampflokfreunde nehmen Fahrt auf
  • Konzer Lokfreunde suchen Verstärkung
  • Projekt für alte Lok abgeschlossen

Die Konzer Dampflok, Baujahr 1936, war früher mit 90 Kilometern pro Stunde unterwegs, vorwärts und rückwärts. Sie wurde für Nebenstrecken konzipiert und gehört zur Bahnklassifizierung "Baureihe 64", die 1927 erstmals in Dienst kam. Weltweit sollen laut Wikipedia noch sieben betriebsbereite und 20 museal erhaltene Exemplare der Baureihe existieren. Sie tragen wegen ihrer runden Dampftürme den Beinamen Bubikopf. Die Konzer Lok steht seit April 1974 an den Bahngleisen in der Nähe der Schillerbrücke. Die Stadt Konz hat sie damals für 17 760 D-Mark von der Deutschen Bahn gekauft. Die Lok ist eine Tendermaschine mit eingebautem Behälter für einen Kohlenvorrat (sechs Tonnen). Das Konzer Exemplar stammt von der Maschinenfabrik Eßlingen. Nach dem Krieg blieben die "64er" bei der damaligen Bundesbahn bis 1971 im Dienst. Daten: 950 PS, etwa 55 Tonnen Gewicht. cmk/f.k.

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