Schnüffeln für den Ernstfall

HERMESKEIL. (fab) Deutsche und luxemburgische Sprengstoffspürhunde trainierten in den Räumen des Technischen Hilfswerks (THW) in Hermeskeil praxisnah für den Ernstfall.

Ihre Einsatzorte sind hochexplosiv und brandgefährlich. Sie werden bei Bombendrohungen, Banküberfällen und zu den brisantesten Fundorten angefordert. Bei Hausdurchsuchungen sind sie mitten im Geschehen, bei Großveranstaltungen überprüfen sie Räume und Gebäude auf ihre Sicherheit. "Ich war schon oft bei Besuchen von Prominenten wie Maggie Thatcher, Helmut Kohl oder dem Papst im Einsatz", plaudert Diensthundeführer Berthold Michels vom Trierer Polizeipräsidium aus dem Nähkästchen. Wie so oft in der täglichen Polizeiarbeit ist eine gute Spürnase von großer Bedeutung. Und die ist bei einem Sprengstoffspürhund besonders ausgeprägt. Hund lebt in einer Nasenwelt

"Ein Hund lebt in einer Nasenwelt - er hat das 250-fache Empfinden eines Menschen", weiß Polizeioberkommissar Peter Wagner. Bevor die Hunde "ihren speziellen Dienst aufnehmen", lernen sie in einer dreimonatigen Grundausbildung 15 Substanzen kennen. Dabei handelt es sich um militärische und gewerbliche Sprengstoffe, Zündschnüre, Waffenöle oder Schmauchspuren. "Die Gerüche speichert der Hund wie auf einer Festplatte", schildert Wagner. Selbst so genannte Selbstlaborate, Entzündliches der Marke Eigenbau, stellen für die Tiere kein Problem dar. Ehe er sich mit seinem Vierbeiner auf die Suche nach explosiven Stoffen begibt, weckt er intensiv den Spiel- und Beutetrieb des sechsjährigen "Ago". "Man muss die starke Triebphase des Tieres ausnutzen", erklärt Wagner. Mit dem Überstreifen des Halsbandes erfolgt dann das so genannte "Ritual". "Jetzt weiß er, dass er nur noch nach Sprengstoff suchen muss", sagt der Polizeioberkommissar. Wagner führt den belgischen Schäferhund bei der Punktsuche an der Leine. Seine rechte Hand ist "Agos" Befehlsgeber. Zehn Minuten werden die Regale im Raum des THW-Gebäudes durchschnüffelt, dann ist Pause. "Der Hund bekommt dann einen ganz heißen Kopf", sagt Wagner. Sein luxemburgischer Kollege, Kommissar Romain Girsch, steht schon mit dem fünfjährigen belgischen Schäferhund "Bingo" bereit, der sofort die Suche nach Sprengstoff aufnimmt. "Wir werden sehr oft auf dem Luxemburger Flughafen eingesetzt", sagt Gendarmerie- Kommissar Girsch. Wagner und "Ago" trainieren hernach praxisnah die "zweite Suchlage", bei der der Hund freilaufend den Sprengstoff sucht. "Wir lassen ihn schießen", sagen die Hundeführer in der Fachsprache dazu. "Ago" sucht hoch, tief, quer und demonstriert dabei, wie durchtrainiert und geschmeidig er ist. Zur Belohnung gibt's das Spielzeug

Wagner kann sich auf die Spürnase seines Vierbeiners verlassen, der erneut den versteckten Sprengsatz entdeckt und sich zum Zeichen der Lokalisierung "ablegt". Als Belohnung erhält "Ago" sein Spielzeug, einen kleinen roten Ball. Da die Anforderungen an die Diensthundeführer der Polizei und an ihre vierbeinigen Kollegen immer komplexer werden, ist auch ein regelmäßiges, intensives Training an praxisnahen und wechselnden Übungsobjekten notwendig. Dabei nutzen die Spezialeinheiten die Gelegenheit, sich grenzüberschreitend auszutauschen, bewerten ihre Hunde und werden über neue Entwicklungen informiert. Neben der monatlich zweitägigen Blockausbildung spielt auch die persönliche Bindung zwischen Mensch und Tier eine große Rolle. "Im häuslichen Umfeld ist ,Ago' ein Hund wie viele andere", beschreibt Wagner das "Privatleben" des Schnüffelexperten. Nach acht Dienstjahren geht der Hund in "Rente".