Schrillt der Alarm tagsüber, dann wird’s eng

Schrillt der Alarm tagsüber, dann wird’s eng

Die Hermeskeiler Stützpunktfeuerwehr ist 2015 zu insgesamt 101 Einsätzen ausgerückt. Gestemmt habe man dies dank einer "starken Teamleistung", hieß es auf der Jahreshauptversammlung der 45 ehrenamtlichen Wehrleute. Allerdings lagen allein 59 Einsätze tagsüber in der Hauptberufszeit - was langfristig zum Problem werden könnte.

Hermeskeil. Heikle Momente hatte die Feuerwehr Hermeskeil im vergangenen Jahr einige zu meistern. Im Januar musste ein schwer verletzter Waldarbeiter bei Neuhütten aus misslicher Lage befreit werden. Am 18. Juni trat Gas aus einem Erdtank an der Autobahnraststätte Hochwald aus, die für zwei Stunden komplett abgeriegelt wurde. Zwei Tage später brannte ein Lager mit Holzhackschnitzeln bei Hermeskeil.
Per Fotopräsentation blickte Wehrführer Daniel Bredel bei der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Hermeskeil auf deren schwierigste Einsätze 2015 zurück. Die "nackten Zahlen" dazu lieferte sein Stellvertreter Lars Becker. 101 Einsätze waren es insgesamt, aufgeteilt in 53 Brände und 48 Hilfeleistungen. Vergleiche man diese Zahlen mit den Jahresstatistiken seit 1997, so sei 2015 "ein normales Jahr ohne besondere Vorkommnisse", sagte Becker. Gleichwohl ließen einige Daten aufhorchen. So sei etwa die Zahl der Brände in und an Gebäuden im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen - von 22 auf 33. Das hänge damit zusammen, dass viele Gebäude aus den 60er Jahren stammten und die Bausubstanz allmählich ihre Schwachstellen offenbare. Deutlich seltener als 2014 gab es wetterbedingte Einsätze, die Zahl sank von elf auf drei: "Weil wir von extremen Unwettern verschont blieben."
Da die Feuerwehrmänner und -frauen ihrer Aufgabe ehrenamtlich nachgingen, müsse man auch die Einsatzzeiten analysieren, stellte Becker fest. Es falle auf, dass mehr als die Hälfte der Einsätze (59) im Zeitraum zwischen 6 und 17 Uhr lagen, "also der Zeit, in der die Leute auf der Arbeit sind".
Wichtige Rolle der Ortswehren



Vor Ort in Hermeskeil seien tagsüber etwa 16 Kräfte verfügbar, ergänzte Florian Kann. Bei der Bestellung neuer Kollegen müsse deshalb auch auf deren Arbeitsplatz geachtet werden, richtete er einen Appell an den Verbandsgemeinde-Bürgermeister Michael Hülpes, seinen obersten Dienstherrn. "Sonst können wir die Einsätze irgendwann personell nicht mehr stemmen". Zurzeit seien 45 Wehrleute in der Hermeskeiler Feuerwehr aktiv, 15 in der Jugendfeuerwehr, 18 in der Bambini-Abteilung. VG-Wehrleiter Christoph Borresch erinnerte an die "Bauchschmerzen", die manche nach der Umwandlung der Ex-Hochwaldkaserne zur Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) gehabt hätten. Denn aus der Flüchtlingsunterkunft in Trier waren innerhalb weniger Monate 43 Fehlalarme gemeldet worden (der TV berichtete).
"Zum Glück" seien solche Zahlen in Hermeskeil "nicht generiert worden - das hätten wir nicht leisten können".
Eine mögliche Entlastung kündigte Borresch für den Gerätewart der Feuerwehr Hermeskeil an, die als Stützpunktfeuerwehr auch die zentrale Atemschutzwerkstatt für die 16 Ortswehren vorhält. In der zurzeit im Bau befindlichen Nebenwache der Trie rer Berufsfeuerwehr in Ehrang könne künftig möglicherweise die Atemschutzübungsanlage mit komplettem Gerät genutzt werden, erklärte der Wehrleiter. Über die Kosten müsse aber noch verhandelt werden. Borresch hob auch die Bedeutung der Ortswehren hervor: "Sie müssen am Leben gehalten und gut ausgestattet werden - denn auch eine Stützpunktwehr kann nicht alles allein stemmen."
Die Ortswehren spielten "eine wichtige Rolle, auch für die Dorfgemeinschaft", ergänzte VG-Chef Hülpes, der später einige Beförderungen und Verpflichtungen vornahm (siehe Extra). Hermeskeil sei das "Flaggschiff", das als Vorbild vorangehe. Dafür müsse die Wehr auch technisch entsprechend ausgerüstet sein. Hülpes erinnerte an die bevorstehende Beschaffung der neuen Drehleiter, für die rund 640 000 Euro im VG-Haushalt stünden.
Stadtbürgermeister Mathias Queck bedankte sich für die Dienste einer "exzellent ausgebildeten und ausgestatteten" Stützpunktwehr, die beweise, dass es in Hermeskeil "ein starkes Ehrenamt gibt". Er ermunterte die Wehrleute, noch stärker die Zusammenarbeit mit dem städtischen Bauhof zu suchen.Extra

Beförderungen, Ehrungen und Wechsel: Bei der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Hermeskeil wurde Patrick Kirsch aus Hermeskeil als neues Mitglied der Wehr verpflichtet. Folgende Beförderungen wurden ausgesprochen: Marvin Hilber, Norman Reece und Tim Schuh (zum Feuerwehrmann), Timo Arend und Christoph Schiff (zum Oberfeuerwehrmann), Florian Michel (Löschmeister), Michael Klos (Oberlöschmeister). Christoph Schiff und Jonathan Boullion wurden von Verbandsgemeinde-Bürgermeister Michael Hülpes zu Betreuern der Bambini-Feuerwehr bestellt, Bastian Brosa zum Betreuer der Jugend-Feuerwehr. Geehrt wurden Lars Becker und Dominik Holzapfel für 25 Jahre Mitgliedschaft in der Feuerwehr, Arnold Eiden und Bernhard Weber für 45 Jahre. Der stellvertretende Wehrführer Lars Becker, der sich nach zehn Jahren im Amt einer Wiederwahl stellen müsste, hat angekündigt, nicht erneut zu kandidieren. Die Wahl eines neuen Stellvertreters findet voraussichtlich Mitte des Jahres statt. cweb