Schöne Aussicht, fleißige Rentner, vitale Vereine

Schöne Aussicht, fleißige Rentner, vitale Vereine

RASCHEID. Eine "Rentner-Band", die im Dorf den Dreck wegräumt, rührige Vereine, die für einen prall gefüllten Veranstaltungskalender sorgen, ein erstaunlich hohes Angebot an Arbeitsplätzen vor Ort und ein "Bürgerhaus", das der Gemeinde keine Unkosten bereitet – das alles ist typisch für Rascheid.

Auch im Hochwald werden bei Nacht viele Ortsbürgermeister beinahe um den Schlaf gebracht, wenn sie an ihr Bürgerhaus denken. Die Gebäude verschlingen hohe Unterhaltungskosten und erfordern oft Sanierungsarbeiten, während die Einnahmen nur spärlich fließen. So kommt es, dass diese Gemeinden Jahr für Jahr kräftig draufzahlen müssen und das Bürgerhaus zu einem kostspieligen Verlustgeschäft wird. Andreas Ludwig hat diese Sorgen nicht. Denn was Rascheid von allen anderen Dörfern in der Verbandsgemeinde Hermeskeil unterscheidet, ist die Tatsache, dass der Saal der privat geführten Gaststätte Leyendecker als Bürgerhaus des 580-Einwohner-Orts dient. "Das ist eine feine Sache", urteilt der Gemeindechef. Der Saal biete nicht nur genug Möglichkeiten und Raum für alle Aktivitäten, die im Dorf laufen. Auch die Auslastung stimmt. Denn in der Woche nutzen ihn viele Ortsvereine. Besonders vorteilhaft: Für ihre Probestunden und Veranstaltungen müssen die Vereine - genau wie die Gemeinde - keine Miete zahlen. Als Gegenleistung hatte die Kommune beim Umbau des Saals vor knapp 15 Jahren einen Zuschuss von damals 40 000 Mark beigesteuert. Die zentrale Bedeutung des Saals Leyendecker verdeutlicht auch der Umstand, dass die Rascheider Kirmes im Juli traditionell von Wirt Otto organisiert wird. Ansonsten sind es die Ortsvereine, die eine Vielzahl von Veranstaltungen auf die Beine stellen. Ob Musikverein, Sportverein, Sänger, Karnevalisten, Frauengemeinschaft, Feuerwehr oder der FCK-Fan-Club "Zapp-Za-Rapp" - sie alle prägen das Dorfleben. Besonders bemerkenswert wurde in Rascheid auch das Problem gelöst, den Ort in Ordnung zu halten, ohne einen Gemeindearbeiter einstellen zu müssen. Seit drei Jahren sorgt eine Gruppe von zwölf Rentnern dafür, dass der Dreck keine Chance hat. "Das läuft prima", freut sich Ludwig über den ehrenamtlichen Einsatz der Senioren, die der Gemeinde helfen, viel Geld zu sparen. Auf die Frage, was Rascheid sonst noch zu bieten hat, gibt der Gemeindechef eine spontane Antwort: "Rund 50 Arbeitsplätze sind für einen Ort unserer Größenordnung schon eine Menge!" Für Jobs sorgen nicht nur zwei große Zimmereien, ein Busunternehmen und weitere kleinere Handwerksbetriebe. Mehr als zehn Leute sind auch bei einer Wohngruppe beschäftigt, in der zum Teil schwer erziehbare Kinder leben. "Damit gibt es vor Ort aber so gut wie keine Probleme", versichert Ludwig.Neue Bauplätze warten auf Käufer

Auch die Infrastruktur ist in Rascheid noch einigermaßen intakt, obwohl vor zwei Jahren das Lebensmittelgeschäft im Ort aus gesundheitlichen Gründen geschlossen wurde. "Für die Älteren ist das zwar schon ein Nachteil. Den Jüngeren macht das aber nichts aus", so Ludwig. Versorgt wird die nicht-mobile Dorfbevölkerung durch rollende Märkte. Vor Ort gibt es zudem noch einen Getränkemarkt. Auch die Volksbank hat noch eine Zweigstelle in Rascheid. Wichtigstes kommunales Projekt in den zurückliegenden Monaten war die Erschließung des Neubaugebiets "Im Rindsbraten", die die Gemeinde aus eigener Tasche geschultert hat. Dort sind insgesamt 29 Bauplätze entstanden. "Man kann sich zwar über die Größe streiten. Durch die Lage, die sich nahtlos an die vorhandene Bebauung anschließt, hat sich diese Lösung aber angeboten", sagt Ludwig. Die hohe Investitionssumme von rund 600 000 Euro hatte jedoch zur Folge, dass Rascheid im Jahr 2005 erstmals keinen ausgeglichenen Haushalt mehr vorlegen konnte. Deshalb hofft Ludwig, dass der Verkauf der Grundstücke Fortschritte macht. "Dann geht es uns auch wieder besser". Schwerpunkte setzt der Rascheider Gemeinderat aber auch im Ortskern, wo der Gefahr des "Ausblutens" entgegengewirkt werden soll. "Wir wollen verhindern, dass dort die alten Häuser irgendwann leer stehen. Der Ortskern muss erhalten und attraktiver gemacht werden", so Ludwig. Deshalb hat der Gemeinderat jüngst auch gerade in diesem Bereich ein Zeichen gesetzt und im Investitionsplan für die Jahre 2006 bis 2008 jeweils 10 000 Euro für die Dorferneuerung eingestellt. Zu diesem Zwecke wurde bereits ein Beratervertrag mit einem Planungsbüro in Kanzem geschlossen. Geplant ist, dass sich jeder Rascheider mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde beraten lassen kann, wie der Umbau älterer Gebäude konzeptionell aussehen könnte.

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