Schmuckstücke im Hochwald

HENTERN/GEISFELD/HINZERT-PÖLERT. Früher war es ein reiner "Schönheitswettbewerb". Aber heute spielen auch andere Werte eine wichtige Rolle. Neun Gemeinden stellten sich 2006 beim Kreisentscheid für "Unser Dorf hat Zukunft" zur Wahl, davon drei aus dem Hochwald. Eine Fachjury hat Hentern, Geisfeld und Hinzert-Pölert kritisch unter die Lupe genommen – und Hinzert-Pölert zum Kreissieger erkoren. Diesen Titel teilt der Ort nun mit Riol.

Sie kommen mit dem Kleinbus, sind mit Notizblöcken und Digitalkameras bewaffnet und nehmen alles ganz genau in Augenschein: Eine sechsköpfige Fachjury mit Joachim Maierhofer an der Spitze besuchte dieser Tage insgesamt neun Kommunen im ganzen Landkreis, um eine Frage zu klären: Welcher Ort zeigt sich in diesem Jahr von seiner besten Seite und gewinnt den Kreisentscheid beim Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft"? Inzwischen ist die Antwort gefunden: Riol und Hinzert-Pölert heißen die Kreissieger. In der Hauptklasse für Orte, die zum ersten Mal oder nach längerem Zeitraum am Wettbewerb teilnehmen, konnte sich die Moselgemeinde Riol vor dem Konzer Stadtteil Oberemmel und Bekond durchsetzen. In der Sonderklasse für Dörfer, die sich im vergangenen Jahr bereits für den Gebietsentscheid qualifiziert haben, rangiert Hinzert-Pölert vor Wiltingen. Gemeinsam werden sie den Kreis Trier-Saarburg beim Gebietsentscheid vertreten, wo es um die Qualifikation für das Landesfinale geht. Früher hieß die "Evergreen-Veranstaltung", die es seit 1961 im Land gibt, "Unser Dorf soll schöner werden." Zwar gehören ästhetische Gesichtspunkte immer noch zu den Kriterien, die die Juroren in ihre Bewertung einfließen lassen. Mit schönen Häuserfassaden und üppiger Blütenpracht allein lässt sich heute aber kein Blumentopf mehr gewinnen. "Die Kriterien haben sich geändert", betont Maierhofer. Die Kommission beurteilt bei ihren Rundgängen Entwicklungskonzepte und wirtschaftliche Initiativen in den Dörfern. Sie schaut auf die sozialen und kulturellen Aktivitäten im Ort, betrachtet die Bau- und Grüngestaltung im Ort und achtet auf deren Einbettung in die Landschaft. Nicht nur das Äußere zählt

Diese neuen Bewertungsmaßstäbe würden auch den Gemeinden entgegenkommen, die in puncto Äußerlichkeiten "nicht so begünstigt sind", sagt Maierhofer. Somit konnten sich auch die drei Dörfer im Hochwald der möglicherweise gefälligeren Konkurrenz im Moseltal stellen. Theo Palm, der Ortsbürgermeister von Geisfeld, empfängt die Jury deshalb auch ganz bewusst mit der Aussage: "Wir können hier zwar nicht mit schönen Winzerhäusern aufwarten. Dafür haben wir andere Stärken." Mit ihrer Teilnahme will die Gemeinde herausstellen, "was man mit großem gemeinschaftlichem Engagement alles auf die Beine stellen kann", betonte Palm. Ein weiteres wichtiges Motiv für die Geisfelder ist aber auch der derzeit laufende Antrag für die Anerkennung als Fremdenverkehrsgemeinde. "Voraussetzung dafür ist nämlich, dass wir bei diesem Wettbewerb mitmachen", sagt der Dorfchef. Die Jury zeigt sich in Geisfeld vor allem vom "sehr gepflegten Zustand" des Dorfes angetan. In Hinzert-Pölert beeindruckt Maierhofer vor allem, dass die Hinzerter mit einer großen Gemeinschaftsinitiative ihre Johanneskirche retten und renovieren konnten. "Da kann man nur sagen: Hut ab", sagt Maierhofer. Während der Ortsbegehung war Hinzert-Pölerts Ortsbürgermeisterin Mathilde Müller noch der Meinung, dass es für den kleinen Doppelort "nicht leicht wird" zu gewinnen. "Wir sehen die Teilnahme aber als gute Chance, uns als Wohnort interessant zu machen" - Die bescheidene Aussage eines Gewinners. Auch für Bernhard Wagner, den Ortsbürgermeister von Hentern, ging es nicht in erster Linie darum, "einen Riesenpreis abzuräumen". Er versprach sich vom Besuch der Kommission vor allem, "dass wir uns die Erfahrung und die Ideen der Fachleute zunutze machen und durch kleine Tipps Planungskosten sparen können". Das sei für die Gemeinde wichtig, weil sich in Hentern die Pläne für den Bau eines Bürgersaals im "Landgasthaus Kopp" zerschlagen haben. Pluspunkte sammeln die Henterner bei der Jury vor allem wegen der idyllischen Lage des Orts im Ruwertal. "Es gibt aber noch einiges zu tun", betont Maierhofer am Ende des Rundgangs. Ebenso wie in Geisfeld bemängeln die Architekten in der Kommission, dass in den Neubaugebieten mehr auf die Errichtung von regionaltypischen Gebäuden geachtet werden müsse. Sowohl Wagner als auch Palm können diese Kritik nur bedingt nachvollziehen. Im Grundsatz sei dieser Anspruch zwar berechtigt. "Wir können den Leuten aber nicht vorschreiben, wie sie ihre Häuser bauen sollen", betonen sie unisono. Gleichwohl: Es habe doch einige gute Anregungen und Verbesserungsvorschläge gegeben, ziehen die beiden Gemeindechefs im Gespräch mit dem TV ihr Fazit. Zumal - so die Einschätzung von Palm - die Experten von außen einen großen Vorteil haben: "Die sehen im Ort noch Dinge, die einem Einheimischen schon gar nicht mehr auffallen."