Schon wieder ein neuer Herbergsvater

Schon wieder ein neuer Herbergsvater

In der Hermeskeiler Jugendherberge geben sich weiterhin die Betriebsleiter die Klinke in die Hand. Der Landesverband hat Lydia Opitz nach nur wenigen Monaten als Herbergsmutter entlassen. Nun wird das Haus übergangsweise von Georgios Tsanis betreut, der gleichzeitig Chef der Trierer Jugendherberge ist und damit eine Doppelaufgabe übernimmt.

Hermeskeil. Mit 112-Betten ist die Hermeskeiler Jugendherberge der wichtigste Übernachtungsbetrieb in der gesamten Verbandsgemeinde. Doch Claudia Fuchs, die Chefin der Tourist-Info (TI), sagt ganz offen: "Die vielen Wechsel tun dem Haus nicht gut. Dass es immer wieder neue Ansprechpartner gibt, erschwert uns die Zusammenarbeit und ist bestimmt auch nicht im Sinn der vielen Stammgäste." Jacob Geditz, der Vorsitzende des Deutschen Jugendherbergsverbands (DJV) Rheinland-Pfalz/Saarland, will dieser Aussage gar nicht widersprechen: "Wir würden uns auch wünschen, dass wieder Kontinuität in das Haus einzieht. Es ist leider so, dass im Moment der Wurm drin ist. Wir sind aber überzeugt, dass wir die personelle Geschichte irgendwann gelöst bekommen", betont er im TV-Gespräch.
Fünf Wechsel seit 2006


Zunächst hatte 2006 die damalige Herbergsmutter Heidi Hans-Sadowsky nach 19 Jahren unfreiwillig Abschied nehmen müssen, weil der DJH sie vor die Alternative stellte, entweder die Versetzung nach St. Goarshausen hinzunehmen oder das Dienstverhältnis zu beenden. Die Frau aus Kell entschied sich aus familiären Gründen für Letzteres. Danach gab es in dem Haus in der Adolf-Kolping-Straße nur kürzere Gastspiele von Betriebsleitern. Auf Heiko Stöhr und Helko Riedinger folgte Rainer Seitz, der die Jugendherberge aber Anfang 2012 verließ. Seine Nachfolgerin wurde Lydia Opitz, die aber auch schon wieder weg ist.
Das liegt aber - anders als im Fall Hans-Sadowsky - nicht daran, dass der DJV mit den Übernachtungszahlen unzufrieden gewesen wäre. 2011 lagen sie bei 13 097 - im Vergleich zu 2010 (14 295) bedeutete das ein klares Minus. Die beim Amtsantritt von Opitz formulierte Erwartungshaltung für 2012 war, dass in diesem Jahr 13 300 Übernachtungen erreicht werden. "In diesem Bereich werden wir auch landen", betont Geditz.
Dennoch wurde Opitz vom DJV entlassen. Die Gründe dafür will Geditz aber nicht nennen: "Ich bin dazu verpflichet, über dienstliche Angelegenheiten Stillschweigen zu bewahren", sagt der Verbandschef. Opitz hat sich inzwischen selbstständig gemacht und leitet eine Gaststätte in Trier.
Vorerst ist Georgios Tsanis der neue Betriebsleiter in Hermeskeil. Allerdings sei dessen Engagement von vorneherein nur als Übergangslösung angelegt. Tsanis wird vorerst eine Doppelaufgabe übernehmen. Der 40-Jährige ist seit 2010 Leiter der Jugendherberge Trier und wird sich nun auch um das Haus in der Hochwaldstadt mit seinen zwölf Mitarbeitern, fünf davon in Teilzeit, kümmern. "Ich werde an drei Tagen in der Woche hier oben sein", sagt Tsanis. Er wolle in dieser Zeit nicht nur verwalten, sondern auch gestalten. Beispielsweise müsse man sich schon jetzt Gedanken darüber machen, welche Programme man den Besuchern der Jugendherberge anbieten kann, wenn nächstes Jahr das benachbarte Feuerwehrmuseum eröffnet wird. Das ist ganz im Sinn von Stadtbürgermeister Udo Moser. Er sagt: "Die Jugendherberge ist ein ganz wichtiger Baustein in unserem Museumskonzept. Deshalb beobachten wir die Entwicklung dort auch mit offenen Augen."
Bei der Suche nach einem neuen Betriebsleiter, der ausschließlich für das Hermeskeiler Haus zuständig ist, betont Geditz: "Dafür muss uns die richtige Bewerbung auf dem Tisch liegen. Das hat Vorrang vor Schnelligkeit." Bis die Nachfolgefrage geregelt sei und Tsanis die kommissarische Leitung wieder abgeben kann, könne es ein halbes Jahr dauern.
In einem Punkt gibt Geditz aber ausdrücklich Entwarnung. Im TV-Gespräch hatte sich TI-Chefin Fuchs darüber besorgt gezeigt, "dass es uns genau so geht wie in Morbach." Dort hatte der Verband 2004 die Jugendherberge geschlossen. Laut Geditz muss man sich aber keine Ängste um den Fortbestand der Hermeskeiler Jugendherberge machen: "Wir stehen zu diesem Haus. Es gibt nicht einmal ansatzweise den Gedanken, es infrage zu stellen."
Extra

In Rheinland-Pfalz und dem Saarland gibt es insgesamt 43 Jugendherbergen. Eine davon befindet sich seit 1936 in Hermeskeil. Das Haus in der Adolf-Kolping-Straße hat 112 Betten. In den Zimmern ist eine Belegung mit ein, zwei, vier oder noch mehr Personen möglich. Alle Zimmer sind mit Dusche und WC ausgestattet. Die Übernachtung mit Frühstück kostet 20 Euro - beziehungsweise 25,50 Euro bei Zweibettbelegung. Das Haus hat fünf Tagungsräume für zehn bis 40 Personen. Im Haus gibt es einen Speiseraum und ein Bistro. Neben Ausflugs- und Besichtigungsmöglichkeiten in Hermeskeil und der Region Trier befinden sich im Haus unter anderem Tischtennisplatten, Spiele, Bücher, Kicker und Flipper, am Haus eine Spielwiese, Bolzplatz, Volleyballfeld, Basketballkorb, Freiluftschach, Schaukeln und Grillhütte. Die Jugendherberge besitzt das Qualitätssiegel "Wanderbares Deutschland" und ist auf die Bedürfnisse dieser Gästegruppe eingerichtet. Kontakt: Telefon: 06503/3097; E-Mail: hermeskeil@diejugendherbergen.de ax